Werder/Broock : Verliebt ins Lübzer Land

Seit 1998 in Besitz von Willi Walther: das sanierte Gutshaus in Broock.
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Seit 1998 in Besitz von Willi Walther: das sanierte Gutshaus in Broock.

Vor 20 Jahren erwarb der Hammer Willi Walther zwei Güter und sanierte die Gebäude. Auch mit 90 Jahren ist er regelmäßig zu Besuch

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16. Mai 2018, 12:00 Uhr

Vor 20 Jahren machte sich Willi Walther ein besonderes Geburtstagsgeschenk. In der Nacht zum 5. Mai 1998 stieg der damals 70-Jährige in sein Auto und fuhr die 500 Kilometer lange Strecke von Nordrhein-Westfalen nach Mecklenburg. Sein Ziel war Plau am See. Um 13 Uhr begann dort die Versteigerung eines 46 Hektar großen Gutsareals aus Werder, auf dem einige, verfallene Gebäuden standen. Walther kam pünktlich im Plauer Auktionssaal an. „Die Leute staunten nicht schlecht, als plötzlich der Preis des Grundstücks nach oben ging. Niemand hatte mit mir gerechnet“, sagt der heute 90-Jährige.

Wie so viele Westdeutsche in dieser Zeit, kaufte Willi Walther damals günstige Immobilien im Osten. Doch er kaufte damit auch die Katze im Sack. Die Häuser selbst hatte er vorher noch nie gesehen. Er kannte die Immobilie nur aufgrund einer Zeitungsannonce. Doch der Preis und die Größe überzeugten ihn.

Willi Walther fuhr umgehend nach Werder und besichtigte sein neues Gut. Er nagelte ein Schild an die Wand, auf dem er sich dem Dorf als neuer Eigentümer vorstellte. „Der erste Eindruck war schockierend, die Gebäude sahen schrecklich aus“, sagt er. Angst davor, mit 70 Jahren nochmal zwei große Anwesen auf Vordermann zu bringen, hatte er nicht. Noch heute arbeitet der 90-Jährige für einige Stunden in seinem Hammer Familienbetrieb, den nun einer seine Söhne leitet. „Ich bin nun mal Baustoffgroßhändler. Mein Unternehmen habe ich selbst aufgebaut, deshalb war ich überzeugt, die Sanierung auch aus der Ferne zu schaffen“, sagt der Westfale. Walther fuhr noch am selben Tag zurück in seine Heimat nach Hamm. Schließlich wollte er seinen 70. Geburtstag feiern. Zwei Wochen später machte er sich ein zweites Geburtstagsgeschenk, welches im Lübzer Umland lag. In Broock kaufte Walther ein 49 Hektar großes Grundstück. „Ursprünglich wollte ich in Thüringen investieren, aber das funktionierte nicht. Deshalb kaufte ich in Mecklenburg“, sagt er.

Die Sanierung der Gutshäuser musste schnell gehen. Wären sie nicht bis Ende des Jahres fertig saniert gewesen, hätte er keine EU-Zuschüsse für den Wiederaufbau der verfallenen Gebäude bekommen. Doch günstige Handwerker gab es damals wie Sand am Meer. Mit einem Arbeitstrupp sanierte er gleichzeitig die beiden Güter. Ende 1998 war Willy Walther fertig, die ersten Mieter zogen ein. „In einigen Wohnungen leben noch die gleichen Leute“, sagt der 90-Jährige. Vor wenigen Tagen feierte Walther seinen 90. Geburtstag. Damit jährt sich sein erster Kontakt mit der Region zum 20. Mal. Die Anwesen in Werder und Broock hat er seinen beiden Söhnen vererbt. Trotz seines hohen Alters besucht Willi Walther noch heute mehrmals im Jahr Mecklenburg: „Ich hatte mich damals sofort in die Region verliebt.“ Und diese Liebe hält.

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