Gnevsdorfer Lehmmuseum : Vergessene Techniken im Lehmbau

<fettakgl>Mit seinen Fingern</fettakgl> verzierte Marek Vlcek seinen Lehmputz.
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Mit seinen Fingern verzierte Marek Vlcek seinen Lehmputz.

Mit einer Fotoausstellung eröffnete das Gnevsdorfer Lehmmuseum am Wochenende den europaweiten Lehmbautag. Gezeigt werden Bilder von Bauten, die mit fast vergessenen Arbeitstechniken errichtet wurden.

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23. Juli 2012, 11:29 Uhr

GNEVSDORF | Mit einer Fotoausstellung eröffnete das Gnevsdorfer Lehmmuseum am Wochenende den europaweiten Lehmbautag. Gezeigt werden Bilder von Bauten, die mit fast vergessenen Arbeitstechniken errichtet wurden. "Diese Fotos entstanden im Rahmen eines Wettbewerbs, der uns spannende Ergebnisse lieferte", freute sich Uta Herz als Ansprechpartnerin. In der Ausstellung befinden sich auch Fotos von Gebäuden aus Deutschland. Aus dem Spreewald beispielsweise ist ein Holzhaus abgebildet, dessen Bohlen mit Lehm verfugt sind. In Brandenburg ist die Kombination aus Wohnung und Stall beheimatet, dessen Gefache einst mit der sogenannten Zopftechnik gefüllt und in gleicher Vorgehensweise restauriert wurden. In Finnland steht das 50 Meter lange und zwölf Meter breite Klafterholzhaus mit einer Wanddicke von 70 Zentimetern.

Die meisten Fotos aber stammen aus Osteuropa. Polen lieferte zwölf Abbildungen von Fachwerk- oder Klafterholzhäusern aus den 20er Jahren. Und Tschechien dokumentierte Lehmbauten, deren Wände per Hand mit schmückenden Mustern versehen sind. Dokumentiert sind auch Scheunen, die aus so genannten Lehmbroten entstanden, die im Fischgrätmuster verlegt wurden.

Diese Fotos verdankt die Ausstellung einer Studie der Technischen Hochschule Brünn (Tschechien). Dr. Ing. Ivana Žabicková als Hochschuldozentin für Konstruktionslehre und Vorsitzende des tschechischen Lehmbauverbandes hatte dafür vier Dörfer aus der Region um Vyskov ausgewählt. Dort hatten Deutsche im 14. Jahrhundert begonnen zu siedeln. "Ihre Häuser sind sehr gut erhalten." Typisch für die Architektur der meist traufständigen Häuser sind zweistöckige, quadratische Vorbauten mit einem offenen Vorflur als Eingang. Zu ihren Bewohnern schwärmten Studenten mit Fragebogen aus. Nunmehr sind alle der maximal 30 Bauten bis ins Detail dokumentiert "und sollen helfen, den Tourismus in dieser Region anzukurbeln". Zugleich wurden einige Objekte ausgewählt, um sie beispielhaft zu sanieren. Als weiterer Effekt des Projekts fanden sich überlieferte Fachausdrücke, die nunmehr das Wörterbuch des Lehmbaus bereichern. Die großen Vorbauten beispielsweise heißen "Sölder", die Fingerlehmputztechnik ist als "strämmeln" überliefert.

In der Wangeliner Werkstatt der Bildungsstätte für Lehmbau demonstrierte dann beispielsweise Marek Vlcek, wie er Wände und Flure in seinem Haus in Lysovice mit Fingerputz verziert und bemalt hatte. Praktikern aus Finnland, Tschechien und Deutschland demonstrierten vor Wissbegierigen aus England, Frankreich, Spanien und Italien weitere vergessene Lehmbautechniken wie Holzklafterbau oder Rügel.

Die Fotos Im Gnevsdorfer Lehmmuseum sind bis einschließlich 3. Oktober jeweils dienstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr zu sehen.

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