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Das Samstag-Interview : Unternehmer mit sozialen Ambitionen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

André Beckerman, Plauer mit den holländischen Wurzeln, gründete vor 20 Jahren die Ganzlin Beschichtungspulver GmbH und wird für sein soziales Engagement in der Region sehr geschätzt. Sein Traum: Bezahlbare Flüge ins All, um die Erde von oben zu sehen

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erstellt am 20.Apr.2014 | 09:00 Uhr

Seine holländischen Wurzeln kann André Beckerman auch nach 30 Jahren in Deutschland nicht leugnen. Und das will er auch nicht. Was er will, hat der 50-Jährige inzwischen geschafft: Menschen in der Region die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung geben. Vor 30 Jahren ist er, Albartus Beckerman, genannt André nach Deutschland gekommen, vor 20 Jahren gründete er mit zwei weiteren Kollegen die Ganzlin Beschichtungspulver GmbH. Damals war sie 24 Mitarbeiter stark, heute 72. Stark ist sein Engagement auch im Sport. Der Slogan „Dein Herz dem Sport“ könnte von ihm sein. Selbst bis heute aktiv beim Segeln und als Schiedsrichter im Basketball, gründete er 1994 mit Unterstützung des Kreissportbundes Lübz den Ganzliner SV. Der ist inzwischen Gastgeber eines Volleyballturniers mit ca. 130 Mannschaften. Beckerman hatte es Mitte der 1990er mit 24 Teams aus der Taufe gehoben. Heute macht er „nur noch die Parkordnung“. Redakteurin Simone Herbst führte mit dem Mann, der für sein soziales Engagement in der Region sehr geschätzt wird, das 20-Fragen-Interview zum Wochenende.


Wo ist Ihr Lieblingsplatz in der Region?
Es gibt so viele schöne Ecken, wo man die Natur genießen kann. Ich staune immer wieder, wie viele Einheimische leider nicht die Zeit finden, die schöne Umgebung zu genießen. Es ist so einfach und kostet kein Geld. Eine große Wiese im Frühjahr, vom Steg aus die jungen Rotfedern und Barschen bewundern…
Wären Sie Bürgermeister, was würden Sie ändern?
Dass respektvoll bezahlte Dauerarbeitsplätze geschaffen werden für alle Menschen und meine Stadt nicht nur auf Pump (vor)lebt. Deshalb werde ich für die SPD in der Stadt Plau kandidieren. Ich bin sehr daran interessiert, dass Plau die schönste und sozialgerechteste Stadt für alle Plauer Bürger wird. Nicht nur fördern, auch fordern!
Wo kann man Sie in der Region am ehesten antreffen?
Auf Arbeit, sonst überall um und auf dem Plauer See. Auch im Winter mache ich gerne Spaziergänge über den See. Jetzt freue ich mich auf einen schönen Segelsommer.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit Einkaufswagen zurück bringen zum Einkaufsmarkt. Damals gab’s noch keine Münzer dafür und die Wagen waren noch richtig stabil aus pulverlackiertem Drahtstahl gebaut.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Ich habe dafür Basketballschuhe für ein Sommercamp gekauft und meinen ersten Werkzeugkasten, den ich übrigens immer noch habe.
Was würden Sie gerne können?
Schlittschuh laufen, dann würde ich im Winter bestimmt öfter das Rad gegen die Schlittschuhe wechseln. Habe leider kein richtiges Gleichgewichtsgefühl auf dem dünnen Eisen.
Was stört Sie an anderen?

Bei „Klatsch und Tratsch“ bin ich gleich weg. Ich mag es nicht, wenn man schlecht von anderen spricht. Ich unterhalte mich mit meinen Freunden, wie es ihnen geht. Nicht über andere, die ich und die mich nicht wirklich kennen. Achten Sie mal darauf, Klatsch und Tratsch sind selten positiv.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Ich lache und genieße täglich,
wenn ich mir Lebenserfahrungen und Weisheiten von anderen, älteren Menschen anhören darf. Außerdem läuft bei mir ein 24-Stunden-Kopfkino – immer positive Dinge, die mich lächeln lassen.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Auch wenn man das nicht immer denkt, bin ich eher sehr vorsichtig und überlegt. Ich fahre niemals Fahrrad ohne aufgeladenes Handy, ein wenig Bargeld und meine Krankenkassenkarte.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Mein Vater. Er hat es geschafft, vier Kinder mit nur einem kleinen Lohn Sport machen und studieren zu lassen. Er kommt jedes Jahr ein, zwei mal nach Ganzlin und fühlt sich hier bei unseren Bekannten sehr wohl. Damit will ich meine liebe Mutter nicht zu kurz tun, die bis zu meinem 16. Lebensjahr alle meine Klamotten selbst genäht hat. Und als Jüngster habe ich immer alle Fahrräder aus vierter Hand gekriegt.
Welches Buch lesen Sie gerade?
„Kloteklanten“, ein niederländisches Buch über schlechte Leistung und schlechten Service von Großkonzernen. Mein Niederländisch lässt nach, weil wirklich fast alle Gespräche und Träume auf Deutsch stattfinden. Ich habe täglich so viel zu lesen und zu schreiben, dass meine Augen sich abends auf die Lesebrille freuen.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Ich führe so ein (un)geregeltes Leben und bin leider immer (zu) viel unterwegs, dass ich keine Serie mehr habe, die ich mir wöchentlich oder auch täglich anschauen kann. Wenn ich einschalte, suche ich nach Nachrichten und Sportsendungen, höre Radio MV oder NDR Info, die Blitzermeldungen verpasse ich nie und rufe auch selbst immer durch, wenn in Dresenow oder Ganzlin einer aufgebaut wird.
Wo trifft man Sie eher: Auf dem Fußballplatz oder bei einer Sportübertragung vor dem Fernseher?
Diese Antwort werden alle, die mich kennen, nicht lesen, weil sie die Antwort wissen. Auf dem Platz natürlich. Durch den Ganzliner Sportverein habe ich mich vor 20 Jahren schnell wohl gefühlt, schneller und besser eingelebt und ganz viele liebe nette Menschen kennen gelernt. Ich besuche gern Spiele von Vereinen in unserer Region.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Harald Ringsttorf, unseren früheren Landesvater. Ich war als junger Mensch von seinem aufrechten Interesse und Einsatz für unser Land sehr beeindruckt. Vielleicht sollte ich ihm das einfach mal sagen.
Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch?
Ich kann mich sehr über Fisch freuen, sowohl geräuchert als auch roh. Wenn ich in Holland zu Besuch bin, fahre ich als erstes zum Mark, hole mir dünnen Aal oder Matjes.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
„Freiheit“ von Marius Müller Westernhagen steht ganz oben auf der Liste. 1990 war ich bei einem Livekonzert von ihm und hatte auch nach der Wende immer (noch) Gänsehaut bei dem Lied. Ich höre gern Musik und singe gern mit. Die Nachbarn hören mich immer pfeifen.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne, und von wem haben Sie es bekommen?
Mein Jagdhorn, es liegt auf dem Beifahrersitz und die Bläsergruppe muss ich leider zu oft enttäuschen. Ich habe Monate gebraucht, um überhaupt einen Ton aus dem Mundstück zu kriegen. Mein Respekt für gute Musiker ist gestiegen. Ich übe dann mal im Stau.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Die schwierigste aller Fragen, weil ich es nicht wirklich weiß. Ich lege keinen großen Wert auf Materielles oder Weltreisen. Einige Jugendträume, wie Klavier spielen werde ich nicht mehr anstreben. Wenn ich alt genug werde und eine Tagesreise im All bezahlbar geworden ist, will ich mir die Erde einmal von oben schauen.
Was werden Sie als Rentner machen?
Ich wünsche allen Menschen und mir selbst auch, dass ich geistig und gesundheitlich dann immer noch fit bin. Ja, nach der Verfassung kann das alles mögliche sein, von Radfahren bis Angeln. Auto fahren werde ich auf ein Minimum begrenzen und Motorrad fahren bestimmt nicht mehr. Ich hoffe, ich kriege das Großsegel vom lieben Yxilon noch gesetzt, aber kentern mit dem Katamaran tut dann nicht mehr not.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Anke Pohla aus Plau, die sich mit ihrer Familie seit Jahren für die DRK Wasserwacht auf unseren Seen einsetzt.

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