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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

18. November 2017 | 00:23 Uhr

Kunstausstellung : Toskanisches Märchen in Goldberg

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Holländisch pittoresk, italienisch provokativ und doch im Einklang ist diese besondere neue Ausstellung in der Goldberggalerie

von
erstellt am 20.Okt.2014 | 22:00 Uhr

Als wollte er Vampire vertreiben, so steht er da. In der einen Hand eine Knoblauchpresse, in der anderen den Knoblauch, mit geöffnetem Hemd und bloßem Oberkörper, die Arme leicht vom Körper weg – als Kreuz. So steht er da – Fabrizio Panattoni vor einem Grab auf einem Friedhof im italienischen Altopascio. Die Fotografie ist ein Selbstbildnis und hängt derzeit an einer Wand in der Goldberggalerie. Denn die Aufnahme ist Bestandteil der besonderen neuen Ausstellung von Goldbergkunst. „A Tuscan Saga“ – ein toskanisches Märchen, so übersetzt es auch Gerhard Stromberg. Er ist nicht nur Kurator dieser Ausstellung, sondern auch Freund und Weggefährter. „Diese Ausstellung ist besonders emotional für mich. Fabrizio und ich kennen uns mehr als 25 Jahre. Unsere Leben haben sich oft gekreuzt“, sagt Gerhard Stromberg bei der Ausstellungseröffnung am Freitagabend.

„A Tuscan Saga“ ist nicht nur wegen der emotionalen Verbindung zwischen Gerhard Stromberg und Fabrizio Panattoni so besonders, sondern auch weil es eine außergewöhnliche Schau dieses Mal ist. Gleich drei Künstler kreuzen sich: Fabrizio Panattoni, Wiel Wiersma und Aris Sanders. „Fabrizios Werke machen mich sprachlos. Er zeigt in seinen Fotografien so viel von sich“, verdeutlicht der Kurator. Was nicht zur offiziellen Biografie des Italieners gehört, verrät an diesem Abend Gerhard Stromberg: „Fabrizio wurde von seinen leiblichen Eltern weggegeben und von einem Bauernehepaar aus der Toskana adoptiert. Bis heute sucht er nach seinen leiblichen Eltern, aber in Italien ist es nicht üblich, die Namen zu verraten.“

So ist der Italiener weiter auf der Suche. Genau das spiegelt sich in seinen Bildern wieder. „Er sucht Einblicke in die Welt“, fasst es Gerhard Stromberg zusammen. Seine Fotografien erzählen Geschichten, der Betrachter sucht sich seine eigene Antwort darauf. Wer die Goldberggalerie in der Langen Straße 90 betritt, wird konfrontiert mit einem toten Kaninchen, das Fell bereits über die Ohren gezogen, das Herz hängt heraus, daneben ein Messer, ein Brot, Spielkarten, eine Zeitungsseite mit Silvio Berlusconi drauf. Italienisch provokativ eben. Das Bild ist eines von insgesamt drei. Es zeigt den Wandel vom Guten zum Bösen, wie der Künstler erklärt.

Auf den ersten Blick erscheinen die Bilder von Wiel Wiersma kontraproduktiv. Doch die holländisch-italienische Symbiose funktioniert. Die Malerei des Holländers ist leicht, magisch. Die Gemälde Wiel Wiersmas ergänzen die Fotografien. Bereits vor zwei Jahren hat es eine erste Auflage von „A Tuscan Saga“ in Eindhoven gegeben. „Das Experiment mit beiden funktioniert. Wiel hat versucht Fabrizios Geschichte zu illustrieren. Die beiden sind sich während der Arbeit noch näher gekommen, aber vor allem sind sie sich selbst näher gekommen.“ Die beiden haben sich zu Beginn der zweiten Auflage von „A Tuscan Saga“ gegenseitig porträtiert. Auch diese Bilder sind in der Ausstellung zu finden. „Bemerkenswert, wie er es immer wieder schafft, solche Künstler nach Goldberg zu holen“, sagt Dirk Mittelstädt über Gerhard Stromberg.

Zahlreiche Besucher haben wieder einmal den Weg in die Goldberggalerie gefunden. Denn eines ist hier immer sicher: Gerhard Stromberg schafft es mit der Auswahl der Künstler immer wieder – Sich und seine Galerie-Gäste zu überraschen. Auch dieses Mal gelingt es ihm, dass sich die Besucher mitnehmen lassen von den holländisch pittoresken und den italienisch provokativen Werken und eintauchen in ein „toskanisches Märchen“ inmitten von Goldberg.


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