Europäisches Projekt : Über Arbeit zum Lernen finden

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Jugendförderverein Parchim/Lübz initiiert Europäisches Projekt um 2. Chance für Jugendliche mit Grundbildungsbedarf

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17. November 2014, 22:00 Uhr

Die Produktionsschule Westmecklenburg hat an ihrem Standort in der Landeshauptstadt hoch interessierten Besuch aus Tschechien, Lettland, Rumänien und Österreich kürzlich empfangen. Tags zuvor waren die Delegationen im Wismarer Europawerk EGGER Holzwerkstoffe zu gemeinsamen Arbeit in der strategischen Partnerschaft „INVOLT“ unter Federführung des Jugendfördervereins Parchim/Lübz JFV gestartet. Es geht um Integration in Ausbildung, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe im Europäischen Kontext.

Dieses über das Erasmus-Programm der EU geförderte Projekt sei über zwei Jahre darauf ausgerichtet, sowohl „bestehende Grundbildungsangebote“ auszubauen, als auch „ein alternatives Modell“ zu entwickeln, zu erproben und in Europa einzugliedern, erklärte Dr. Monika Schellenberg als Initiatorin und Projektkoordinatorin. Die ehrenamtliche Vorsitzende des JFV Parchim/Lübz e.V. stellte den allerersten gemeinsamen Workshop der strategischen Partner aus bisher fünf Ländern das Motto voran: „Wir wollen jungen Erwachsenen mit mangelnder Grundbildung in Europa eine zweite Chance bieten, indem sie über Arbeit zum Lernen finden.“

Am Ende dieses Projektes stünden greif- und handhabbare Produkte u.a. in Gestalt eines pädagogischen Drei-Stufen-Modells für tätigkeitsbezogenen Grundbildung im Europäischen Kontext, eines Leitfadens für Unternehmen zur Gestaltung der Bildungsarbeit unter besonderer Berücksichtigung des Nachholens und der Verbesserung von Grundbildung sowie eines Web-Tools zur Reflexion des Arbeits- und Lernverlaufs sowie des Lernerfolgs und zwar sowohl in Englisch als auch der jeweiligen Landessprache. Als Zielgruppe sind ausdrücklich ausbildende Fachkräfte in Bildungs- und Wirtschaftsunternehmen, Jugend- und Sozialarbeiter, politische Entscheidungsträger, Fachverwaltungen, Kammern und Bildungsplaner sowie nicht zuletzt die betreffenden jungen Erwachsenen selbst genannt.

Nach einer ausführlichen Präsentation des „Konzept zum Übergang von Schule in Ausbildung für Jugendliche mit mangelnder Grundbildung am Beispiel Mecklenburg-Vorpommern“ durch den Referenten Thomas Bohn vom Landesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur hatten in Wismar die beiden Schweriner Schüler Nora und Hannes nebst ihrer Beraterin für Praxislernen Sabine Schickel Gelegenheit, ihre persönlichen Erfahrungen mit dem sogenannten Produktiven Lernen (mit wöchentlich zwei Schul- und drei Praktikumstagen an insgesamt 27 staatlichen Regelschulen im Land) vorzustellen. Danach erleichterte vor allem der vorgesehene Wechsel der selbstgewählten Praktikumsbetriebe nach Ablauf von drei Monaten die Berufsorientierung und letztliche Rückkehr zum regulären Schulabschluss.

Vor Ort beim Gastgeber EGGER Europawerk Wismar lernten die Projektpartner dann auch noch Ausbilder Mirko Gaitsch und seine Schützlinge in der Produktion von Holzwerkstoffen aus erster Hand kennen, bevor sie sich in der Produktionsschule Westmecklenburg – Standort Schwerin, Hopfenbruchweg – verabredeten. Hier erlebten die Gäste u.a. den 19-jährigen Patric, der offen gestand, mit 13 die Schule geschmissen und dann gut fünf Jahre lang nichts getan zu haben, bis ihm die Arbeitsagentur die Produktionsschule empfahl. „Und hier macht’s jetzt richtig Spaß“, meinte der Teenager, der im Werkstattbereich Hotel-Gaststätten soviel „Pluspunkte“ sammelte, dass er im kommenden Sommer eine reguläre Ausbildung zum Beikoch aufnimmt. Die 16-jährige Jessy berichtete dazu voller Stolz von ihrem Alltag im Werkstattbereich Verkauf, der sich auch um die gesamte Logistik kümmert, und dass sie nach verpatzter Berufsschulförderung jetzt auf dem besten Wege zu einer Lehre als Gastronomiefachkraft sei.

Werkstattpädagogin Jacqueline Danschke erläuterte beim anschließenden Rundgang u.a. durch die öffentliche Kantine und die Metall-/Kfz-Werkstatt die geregelte 39 Stunden-Woche der Produktionsschüler auf Basis der Freiwilligkeit mit jeweils drei Tagen leistungsabhängig entlohnter Arbeit an konkreten Kundenaufträgen bzw. Marktprodukten und Leistungen sowie zwei Berufsschulfördertagen in kleinsten Lerngruppen mit dem Ziel der Ausbildungsreife. Hier sei ein Wechsel des Werkstattteams allerdings die große Ausnahme, merkte sie an und kennzeichnete das tägliche Ringen um soziale Kompetenzen als Hauptsache.

Die Besucher u.a. aus dem Ogres Tehnikum (Lettland), dem Centrum Evropske Spoluprace (Tschechien), der AESD (Rumänien) und der Kärntner Volkshochschule (Österreich) waren beeindruckt und begierig, die begonnene strategische Partnerschaft „INVOLT“ zum Erfolg zu führen.

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