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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

14. Dezember 2017 | 01:48 Uhr

Grausame Heuernte : Tödliche Gefahr für Rehkitze

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Bei der Mahd der Wiesen kommen immer wieder Jungtiere ums Leben / Können Landwirte das verhindern?

von
erstellt am 10.Jun.2014 | 22:00 Uhr

Ein schreckliches Foto machte Maik Kindler auf der Wiese eines Feuchtgebietes am Tannenberg bei Grebbin: Der Körper eines Rehkitzes wurde durchtrennt. Das Jungtier ist bei der Heuernte unter das Messer gekommen.

„Das ist mir selbst passiert“, sagt Maik Kindler, Landwirt im Nebenerwerb in der Gemeinde Obere Warnow. Es komme leider immer wieder vor, dass bei der frühen Heuernte im Mai/Juni Kitze zersägt werden. Auch ein Freund, ein Biobauer, habe ihm davon berichtet. Gerade in der Zeit, wenn die Kitze noch ganz klein sind und nicht weglaufen können, passieren die traurigen Vorfälle. Das werde auch gern von Landwirten verschwiegen, meint Kindler.

„Es ist ein generelles Problem“, sagt Marcus Schwarzer, Chef der Dobbertiner Agrar e.G. und Vorsitzender vom Kreisbauernverband Parchim. Die Technik ist sehr schnell geworden. Außerdem kommen heute anders als früher kombinierte Maschinen beim Mähen zum Einsatz, die eine große Breite haben. Dadurch ist es schwer für die Jungtiere, sich in Sicherheit zu bringen.

Im Agrarbetrieb werden die Mitarbeiter vor dem Mähen eingewiesen, so Schwarzer. Damit Rehe vor den für sie tödlichen Maschinen fliehen können, ist es sinnvoll, von der Mitte ab zu mähen und nicht zuerst die Wiese an den Rändern. Das sei allerdings nicht immer möglich, weil die großen Maschinen auch wenden müssen. Ein Kompromiss für die Landwirte sei aber, zwar an den zwei gegenüberliegenden Seiten zu beginnen, dafür aber die beiden Ränder links und rechts erst zum Schluss zu bearbeiten. So können sich die Rehe über diese ungemähten Flächen in Sicherheit bringen. Sind diese dagegen schon flach geschnitten, vermisse das Reh auf seiner Flucht seine gewohnte Umgebung und kehre auf die Wiese zurück. Man versuche die Mitarbeiter dafür zu sensibilisieren, dass dort, wo sie ein weibliches Tier auf der Flucht sehen, auch ein Kitz in der Nähe sein muss, so Schwarzer. Dennoch komme es immer wieder vor, dass am Ende der Mahd Raben an bestimmten Stellen zu beobachten sind. Sie sind ein Zeichen dafür, dass doch ein Wildtier daran glauben musste.

Die Dobbertiner Landwirte sind laut Schwarzer auch mit den Jägern in Kontakt, die vor einer Mahd mit ihren Hunden eine Fläche durchstöbern. In der Hoffnung, dass die Rehe dann eine Zeit fern bleiben, weil sie den Geruch von Mensch und Hund wahrnehmen. Das funktioniere allerdings nur für einige Stunden, sagt Schwarzer. Danach ist die abschreckende Wirkung verpufft. Und wenn es gleich danach regnet, bringe es nichts.

Maik Kindler war bei der Mahd am Tannenberg vorsichtig. Er hat nach eigenen Worten vorher mit dem Jagdpächter gesprochen, der kein weibliches Reh auf der Wiese entdeckt hatte. Kindler beherzigte auch die Regel, die Wiese von innen nach außen zu mähen. Trotzdem ist ihm das Unglück mit dem Kitz passiert.

Der Naturfreund recherchierte weiter, welche Vorsichtsmaßnahmen er zusätzlich ergreifen könnte. Möglicherweise könnte man Infrarottechnik einsetzen, hofft er. Vielleicht gebe es sogar ein Förderprogramm, das man solche Technik in der Gemeinde anschaffen könnte. Als neu gewählter Gemeindevertreter will er für das Thema sensibilisieren. Kindler sorgt sich um die Gefahr durch Tierkadaver, die mit der Silage in das Futter kommen könnten und möglicherweise Krankheiten auslösen.

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