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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

18. November 2017 | 02:20 Uhr

Landwirtschaft : Tierproduzenten setzen auf Biogas

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Vollautomatische Anlage sichert Agrarvereinigung Plauerhagen Mehreinnahmen. Positiv: Die aufgearbeitete Gülle stinkt deutlich weniger.

von
erstellt am 05.Mai.2015 | 22:00 Uhr

Was macht ein Landwirtschaftsbetrieb mit jährlich 16  000 Kubikmeter anfallender Gülle? Sie außerhalb der Wintermonate Güllebomber für Güllebomber auf Ackerflächen und Grünland ausbringen. Klar. Denn Toilettenspülungen in Kuhställen, die das intensiv riechenden Nebenprodukt nach anderswo exportieren, kennt der sehr bodenständigen Wirtschaftszweig noch nicht. Innovationen aber sehr wohl.

Wie viele andere Betriebe in der Tierzucht machte sich eine nun auch die Agrarvereinigung MiFeMa e.G. in Plauerhagen zu nutze: Bereits im Oktober 2013 war der Startschuss für den Bau einer vollautomatischen Biogasanlage gefallen; im Juni letzten Jahres konnte der Betrieb (ein klein wenig verspätet) aufgenommen werden und inzwischen sind auch die Anfangsschwierigkeiten kein Thema mehr. Geschäftsführer Christian Schwager zeigt sich dieser Tage sehr zufrieden: „Heute läuft unsere Anlage einwandfrei und bringt 160 Kilowatt elektrische Leistung.“ Oder auch Strom. „Der wird komplett ins Netz der Wemag eingespeist. Das, was wir brauchen, kaufen wir ein.“

Die Biogasanlage selbst betreiben die Plauerhagener ausschließlich mit der in der eigenen Produktion anfallenden Gülle. Bei 580 Milchkühen plus Nachzucht – was insgesamt 1052 Tiere ausmacht – kommt da einiges zusammen. „So um die 16  000 Kubikmeter Gülle jedes Jahr“, erklärt Herdenmanager Daniel Tommack. Und er lächelt bei dem Gedanken daran, dass manch Städter wohl staunen würde über das „Fassungvermögen“ der Kälber, selbst wenn die erst wenige Tage alt und noch wacklig auf den Beinen sind.

„Von Anfang an stand für uns fest, dass die Anlage genau unserem Bedarf entsprechen muss, wir keine fremden Inputstoffe – sprich Gülle anderer Betriebe– dazunehmen, wir auch keinen zusätzlichen Mais anbauen müssen, um die Anlage auszulasten“, sagt der 30-jährige Geschäftsführer. Ja, Rentabilität war den Plauerhagenern wichtig, als sie beschlossen, die über Jahre in der Schublade schmorenden Anlagen-Pläne 2013 endlich zu realisieren. „Wir machten es vor allem wegen der zusätzlichen Einnahmen, die uns der Strom bringt“, sagt Daniel Tommack. „Langfristig wird sich die Investition für uns auszahlen. Zumal man den Anlagen eine beruhigende Langlebigkeit nachsagt. Zwar muss der Motor alle 15 Jahre generalüberholt werden. Die Anlage selbst ist dann aber abgeschrieben“, so Tommack.

Bis dahin arbeitet sie 24 Stunden im Automatikbetrieb. „Unsere Anlage füttert sich quasi selbst“, erklärt Christian Schwager, der für ihre Überwachung im 30-Mann-Betrieb (14 Tier-, 10 Pflanzenproduktion, vier Verwaltung, zwei Lehrlinge) eine „halbe Kraft“ beschäftigt. Selbst die muss nicht rund um die Uhr im Führerstand sein. Die Anlage erkennt Probleme selbst und ruft den Wärter bei Bedarf sogar selbst an. So sieht Innovation in der Landwirtschaft aus. Und die macht auch noch etwas anderes: Die Aufbereitung in der Anlage reduziert den Geruch der Gülle deutlich. „Direkt gesagt hat man es uns noch nicht“, doch ich denke, dass es den Leuten sehr recht ist, wenn es nach der Gülleausbringung nicht mehr so intensiv riecht“, freut sich Schwager über den durchaus positiven Nebeneffekt.

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