Lübz : Trauer über Tod des Krankenhauses

Das ehemalige Lübzer Krankenhausruine ist seit Jahren eine Trümmerwüste.
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Das ehemalige Lübzer Krankenhausruine ist seit Jahren eine Trümmerwüste.

Dr. Monika Herling, langjährige Ärztin in der Lübzer Poliklinik: „Geschichte darf nicht mit Füßen getreten werden“

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22. Februar 2018, 05:00 Uhr

Weil viele Spezialisten die DDR seit ihrer Gründung verlassen haben, führt Facharztmangel Dr. Monika Herling und ihren Mann 1973 von Schwerin nach Lübz. Dr. Jürgen Herling wird hier zunächst Chef der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe im Krankenhaus der Stadt, ab dem 1. Juli 1980 dessen Direktor (zur Einrichtung gehörten neben genannter Abteilung eine Chirurgie und eine Wachstation) und seine Frau – Diabetologin und Internistin – arbeitet viele Jahre in der benachbarten, 1974 eröffneten Poliklinik. Beide Häuser sind bis zur Wende und auch noch kurz danach der Stolz der Stadt.

Zur Einrichtung gehört schon zu DDR-Zeiten die seit 1968 in Plau am See ansässige Abteilung. Nach letztlich nicht nur diskutierter, sondern auch vollendeter Planung einer „Vernunftsehe“ beider Standorte ziehen weitere dunkle Wolken auf, als Anfang 1993 zunächst die Nachricht von der höchstwahrscheinlichen Schließung der geburtshilflichen Station wie eine Bombe einschlägt. Obwohl die Geburtshilfestation noch 1991 und 1992 für rund sechs Millionen Mark saniert und mit neuer Technik ausgestattet werden, kommt das endgültige Aus für die gesamte Einrichtung am 30. September 1995. Ein Jahr später gibt es noch einmal Hoffnung, weil ein dänisches Unternehmen in dem Komplex eine Herzchirurgie etablieren möchte, doch das Vorhaben scheitert. Nach der Rückübertragung auf den Kreis ersteigert die Stadt das Krankenhaus, der vorher schon die als Plattenbau in Richtung Goldberg angefügte Poliklinik gehörte.

Mit Inbetriebnahme der neu errichteten Klinik in Plau fällt nach 112 Jahren das Todesurteil für Lübz. Erstgenannte erklärt sie sich letztlich dazu bereit, ehemalige Beschäftigte des Lübzer Krankenhauses vorrangig einzustellen. 85 Prozent der 95 Mitarbeiter akzeptieren die ihnen gestellten Bedingungen Bedingungen und wechseln in die neue Einrichtung. „Aus der Poliklinik zogen nach und nach alle Ärzte aus und ließen sich in Privatpraxen nieder“, berichtet Dr. Herling. „Ein Kollege hatte dann noch eine gute Idee. Er wollte eine Spezialklinik für Handchirurgie etablieren, was jedoch an dem scheiterte, der das Haus übernommen hatte. Dann war der Untergang nur noch eine Frage der Zeit.“

Ab 1991 begleitet auch die SVZ das eiserne Ringen um den Erhalt des Krankenhauses mit rund 50 engagierten Beiträgen. Wenn Dr. Monika Herling heute an der Trümmerwüste vorbeifährt, blutet ihr das Herz. Sie hat eine klare Meinung: „Das Erdgeschoss ist das Urgebäude der 1883 gebauten Klinik. Zumindest dies darf auf kein Fall abgerissen werden, weil man damit die Geschichte mit Füßen treten würde.“

Thomas Rosenfeldt, Leiter des Bürgeramtes in Lübz, hatte schon vor ein paar Jahren in einem Gespräch mit unserer Redaktion geäußert, dass der Verfall zu weit vorangeschritten sei. Beschleunigt hat ihn ein Großfeuer vor ein paar Jahren, das auf einer Seite den Dachstuhl zerstörte. Problem bei dem mehrere 100 000 Euro kostenden Abbruch ist vor allem, dass die Stadt keine Fördermittel dafür bekommt.

Dr. Jürgen Herling erlebt einen Großteil der Kämpfe nicht mehr. Der engagierte Mediziner stirbt 1992 nach schwerer Krankheit im Alter von nur 52 Jahren.

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