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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

18. Dezember 2017 | 04:35 Uhr

Gallin-Kuppentin : Trotz allem gnadenloser Optimist

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Gespräch zu Beginn des neuen Jahres mit Holger Klukas, Bürgermeister der Gemeinde Gallin-Kuppentin. Ehrenamt finanziell bestraft

von
erstellt am 03.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Man kennt ihn als Menschen, der keine Angst vor klaren Worten hat. Der Rückblick auf 2016 macht da keine Ausnahme. „Angesichts der Tatsache, dass wir als Kommune wegen unserer katastrophalen finanziellen Lage zu absolut keiner Investition mehr in der Lage sind, wundern wir uns auf unterster Ebene zum Beispiel über einige Aktionen des Landes“, sagt Holger Klukas, Bürgermeister der Gemeinde Gallin-Kuppentin. So verkaufe es zum Beispiel die Senkung zu zahlender Umlagen als etwas Gutes, während die Kommunen künftig effektiv jedoch mehr überweisen müssten, weil man für die Berechnung den (in der Regel besseren) finanziellen Stand von vor drei Jahren zugrunde lege.

Im Amt Eldenburg Lübz kann keine der 13 zu ihm gehörenden Gemeinden noch einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen. In Gallin-Kuppentin waren die liquiden Mittel (Kassenbestand) beispielsweise 2015 zwar noch einmal leicht auf 52 000 Euro gestiegen, was aber die grundsätzliche finanzielle Talfahrt nicht beenden konnte. Nach Auskunft der Verwaltung lag die Verbesserung vor allem in der höheren Einnahme von Gewerbesteuern begründet, die jedoch erfahrungsgemäß immer sehr schwanke. 2016 betrug das Minus im laufenden Haushalt von Gallin-Kuppentin der Kämmerei zufolge rund 200 000 Euro.

„Und wenn sich der Staat mit der Erhöhung des Kindergeldes für Hartz IV-Empfänger, wie ich es auch bin, brüstet, habe ich gemeinsam mit hunderttausenden anderen gar nichts davon, weil ich es gar nicht bekomme“, so der Bürgermeister. Sein Einsatz werde sogar noch bestraft, weil man ein Drittel der ihm gezahlten, auch nicht riesigen Aufwandsentschädigung von der Hartz IV-Summe abziehe: „Das ist die Wahrheit, wie mein eigener Dienstherr mit mir umgeht. Besser kann man es nicht verdeutlichen.“ Die Aussage, dass alle Ebenen gleich behandelt werden, sei demzufolge eine Phrase. In der Realität behandle man diejenigen, denen es schlechter geht, oft arrogant und arbeite lediglich Akten ab. Dies führe allgemein zu viel Verbitterung.

Auch im Zusammenhang mit der Einführung des mittlerweile verkehrenden Rufbusses habe das Land aus Sicht von Klukas nur die halbe Wahrheit erzählt und großartige Vorteile verkündet. „Einwohner haben mich jetzt darüber informiert, dass es Fehler bei der Verteilung der Fahrpläne gegeben hat. „Wir haben die aus dem Plauer Bereich bekommen, mit denen wir nichts anfangen konnten. Darüber hätte man mich offiziell unterrichten müssen“, so der Bürgermeister. „Das geschieht bei Problemen zentraler Natur öfter nicht." Das erste, was die neue Landesregierung hingegen nach der Wahl getan habe, sei gewesen, die „Sachleistungen“ für die Abgeordneten zu erhöhen: „Und gesagt wird diesbezüglich längst nicht alles, ohne dies beweisen zu können, aber es gibt Erfahrungen.“

Klukas ist seit zehn Jahren Bürgermeister und der erste Mann in fünf Orten: In Gallin, Kuppentin, Zahren, Daschow und Penzlin. Als großen Erfolg wertet er, dass mittlerweile alle Straßen bis auf eine Ausnahme in Kuppentin (Standort der Wertstoffcontainer) in Ordnung sind. Für den Rest sei die Zahlung von Fördergeldern zwingend erforderlich.

In dem 2012 gegründeten Sportverein SG Gallin-Kuppentin mit seinen fünf Abteilungen sieht Klukas eine „tolle Sache für die Dorfgemeinschaft“, was mit fast 100 Mitgliedern bei 480 Einwohnern objektiv nachvollziehbar ist. Überhaupt spielt Kultur in dieser Gemeinde eine große Rolle. Ob Frühjahrsputz, Osterfeuer, Gemeinde- und Erntefest oder Seniorenweihnachtsfeier im eigenen Gemeindezentrum – alles gehört unverändert dazu. „Eine Leistung, angesichts der Begleitumstände nicht eingebrochen zu sein“, so der Bürgermeister. „Die sehr vielen positiven Rückmeldungen bestärken uns darin, mit den Angeboten auf einem guten Weg zu sein.“ Genannte Veranstaltungen seien die Höhepunkte im Gemeindeleben gewesen, in die man auch die Kinder und Jugendlichen einbinde. Von den Jüngsten kamen über 30 allein zum Fackelumzug, was als Trend hoffentlich langfristig anhalte.

Die Bürger sollten der Maßstab sein, was in der Regel jedoch nicht mehr der Fall sei: „Das kann ich nicht akzeptieren! Und wenn der Landrat verkündet, dass der Haushalt ausgeglichen ist, gehört als Ergänzung zwingend dazu, dass dies auf Kosten der Kommunen geschieht, die dafür bluten, denn die Einwohner zahlen die Steuern.“ Aus gesundheitlichen Gründen habe sich Klukas abgewöhnt, alles zu ernst zu nehmen. Wichtig sei, sein Gegenüber vernünftig anzusprechen, um eine möglichst gute Antwort zu bekommen. „Meine Zuversicht werde ich nicht hinwerfen“, sagt der gebürtige Plauer. „Ich bin ein gnadenloser Optimist.“

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