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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

25. November 2017 | 04:55 Uhr

Interview : Traum vom Pedalritt um den See

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Im Gespräch mit Plaus Bürgermeister Norbert Reier über Erreichtes, 2015er Prioritäten und Wünsche, die endlich wahr werden sollen

von
erstellt am 06.Jan.2015 | 22:00 Uhr

Plau am See Das alte Jahr ist vorbei, das neue noch jung. Die beste Zeit für einen Rück- und Ausblick. Redakteurin Simone Herbst sprach mit Plaus Bürgermeister Norbert Reier über Erfolge, Nackenschläge und wichtige Projekte.

 

2014 ist Geschichte. War es eine erfolgreiche für Plau am See?

Norbert Reier: Ich denke schon. Mitunter sind wir in kleinen manchmal auch in großen Schritten vorwärts gekommen. Für vieles braucht es Prozesse, vieles unterliegt den Einflüssen von außen, wie dem Landkreis, dem Land. Das macht Entwicklung insgesamt nicht leichter. Aber wir versuchen, an den Problemen zu arbeiten, was unsere Bürger sicher auch bemerkt haben.

Sie denken an die Ortsumgehung?

Auch, vorrangig aber an Investitionen, wie die in den zweiten Bauabschnitt unseres Heimatmuseums auf der Burg. Heimatverein und Stadt haben hier wirklich viel erreichen können. Für unsere Bürger aber auch für die Touristen und das vor allem dank der EU-Förderung durch Leader. Nun muss es darum gehen, zusammen mit dem Heimatverein das Angebot noch abzurunden. Ich denke da an Ausstellungen zur Ur- und Frühgeschichte MV, wie sie momentan nur in Dänemark zu sehen ist. Die Funde von der Umgestaltung unseres Marktes und den künftigen bei der Ortsumgehung im Burgmuseum zeigen zu können, wären schön.

Still ist es in 2014 um den Seenradweg geworden…

Was sehr bedauerlich ist. Als Weihnachten ,Die unendliche Geschichte’ im Fernsehen lief, fühlte ich mich schmerzlich daran erinnert. Schon mehrfach glaubten wir einen Stand erreicht zu haben, an dem die Förderung gesichert ist, die Finanzierung steht und wir quasi loslegen können. Dann aber kamen wieder die Einflüsse von außen. Bei diesem Projekt überlagern sich die Kompetenzen von Energie-, Wirtschafts- und Innenministerium, des LFI und der Naturschutzbehörde. Irgendwo hakte es immer, waren Kriterien nicht erfüllt, weil wir sie objektiv gar nicht erfüllen konnten. Trotzdem hoffe ich, dass wir mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums die Lücken im Radweg in diesem Jahr schließen können. Bei 450 000 Übernachtungen ist der Bedarf riesig.

Gutes Stichwort. Wie hat sich Plau im vergangenen Jahr touristisch geschlagen?

Wir waren sehr erfolgreich. Endgültige Zahlen werden zwar erst Ende Februar vorliegen, fest steht aber schon jetzt, dass die Übernachtungsintensität sehr hoch war; wahrscheinlich nicht schlechter als 2013. Nicht immer waren alle Kapazitäten ausgelastet, was zum einen an der Fußball-WM lag, andererseits auch an der Zusammenlegung der Sommerferien bundesweit. Dennoch gehe ich davon aus, dass sich das ganzjährig ausgeglichen hat.

Sie haben den Kampf um den Erhalt der Südbahn verfolgt, ebenso den Etappensieg kurz vorm Jahreswechsel. Was bedeutet dies für Plau?

Generell halte ich es für wichtig, vorhandene Transportmöglichkeiten zu erhalten und begrüße das große Engagement der Bürgerinitiative Pro Schiene. Die Zugverbindung allein genügt aber den touristischen Ansprüchen nicht. Wir brauchen schnelle Verbindungen zwischen Ludwigslust und Waren, um auch für die Metropolregionen Hamburg und Berlin interessant zu sein. Auch per Bus. Gleichzeitig muss man überlegen, wie die kleinen Dörfer an die Grundzentren und die wiederum an die Mittel- und Oberzentren angebunden werden können. Ungeachtet des Bevölkerungsrückgangs. Es gibt inzwischen Dörfer, die nur noch mit dem Schülerverkehr erreichbar sind. Das ist völlig unzureichend und eine Spirale, die sich nach unten dreht. Stadt, Landkreis, Energieministerium, Touristiker müssen in der Frage des öffentlichen Verkehrs anders kommunizieren.

2015 halte ich für unrealistisch, aber in 2016 wollen wir unseren Bahnhofsvorplatz sanieren. Denn egal wie die Organisation des ÖPNV künftig sein wird, wir wollen vorbereitet sein und eine vernünftige Umsteigemöglichkeit mit Toilettenzugang vorhalten.

Größtes Projekt in diesem Jahr wird der Kita-Neubau im Entwicklungsgebiet sein. Dank des Trägers, einem Verein aus Rostock, ohne größere finanzielle Belastung für die Stadt.

Ja, das war Kriterium der Ausschreibung. Involviert sind wir über die Erschließung, die wir momentan für das Entwicklungsgebiet und die Kita vorantreiben. Wir hoffen, das Projekt mit dem Träger planmäßig realisieren zu können, damit die Einrichtung mit 108 Plätzen zum Schuljahresbeginn 2015/16 eröffnet werden kann. Das wird nicht nur den Bedarf decken. Der neue kindgerechte Standort wird die Betreuung in der Villa Kunterbunt ablösen, die mit ihren vielen kleinen Räumen, Treppen und teilweiser Mehrfachnutzung nie ein Zweckbau war.

Plau ist ein Städtchen, in dem Ehrenamt schon viel in die Hand genommen und bewegt hat…

Ja, das macht das Leben bei uns auch so lebenswert. Es gibt hier so vielschichtige Interessen, die mehr als anderswo die Unterstützung der Stadt finden. Wenn auch nicht immer in Form so großer Investitionen wie beim Heimatmuseum. Da ist zum Beispiel der Quetziner Heimatverein, dem wir ein altes Gebäude zur Verfügung gestellt haben, das sich die Mitglieder selbst ausgebaut haben. Es sind aber nicht nur unsere Vereine, die sich engagieren. Da sind auch Privatleute wie das Ehepaar Schulz, das das Mittelalterspektakel nach Plau geholt hat.

…da ist auch der Verein „Wir leben“ mit seinen Ambitionen, das Kino zu sanieren und wiederzubeleben.

Richtig, dazu muss ich jedoch sagen, dass wir uns mit dem Radweg Prioritäten gesetzt haben und sich die Stadt als Eigentümer neben derzeitigen kosten für die jährliche Unterhaltung keine zusätzlichen Belastungen aufbürden will und kann. Auch müsste der Verein zunächst ein Konzept vorlegen, über das dann in der Stadtvertretung oder dem Ausschuss für gesellschaftlichen Angelegenheiten Diskussionsbedarf bestünde. Außer Zweifel steht: In den denkmalgeschützten Bau müsste eine Menge investiert werden, was eine solide Finanzierung braucht. Entscheidung des Vereins wäre es, die Risiken zu tragen oder nicht. Mir wäre wichtig, dass für die Stadt und die Bürger was rüberkommt, Details wären deshalb auch Bestandteil einer Nutzungsvereinbarung.

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