Forderungen : Verantwortung für junge Menschen

Schon zum vierten Mal tagte der Landeselternrat in Plau am See. Über der umfangreichen Tagesordnung haben dessen Mitglieder von der schönen Lage nicht viel gesehen.
Schon zum vierten Mal tagte der Landeselternrat in Plau am See. Über der umfangreichen Tagesordnung haben dessen Mitglieder von der schönen Lage nicht viel gesehen.

Der Landeselternrat rückt Berufsorientierung in den Fokus und übt Kritik an Plänen der Landesregierung zur Reduzierung der Berufsschulstandorte.

svz.de von
10. November 2014, 22:00 Uhr

Zum vierten Mal schon tagte der Landeselternrat Mecklenburg-Vorpommern in Plau. Es ist unter anderem die schöne Lage des Seminarhotels direkt am See, die die Wahl bestimmt hat. „Aber von der schönen Lage bekommen wir eigentlich nichts mit“, bemerkt eine Teilnehmerin. Und man glaubt es ihr sofort, betrachtet man die mit Themen gespickte Tagesordnung. Eines der Themen ragt hier noch einmal deutlich heraus: die „Berufsorientierung“. In dieser Sache geht es u. a. um die Pläne der Landesregierung, eine neue Ordnung von landesweit nur dreizehn Regionalen Beruflichen Bildungszentren (RBBs) zu schaffen. Heruntergebrochen auf den großen Landkreis Ludwigslust-Parchim hieße dies, dass es hier nur noch ein RBB in Ludwigslust geben würde. Erst 1000 Auszubildende, so will es die Landesregierung, machten eine berufliche Schule wirtschaftlich tragbar.

„Das wirft existentielle Probleme für die Schüler und Schülerinnen auf“, sagt die Vorsitzende des Landeselternrats, Claudia Metz, und schildert ein Beispiel für die komplizierte Situation, die auf junge Menschen in der Ausbildung zukommen könnte. „Man stelle sich vor“, so die Greifswalderin, „Auszubildende müssten eventuell von Vorpommern nach Schwerin in ein Berufliches Bildungszentrum fahren, die Wohnung aber liegt in einem kleinen Dorf bei Greifswald und der Praxisbetrieb wiederum in Pasewalk.“ In der Tat ist nachvollziehbar, dass eine räumlich so gespreizte Lebens- und Ausbildungsphase eine starke Verunsicherung der jungen Menschen mit sich bringen dürfte, und zwar sowohl mental als auch materiell. Zwar soll es unter Umständen für die Unkosten der Berufsschüler, auch für Unterbringung am Ort des Beruflichen Bildungszentrums, Gelder geben, für die Unterkunft am Ort des Praxisbetriebs allerdings müsse der Auszubildende selbst aufkommen, betont Claudia Metz. Und damit rührt sie an einen weiteren Schwerpunkt der Elternratsdiskussion, die auch Eingang in die abschließende Resolution findet: Drei Partner sollten sich ihrer Verantwortung für die jungen Menschen in der Phase des Übergangs „in jeder Form“ bewusst sein und kooperieren: die Auszubildenden selbst und ihre Eltern, das Land - und die Wirtschaft.

Eine entsprechende Forderung geht also u. a. in die Resolution der diesjährigen Tagung des Landeselternrats ein: „Die betriebliche Ausbildung muss durch die Wirtschaft so organisiert werden, dass kleine und große Unternehmen gleichermaßen in der Lage sind, attraktive Ausbildungsplätze zu bieten. Kammern und Interessenverbände sehen wir dafür in besonderer Weise in der Pflicht. Die Rolle der Arbeitgeber darf sich nicht darauf beschränken, nur ausbildungsfähige Schulabgänger abzufordern.“ Dass jedoch die Wirtschaft, speziell auch die Handwerkskammern, den Intentionen des Landeselternrats generell nicht nahestehen, darf man mit aller Vorsicht der Gästeliste der heutigen Tagung entnehmen. Nach Angabe der Landesvorsitzenden waren neben Bildungsminister Mathias Brodkorb auch Vertreter aller demokratischen Landtagsfraktionen, mit Ausnahme der CDU, sowie Vertreter und Vertreterinnen von GEW, des Verbandes Bildung und Erziehung, des Philologenverbandes und der Schulleitungsvereinigung vor Ort, nicht aber Vertreter zum Beispiel der IHK oder der oben genannten Interessenverbände.

Kritik erfuhr auch die Tatsache, dass behinderte Kinder „von Anfang an auf Niedrigqualifizierung gesetzt“, also für die klassischen Behindertenwerkstätten ausgebildet werden. Und schließlich formulierte der Landeselternrat noch eine zentrale Forderung, die es in sich hat, nämlich den Rechtsanspruch auf „ganztägige Kinderbetreuung wahlweise in Horten oder Ganztagsschulen“, wobei für sonderpädagogischen Förderbedarf individuelle Regelungen getroffen werden müssten.

Angesichts der vielfältigen Themenfragen, die die Plauer Tagung zu bewältigen hatte, ist die Stimmung unter den Delegierten außerordentlich gut und gelöst. Vielleicht denken die Teilnehmenden manchmal dennoch an das Paradox, dass die Beaufsichtigung der eigenen Kinder, während die Eltern sich für deren Zukunft öffentlich einsetzen, nicht immer ganz befriedigend gelöst werden kann. Ein typisches Elternproblem „am Rande“. Ein deutlicher Erfolg aber war die Zusage des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, den Landeselternrat zukünftig am Konzept für den Übergang Schule-Beruf zu beteiligen. „Dafür haben wir lange schon gekämpft“, sagt Claudia Metz, „und jetzt kam die Zusage.“ Eine Zusage, die in der Tat einen weiteren positiven Impuls in das demokratische Gemeinwesen hineinträgt. Soll doch der mündige Bürger, die mündige Bürgerin nicht nur zur Wahlurne gehen, sondern auch während der Legislaturperiode aktiv mitwirken dürfen. So will es die Verfassung.





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