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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. Oktober 2017 | 01:05 Uhr

Kriminalität : Vandalen im Kinderparadies

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Unbekannte Täter zerstören auch neuen, erst drei Wochen alten Pool im Lübzer Mehrgenerationenhaus. Eine Reparatur ist vermutlich nicht möglich.

von
erstellt am 16.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Jan Michaelis, Mitarbeiter des Mehrgenerationenhauses (MGH), kann kaum glauben, was er am Montagmorgen entdeckt: Über Nacht haben Unbekannte den von der Einrichtung erst vor rund drei Wochen angeschafften Swimmingpool zerstört – durch einen etwa 30 Zentimeter langen Riss und insgesamt zwei kleinere Löcher gegenüber in der Wand sowie im Boden. „Am Sonntag gegen 18 Uhr habe ich meinen letzten Rundgang gemacht. Da war noch alles in Ordnung“, berichtet Michaelis.

Zum Hintergrund: Am Wochenende gibt es im MGH zwar kein Programm mit Projekten, aber es ist in den Ferien auch sonntags geöffnet, so dass Kinder dann hier gerade im Sommer die Möglichkeit haben, sich auf dem großen Außengelände mit verschiedensten Spielen vergnügen zu können – eben auch in dem fast 15 000 Liter fassenden Pool mit einem Durchmesser von 4,50 Meter. „Er war so beliebt, dass wir die Besucher nur gruppenweise ins Wasser lassen konnten, um den Überblick zu behalten“, sagt Teamleiterin Kerstin Lorenz. Der Bereich zum Baden ist vom übrigen Gelände abgesperrt und wird bei Benutzung überwacht, um hier Sicherheit zu gewährleisten. Ein über die normale Aufsichtspflicht hinausgehender Grund dafür sei der Fakt, dass die Zahl der Kinder, die nicht schwimmen können, ständig ansteige. „Schwimmen ist in der Regel kein Pflichtfach mehr in der Schule, so dass immer weniger Mädchen und Jungen nicht einmal das kleinste Abzeichen haben“, so Karsten Delff, ebenfalls MGH-Mitarbeiter, der zusammen mit Jan Michaelis für die Angebote für Kinder und Jugendliche zuständig ist.

Offenbar ist es so, dass der Boden mit einem spitzen Gegenstand zerstochen wurde, weil sich in ihm ein dafür typisches Loch mit Rissen in verschiedene Richtungen befindet. Bei dem sehr großen Riss in der Wand vermutet Michaelis hingegen einen Tritt als Ursache. Während die beiden genannten Männer schon versucht haben, das Loch im Boden wieder zuzukleben, sind alle skeptisch, ob dies auch an der anderen Stelle möglich ist.

„Natürlich haben die Täter auch unserer Einrichtung, vor allem aber den Kindern geschadet, deren Eltern es zum Beispiel aus finanziellen Gründen nicht möglich ist, zum Baden zu fahren, oder die in den Ferien arbeiten müssen“, sagt Kerstin Lorenz. Wenn sich der Pool wirklich nicht reparieren lasse, sei Badespaß im MGH bis auf weiteres Geschichte, weil ihm nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung stünden, schon wieder einen neuen anzuschaffen. Wie gesagt: Der jetzt zerstörte war erst rund drei Wochen alt. Das MGH hatte sich sehr über die Anschaffung gefreut, weil es das Becken als Angebot bezahlen konnte. Diese Möglichkeit gibt es jetzt nicht mehr. Der deutlich über zehn Jahre alte Vorgänger musste ausgetauscht werden, weil der Kunststoff porös geworden war und der großen Belastung nicht mehr stand hielt – 1000 Liter Wasser sind ein Kubikmeter und wiegen etwa eine Tonne.

Leider hat das MGH schon länger Erfahrungen mit Vandalismus. Auch sein zweiter, ein paar Jahre alter Pool für Schwimmer (rund 1,70 Meter tief und zum großen Teil in den Boden eingelassen) ist gesperrt. Dies erfolgte zu Beginn des Jahres, weil Unbekannte 13 Löcher in ihn rammten. Seine innere Wanne war sogar schon einmal erneuert worden, die nach jetziger Erkenntnis jedoch auch nicht mehr reparabel ist. „Die von außen verursachte Zerstörung hat sich zu einem Hobby entwickelt“, sagt Michaelis merklich gereizt.

Zudem wurde eine kleine, von ehemaligen ABM-Mitarbeitern gebaute und in der Grillecke aufgestellte Mühle kaputtgeschlagen. „Bloße Zerstörungswut oder speziell gegen uns gerichtet – wir wissen es nicht“, so Kerstin Lorenz. Besonders für Zweitgenanntes gebe es jedoch keine Anhaltspunkte. Das MGH verstehe sich mit seinen Nachbarn gut und Streit mit anderen gab es auch nicht.

Nachts ist das Gelände der Einrichtung verschlossen. Offen ist nur eine kleine Stelle zwischen einem Baum und dem Mühlenstrom auf der zur Marina hin gelegenen Seite. Einfach mit einem bis ins Wasser reichenden Zaun – auch wenn es nur ein bisschen ist – darf das MGH dieses Loch jedoch nicht absperren. Dafür müsste es einen Antrag beim Wasser- und Schifffahrtsstraßenamt stellen. Für Kerstin Lorenz steht fest: „Wir werden uns sehr schnell etwas anderes überlegen.“

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