Anika Papke aus Zölkow beginnt neuen Lebensabschnitt : Tischlergesellin geht auf die Walz

Es geht los, gemeinsam mit Florian (r.), der ihr die ersten drei Monate hilft und in die Tradition einweist.
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Es geht los, gemeinsam mit Florian (r.), der ihr die ersten drei Monate hilft und in die Tradition einweist.

Für Anika Papke aus Zölkow beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Die 25-Jährige geht auf die Walz und erfüllt sich damit einen langgehegten Traum. Der Abschied von Familie und Freunden dauerte fast eine Woche.

svz.de von
23. Januar 2013, 10:06 Uhr

Zölkow | In dieser Woche startet Anika Papke aus Zölkow eine ganz besondere Reise - die Walz. Walz, so nennt man die Wanderschaft junger Gesellen, die über mindestens drei Jahre und einen Tag andauert. In dieser Zeit wird um den Ausgangsort, in diesem Fall also Zölkow, eine imaginäre Bannmeile von 50 Kilometern gelegt. Und die darf Anika nicht überschreiten.

Es war ein langer, ein ganz langer Abschied, den Anika von ihren Eltern Bodo und Simone Bremer und von Schwester Franziska sowie weiteren Verwandten und Freunden nahm. Genau genommen dauerte dieser Abschied rund eine Woche, denn die ersten Tippelbrüder (so nennt man die Wandergesellen) kamen bereits vor einer Woche in das kleine Dorf. Die große Party startete dann am vergangenen Sonnabend im und vor dem Sozialgebäude. Rund 20 Tippelbrüder hatten sich im Laufe der Zeit eingefunden, darunter auch Florian, der ein "Fremder Bootsbauer im FBS" ist. FBS steht für Freier Begegnungsschacht. Florian ist seit zwei Jahren auf der Walz und wird der jungen Anika in den ersten drei Monaten ein treuer Begleiter sein. "Ich werde ihr helfen, diesen für sie ungewohnten Weg zu beschreiten. Dazu gehören viele Traditionen und noch mehr Tipps. In gewisser Weise ist es ein Weg ins Ungewisse und da bedarf es etlicher Hinweise der Erfahrenen."

Auch wenn es bei der großen Abschiedsparty viele Spielrunden und so manche Prüfung zu absolvieren galt, so war unübersehbar, dass es wohl ein schwerer Abschied werden wird. "Es ist schwer und die Sorge, ob alles gut gehen wird, ist groß. Aber Anika wollte es und erfüllt sich ihren Traum, da muss man auch loslassen können", sagte Papa Bodo Bremer. Auch Mutter Simone konnte die Tränen nicht ganz zurückhalten. Sie hatte viele Diskussionen mit der 25-Jährigen geführt und ergab sich schließlich ihren Argumenten. Schwester Franziska (28) kann dem nur beipflichten und wünscht neben den vielen neuen Erlebnissen und Erfahrungen, dass das Schwesterherz gesund wieder nach Hause kommt.

Doch zuvor galt es am Montag, Anika auf ihren letzten Metern innerhalb des Dorfes zu begleiten. Auch Tippelbruder Pascal, ein "ehrbarer Einheimischer" ist extra aus der Schweiz angereist. Er hatte zwei Jahre zuvor Florian unter seine Fittiche genommen und freut sich nun: "Jetzt bin ich ein Opa, denn mein einstiger Aspirant gibt nun seinerseits seine Erfahrungen an Anika weiter."

Am Ortsausgangsschild nach Hof Grabow wurde eine Imbissstrecke aufgebaut und ein Lagerfeuer entzündet. Angesichts der Minusgrade und des eiskalten Ostwindes eine weise Entscheidung, schließlich dauerte allein diese Zeremonie über drei Stunden. Und Anika? Die musste erst einmal in den gefrorenen Boden ein fast einen Meter tiefes Loch graben. "Darin haben sie und die Tippelbrüder etwas hineingelegt, was erst bei ihrer Rückkehr wieder herausgeholt werden wird. Nach gemeinsamen Liedern, unterstützt durch die Treckfidel von Papa Bodo, wurde es dann aber ernst. Die Tippelbrüder hatten sich hinter dem Ortsschild aufgereiht, Anika kletterte darüber, um sich dann rücklings in die Arme fallen zu lassen: Nun ist sie "Fremder Tischler und Aspirantin im FBS" und gemeinsam schritten sie in Richtung Parchim…

Mit dieser Walz erfüllt sich die 25-Jährige einen Traum, den sie schon seit Jahren verfolgt. Einst hatte sie als Praktikantin bei Torsten Blank in der Zimmerei begonnen und ernte den Tischlerberuf in Hamburg, war dann im Flugzeugbau tätig und ist seit 2009 als erste Frau in diesem Handwerk in der Staatsoper Hamburg angestellt. Für die Walz ist sie unbezahlt freigestellt worden und kann dann danach wieder einsteigen. Durch die Walz erhofft sie sich, viele nützliche Erfahrungen in Holzberufen zu sammeln und natürlich verschiedene Arbeitstechniken und Handwerkszeuge kennen zu lernen. Wenn alles so läuft, wie sie es sich erträumt hat, dann wird sie auch die Möglichkeit bekommen, sich bei einem Holzbildhauer Kniffe abzuschauen.

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