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24. November 2017 | 17:51 Uhr

Über Treppen zum Facharbeiterbrief

vom

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erstellt am 11.Okt.2010 | 10:13 Uhr

Parchim | Holz steckt voller Leben, daraus lasse sich fast alles herstellen. Es faszinierte Thomas Gerds schon, als er einst in die Tischlerwerkstatt seines Opas hineinschnupperte und ihm zur Hand ging. Jetzt führt der 38-Jährige in dritter Generation selbst eine Firma dieses Handwerks und bildet jedes Jahr einen Lehrling aus.

Sein Vater hatte erst vom Maschinenbau-Ingenieur zum Tischler umgesattelt, sich 1986 selbstständig und damit das Hobby zum Beruf gemacht, Gesellen- und Meisterbrief nachgeholt. Thomas Gerds lernte in Güstrow gleich Tischler und hat seit zehn Jahren den Meister abschluss in der Tasche. Die Schule absolvierte er neben dem Job. "Jeden Freitag und Sonnabend, das war hart, hatte aber auch was Gutes, weil ich schon Einblicke in die Buchhaltung besaß."

Wenn er zum Aufmaß bei Kunden ist, so erzählt Thomas Gerds, nimmt ihn mancher ältere Parchimer zur Seite: "Und jetzt zeige ich ihnen mal, was ihr Opa hier gebaut hat." Bei dem jungen Firmenchef leuchten dann die Augen. "Ich freue mich unglaublich, dass sich Kunden an meinen Opa erinnern und nun auch zu mir kommen."

Rund 90 Prozent des Firmengeschäfts macht der Treppenbau aus. Sein Vater, der inzwischen im verdienten Ruhestand ist, und er hatten sich mit CNC-Technik im Rücken gleich darauf spezialisiert. Die größte Umstellung für den Junior sei dann der Wechsel auf einen ständigen Arbeitsplatz im Büro gewesen, um Kunden zu beraten und zu begeistern, sagt Thomas Gerds. "Vor zehn Jahren war das für mich kaum vorstellbar." Aber er habe sich immer besser hineingefunden. "Ich berate so, als wäre die Treppe für mich oder nette Verwandte. Ich kann nur von dem schwärmen, was mir selbst gefällt. Es sei denn, jemand kommt mit klaren Vorstellungen und möchte die genau umgesetzt haben." Die Geschmäcke seien nun einmal unterschiedlich, von der Holzart bis zur Bearbeitung. Wurde eine Treppe sonst 1:1 auf einer Platte aufgerissen, kann der Kunde sie heute vor dem Bauen farbig in drei Dimensionen sehen und noch bei Details eingreifen. Besonders gefragt sei derzeit Zweifarbigkeit, zum Beispiel die Stufen in Naturholz und die Wangen in Weiß, dazu integrierte LED-Beleuchtung.

"Früher war die Treppe nur da, um in eine andere Etage zu gelangen, heute ist sie wie ein Möbelstück, ein Gestaltungselement, das oftmals beim Betreten eines Hauses zuerst ins Auge fällt", so der Tischlermeister. Das verstärke den Reiz des Berufes, der für junge Leute attraktiv sei, meint Thomas Gerds. Allerdings finde auch er immer schwerer geeignete Lehrstellen-Bewerber. "In Mathe sollte derjenige schon aufgepasst haben, zumindest die Grundkenntnisse mitbringen. Und ganz wichtig ist räumliches Vorstellungsvermögen. Das aber lässt sich nicht erlernen, das muss man haben", so Gerds. Beim Vorstellungsgespräch absolviere jeder Bewerber einen Eignungstest, von der Handwerkskammer erarbeitet. Sei der gut gelaufen, komme der künftige Azubi für mindestens eine Woche zum Praktikum, um den Betrieb und die Mitarbeiter kennen zu lernen.

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