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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

24. November 2017 | 03:16 Uhr

Sanierung beendet : Ungekünstelt und ursprünglich

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Die Woostener Orgel ist wiederhergestellt und wurde inzwischen auch sachverständig abgenommen.

svz.de von
erstellt am 22.Dez.2015 | 16:00 Uhr

Die alte Dame zieht zur Zeit viel Aufmerksamkeit auf sich. Kaum sind die Restaurierungsarbeiten an der Woostener Orgel beendet und ist jedes Teil des Instruments wieder an Ort und Stelle, wird ihr eine Art kircheninterner TÜV zuteil. Zu diesem Zweck reiste Friedrich Drese herbei, seines Zeichens Orgelsachverständiger des Kirchenkreises Mecklenburg, griff in die Tasten und zog prüfend alle Register seines Sachverstands - und der Orgel.

Der vielseitige Orgelfachmann Drese, studierter Kirchenmusiker und heute zudem Leiter des Mecklenburgischen Orgelmuseums, engagiert sich grundsätzlich für die Erhaltung der „mecklenburgischen Orgellandschaft“.  Die Leitung des Projekts in Woosten lag also bei ihm in besten Händen. Er habe unter anderem die Mängel der Orgel festgestellt, berichtet Drese, den Antrag auf Förderung durch das Landesamt für Denkmalpflege gestellt und die Ausschreibung betreut.

In zwei Richtungen wurde die Woostener Orgel wieder in Stand gesetzt. Orgelbauer Schmidt aus Rostock, der den Zuschlag erhielt, hatte Morsches und Abgenutztes am hölzernen Orgelkörper zu erneuern oder wieder fit zu machen und -  sollte den ursprünglichen Klang wieder zum Leben erwecken. Etwa um 1910 nämlich sei eine Pfeifenreihe ausgetauscht worden, um dem Instrument des Orgelbauers Hermann Lütkemüller eine andere, dem Zeitgeschmack entsprechende Klangfarbe zu verleihen, erläutert Drese, der ganz zu Anfang seiner Laufbahn selbst  das Handwerk des Orgelbauers erlernt hat. Der Eingriff von damals führte zu einem tieferen Klangcharakter, zu einer Romantisierung des, wie sich nun feststellen lässt, ursprünglich sehr klaren, unprätentiösen Gepräges des Orgelklangs. „Aeoline“ hieß die nunmehr verbannte Pfeifenreihe, die etwas Mysteriöses - „Windklänge“, sagt der verantwortliche Restaurator Johann-Gottfried Schmidt - zum Gesamtkonzept der musikalischen Wirkung beitragen sollte.

Auf Herz und Nieren also wird die zu ursprünglichem Klang erneuerte Orgel geprüft. Drese greift in die mit Makassa Ebenholz belegten Tasten des Manuals und  stellt dabei einen eher „geringen Tastengang“ fest. Das werde im Frühjahr, wenn die Feuchtigkeit in der Kirche steige, unter Umständen ein Problem, erläutert er. Schmidt wird dies im nächsten Jahr, wenn eine Revision der Arbeiten durch seine Firma ansteht, ohnehin überprüfen. Und im Vergleich ist dieses Detail wohl auch eine Kleinigkeit. Der Orgelbauer aus Rostock zeigt  hölzerne Teile vor, die erneuert werden mussten, wie einen abgenutzten pneumatischen Schalter aus Eichenholz. Besonders eindrucksvoll demonstrieren zwei Holzbauteile aus Rotbuche, die durch und durch verwurmt sind, in welchem Zustand manche Teile der Orgel waren. Zum guten Schluss dann spielt „Hausherr“ Pastor Christian Banek seine rundum erneuerte Orgel. Die „Königin der Instrumente“ ist zurück! Während Prüfer Drese vom Altarraum aus Anweisungen gibt, zieht der Pastor die entsprechenden Register. „Gedackt Flöte vier“ oder „Oktave Zweifuß“, so hört sich das an und ist für Orgeldummies einfach nur Fachchinesisch. Am Ende aber versteht man das abschließende Urteil des Sachverständigen: „Ich empfehle die Abnahme der Orgel“, sagt Drese. Im rechtlichen Sinne kann er zwar nicht entscheiden, aber auf diese Empfehlung wird man hören. 

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