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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. November 2017 | 20:23 Uhr

Entwicklungsstau : Tourismusperle kein Selbstläufer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Plaus Tourismus-Chef befürchtet negative Entwicklung durch fehlende Investitionen in Infrastruktur und finanzielle Daumenschrauben

von
erstellt am 02.Mär.2017 | 11:55 Uhr

Plaus 2016er Zahlen lassen nur einen Schluss zu: Der Luftkurort hat touristisch ein brillantes Jahr hinter sich. 471  964 Übernachtungen schlagen zu Buche, was eine Steigerung von 1,9 Prozent macht. Dass Plau Tourismusperle und im Landkreis ohne Konkurrenz ist, zeigen auch noch andere Zahlen. Mit 370  000 Übernachtungen in gewerblichen Einrichtungen (Beherbergungen ab zehn Betten) hält Plau ein Drittel der Gesamtübernachtungen im Landkreis. Die verbleibenden 100  000 „Nächte“ in Privatunterkünften machen 40 Prozent vom Ganzen aus.


Es läuft, es funktioniert, die Zahlen stimmen


Das klingt gut und zeigt, wie stark der touristische Osten des Landkreises ist. Und doch sehen Touristiker eine Entwicklung, die lang- wenn nicht gar mittelfristig zu Problemen führen könnte. Und das sind Lücken bzw. fehlende Investitionen, die zwingend erforderlich sind und legitim sein sollten, so Michael Wufka. Der Geschäftsführer der Plauer Tourist Info zielt konkret auf zwei Defizite ab: Auf den nach wie vor stockenden Breitbandausbau (schnelles Internet) in Plau und die Verkehrsinfrastruktur, sprich den stillgelegten Abschnitt der Südbahn zwischen Parchim und Malchow. Da beruhige auch die Bemerkung von Verkehrsminister Pegel (SPD) auf dem Neujahrsempfang des Landkreises Anfang Januar in Plau nicht, es würden wohl weiße Flecken bleiben. „Mir scheint, und da stehe ich mit meiner Meinung zusammen mit vielen Touristikern in der Region, Schwerin meint ,es läuft, es funktioniert, die Zahlen stimmen‘“, so Wufka. Prinzipiell ist das so. 30,3 Mio Übernachtungen landesweit in 2016 bezeugen das. Nur dürfe das nach Meinung der Kritiker lange nicht dazu führen, dass infrastrukturelle Investitionen zurückgeschraubt werden. Das Monate nach der Bahnstilllegung eingeführte Rufbussystem mag zwar Einwohner kompatibel sein. „Für den Tourismus hat es keinen Nutzen“, sagt Wufka. Ohne Bahn sei die Region ohne Anbindung an Hamburg und Berlin, was in Anfängen bereits im Tages- und Fahrradtourismus spürbar sei. Auch der Einheimische ohne Pkw erreiche die Metropolen nicht. Und ohne die durchgängige Odeg sei auch die Mobilität in der Region massiv eingeschränkt. Denn die Bestellung des Rufbusses verlange seines Wissens eine Vorlaufzeit von zwei, drei Stunden. Ganz zu schweigen wahrscheinlich von eingeschränkten Bürozeiten, in denen jemand ans Telefon geht, wenn der Ausflugswillige einen fahrbaren Untersatz ordern möchte. Flexibilität und Spontanität im Urlaub? Fehlanzeige! Für Plaus Tourismus-Chef ist die Sache klar: Wenn die Region ohne Anbindung an die überregionalen Zentren bleibt, fällt Plau hinten runter. Dann werde es eine Frage der Zeit sein, bis o.  g. brillante Zahlen Geschichte werden und die Tourismusperle des Landkreises zum verschmähten Imitat degradiert ist.


Erfolgreiches Marketing verursacht Kosten


Kritisch sehen Touristiker an der Basis inzwischen auch die Finanzierung des Tourismusmarketings. Das Wirtschaftsministerium finanziert den Landestourismusverband, erklärt Michael Wufka, ziehe sich aus dieser Verantwortung jedoch immer weiter zurück. Um auf vielen Wegen potenzielle Urlauber zu erreichen, brauche es ein gutes Marketing. „Und das verursacht natürlich Kosten“, so der Plauer. Wenn die Landesmittel wie angedacht von jetzt 2,8 auf 2,0 in 2018 gekürzt werden, bliebe dem Landesverband ganz genau ein Weg. Er müsse ran an die endlichen Budgets seiner Regionalverbände und Kommunen und den Unternehmen in die Tasche greifen, um seine Marketingaktivitäten zu refinanzieren. Der Rest ist Phantasie oder eben auch ganz einfache Mathematik: Den Ebenen am Ende der Nahrungskette werden ihre Marketingstrategien drastisch zurückschrauben, weil sie sich überlegen müssen, was sie sich noch leisten können. Es wird zum Konkurrenzkapf kommen, der bisher gewollte und erfolgreich praktizierte Synergien zerschlägt. Wenn man dann noch bedenkt, dass andere Länder ihren Landesverbänden das Drei- bis Fünffache für offensive Werbung bereitstellen, könne man sich ausrechnen, welcher Entwicklung etliche Regionen im Land entgegengehen.


Umdenken von Politik und Regierung


Erste Vertreter aus den Tourismusregionen wollen die Marschrichtung des Landes nicht stillschweigend hinnehmen und warten, bis beim Wirtschaftsministerium die Daumenschrauben bei einer Millionen eingerastet sind. „Nein, wir hoffen auf einen Kurswechsel von Politik und Land“, verhehlt Michael Wufka nicht. Ein bisschen knüpfen sie ihre Hoffnung da bei u. a. auch an den CDU-Landtagsabgeordneten Wolfgang Waldmüller, der seit Ende 2016 Vorsitzender des Landestourismusverbandes ist. Seinem Engagement in der Landespolitik verdanke die Plauer Region seit Jahren viel.

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