Naturschutz? : Unendliche (Graugans-)Geschichte

Ab März/April fallen die Graugänse am Plauer See ein und belagern dann bis in den August/September das Westufer.
Ab März/April fallen die Graugänse am Plauer See ein und belagern dann bis in den August/September das Westufer.

2016 betragt Plau Grünes Licht für Vergrämung der Tiere bei der Oberen Jagdbehörde. Bis heute blieb Schwerin die Antwort schuldig

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18. September 2017, 05:00 Uhr

Naturschutz ist eine feine Sache und wichtig ohnehin. Gäb’s ihn nicht, Mütterchen Erde oder - eine Nummer kleiner – Deutschland wäre inzwischen vielleicht längst monokulturelle Landschaft. Wer weiß! Und doch birgt gerade der Tierschutz mitunter Probleme. Recht massive sogar.

Stichwort Gänse-Invasion am Plauer See. Scharen von Graugänsen zieht es jedes Jahr hierher. Und sie bleiben über Monate. „Es sind inzwischen Tausende und diese Größenordnung macht natürlich Probleme bei der Badewasserqualität“, umreißt Bürgermeister Norbert Reier die Situation. Auslöser des Übels sei die „Natura 2000“, die Einstufung des See nach dem europäischen Naturschutzrecht. Das nämlich beinhaltet ein Bejagungsverbot für Gänse und Blessrallen. Ergo fühlen die Tiere sich sicher, ziehen hier ihre Jungen auf, fressen – mit Vorliebe den Schilfgürtel am Westufer – und machen ihre „Geschäfte“. Bei tausenden, über Monate stehenden Gänsen kann man sich ausmalen, was das für den Uferbereich bedeutet, vor allem aber mit dem Wasser macht.

Plau tut einiges für den Naturschutz, ist aber auch Tourismusstandort. Im Sommer boomt hier der Wassersport; die Stadt selbst hält Badestellen vor. Bereits 2016 hatten die Plauer deshalb bei der Oberen Jagdbehörde (beim Landwirtschaftsministerium angesiedelt) einen Antrag auf Vergrämung der Vögel gestellt. „Bis heute haben wir keine Antwort“, kritisiert der Bürgermeister. „Um der Situation Herr zu werden, wollen und müssen wir wenigstens drei Jahre infolge Vergrämungsmaßnahmen durchführen“, sagt Reier, der zwar nicht selbst Jäger ist aber Jagden verpachtet. Für ihn ist das Thema lange nicht durch. „Wir werden weiter beim Landwirtschaftsministerium und der Wasserbehörde insistieren, denn wir brauchen dringend Antwort.“

Ob Schwerin das Plauer Problem ignoriert oder nicht ernst genug nimmt, sei dahingestellt. Reier habe jedoch mittlerweile Bedenken, dass der Naturschutz zu einem Problem für die Natur selbst werden könnte. „Das Bejagungsverbot hat das massive Auftreten der Gänse zur Folge und das wiederum wirkt sich auf die Vielfalt der heimischen Tierwelt aus.“ Den Moorochsen etwa (gemeint ist der Stelzenvogel, der zwar selten ist, am Plauer See aber immer zu beobachten war) sieht man hier heute nicht mehr. „Deshalb bin ich auch der Auffassung, dass Naturschutz ausgewogen sein muss“, sagt Norbert Reier. Andernfalls müsse man sich nicht wundern, wenn die Menschen eine Affinität gegen alle seine Formen entwickeln.

Schon vor etwa dreieinhalb Jahren hatte Dr. Jürgen Gebert auf das immer akuter werdende Graugans-Problem am Plauer See aufmerksam gemacht. Der Plauer ist passionierter Jäger und Naturschutzwart und weiß Naturschutz zu schätzen. Wasserverunreinigung und abgefressene Schilfgürtel vor Augen, war ihm der Schutz der Gänse jedoch zu weit gegangen. Er bemühte Umweltamt, Untere Jagdbehörde, Obere Jagdbehörde, Naturschutzbund und stellte schließlich gemeinsam mit anderen Jägern den Antrag auf Ausnahme vom Jagdverbot. Die war schließlich auch erteilt worden. Zeitlich begrenzt und inzwischen abgelaufen. Die Gänse freut’s: Sie haben längst gemerkt, dass sie am Plauer See wieder völlig sicher sind. Sie fressen, erledigen ihr Geschäfte…

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