Herzenssache : Unbeschwerte Momente geschenkt

Angelika Lahser  war  mit ihrer Enkeltochter   zur Weihnachtsfeier des Arbeitslosenverbandes   nach Lübz gekommen. Fotos:  Herbst
1 von 2
Angelika Lahser war mit ihrer Enkeltochter zur Weihnachtsfeier des Arbeitslosenverbandes nach Lübz gekommen. Fotos: Herbst

Der Arbeitslosenverband in Lübz hatte zur Weihnachtsfeier eingeladen. Unterstützung von Unternehmen und Spenden von Familien macht diese Feier seit vielen Jahres möglich. Abseits des Festes sucht die Einrichtung neue Lagermöglichkeiten für die Möbelbörse.

svz.de von
14. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Kuchen, Plätzchen, Apfelsinen, Dominosteine, Kaffee, Kakao und natürlich Schokoweihnachtsmänner – so üppig wie dieser Tage ist der Tisch im Lübzer Arbeitslosenzentrum in der Benziner Straße nicht oft gedeckt. „Aber einmal im Jahr“, sagt Jürgen Lather, „da versuchen wir, für unsere Leute eine Weihnachtsfeier zu organisieren, zu der wir dann einladen.“ Seit 1991 gibt den Ortsverein des Arbeitslosenverbandes in Lübz, den Lather damals mitbegründete. Heute, 22 Jahre später, ist der Vorsitzende immer noch froh, dass sich jedes Jahr Firmen und Unternehmen finden, die das möglich machen. In diesem Jahr gaben die Stadtwerke Lübz 250 Euro, Spielzeug kam von Familien. „Dank dieses Geldes und dieser Spenden konnten wir nicht nur die Kaffeetafel finanzieren. Da waren auch noch kleine Geschenke für die Kinder drin“, freut sich Lather. Und ohne die ist eine Weihnachtsfeier schließlich keine Weihnachtsfeier.

Hübsch verpackt liegen die Päckchen unterm Weihnachtsbaum. Sarah, die mit ihrer Oma Angelika Lahser gekommen ist, hat schon mal vorsichtig gelinst. Ihre Augen leuchten. Doch die Elfjährige wartet geduldig. Bescherung ist später. Zumindest für die Kinder. Während des Kaffeetrinkens erzählt das aufgeweckte Mädchen von der Schule, die ihr sehr viel Spaß macht, davon, dass sie gern im Chor singen oder auch in einer Theater-AG mitmachen würde. „Doch leider gibt’s so was an meiner Schule nicht“, sagt sie und schmiegt sich an ihre Omi. Die lächelt: „Wir sind sehr zufrieden mit unserer Sarah, sie macht sich wirklich gut in der Schule. Und ihre kleine Schwester auch. Die ist ein richtiger kleiner Wildfang.“ Angelika Lahser hat zwei Facharbeiter in der Tasche „und trotzdem habe ich keine Arbeit“, sagt sie mit beklommener Stimme. Mit kleinen Nebenjobs verdient sie sich etwas zu dem dazu, was am Ende des Monats nicht viel ist. „Ich trage Zeitungen aus, ich gehe putzen, denn wenn ich eines nicht mag, dann immer nur dem Staat auf der Tasche liegen.“

Jürgen Lather kennt viele dieser Schicksale. Bei jungen Leuten genauso wie bei älteren. Bis zu 40 von ihnen kommen freitags zur Tafel, die in Lübz auch der Arbeitslosenverband betreut, holen sich hier Lebensmittel ab, die meist von Supermärkten und Discountern aber auch von Bäckern, Fleischern und Hotels in der Region zur Verfügung gestellt werden. Ein Antrag ist dafür notwendig und die Anerkennung der Bedürftigkeit. In Wirklichkeit gebe es viel mehr Bedarfsgemeinschaften, weiß Jürgen Lather. „Wenn die Leute zur Schuldnerberatung zu uns kommen und die Kriterien erfüllt sind, versuchen wir sie zu überzeugen. Manche stellen dann ihren Antrag. Andere tun es nicht, aus Scham.“ Als Lather an diesem Nachmittag die Musik ein wenig leiser dreht und ein paar Worte an die Besucher der weihnachtlichen Kaffeetafel richtet, formuliert er auch seinen größten Wunsch, der vielen Anwesenden ganz sicher aus der Seele sprach: „Unsere Arbeit, so auch dieser Nachmittag, ist Ihnen gewidmet. Ihnen, denen es momentan finanziell nicht so gut geht. Ich hoffe, dass für viele von Ihnen die Situation bald zum Besseren wendet, so dass Sie nicht mehr auf Hilfen angewiesen sind.“

Hilfen kommen beim Arbeitslosenverband im Benziner Weg übrigens ganz oft direkt aus der Möbelbörse. Seit 1994 betreiben sie Jürgen Lather und seine wenigen Leute. Was hier steht und was sich Bedürftige aussuchen können, ist durchweg von der Bevölkerung gespendet. „Die Spendenbereitschaft war von Anfang an sehr groß, ebenso die Resonanz auf Seiten der Bedürftigen“, sagt Lather. „Das sind nicht nur Arbeitslose. Auch Lehrlinge oder Studenten nutzen unseren Fundus.“ Der ist – sofern nötig – aufgearbeitet, gesäubert und türmt sich in den von der Stadt kostenlos bereitgestellten, aber inzwischen viel zu engen Räumen des Arbeitslosenverbandes. Jürgen Lather: „Wir wollen nicht reduzieren, dafür ist der Bedarf bei den Leuten einfach zu groß. Was wir benötigen, ist ein größeres Lager. Räume, in denen die Möbelspenden trocken und sicher stehen und in denen wir sie besser präsentieren können.“ Wer da eine Idee hat oder dem Ortsverband mit Unterstellmöglichkeiten helfen kann, kann sich unter 038731-22941 direkt an den Vorsitzenden wenden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen