zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. November 2017 | 19:57 Uhr

MediClin Plau : Tickende Zeitbombe im Gehirn

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Kathrin Schefe ahnte nichts von angeborener Gefäßmissbildung im Gehirn. Am Plauer MediClin wurde Strohkirchenerin erfolgreich operiert

von
erstellt am 04.Mär.2017 | 06:25 Uhr

Wir treffen Kathrin Schefe auf einem Gesprächstermin bei Prof. Dr. Erich Donauer, dem Ärztlichen Direktor des Plauer MediClin Krankenhauses. Ein Hinkucker in pinken Leggins, pinker Wollmütze, Nagellack und herzförmige Kreolen – natürlich auch die in Pink – dazu ein hautenges schwarzes Minikleid und schwarze Strumpfstiefel. Und ein „Hinhörer“. Ja, Kathrin Schefe hat das für Mecklenburger eher seltene Talent, ihre Gesprächspartner mit ihrer aufgeweckten, auf wundervolle Weise auch amüsanten Art in Nullkommanix in den Bann zu ziehen. Wer sie kennt, weiß – maulfaul und reserviert ist anders.

Dass die „Pink-Lady“ Patientin sowohl im MediClin Krankenhaus als auch in der angeschlossenen Rehaklinik war, wussten wir. Und das erklärt auch die lockere Runde beim Chefarzt der Neurochirurgie. Was wir nicht ahnen konnten – vor wenigen Wochen hatte die Strohkirchenerin eine komplizierte Gehirn-OP. Prof. Dr. Donauer, der Chef selbst, hatte sie vorgenommen. Jetzt genießt er sichtlich, wie die 41-Jährige vor neuem Lebensmut beinahe „überschwappt“.

Alles hatte eigentlich ganz harmlos angefangen. „Ich war immer gesund, immer schon ausgeflippt“, erzählt Kathrin Schefe. Auch als vor ungefähr sechs Jahren die Kopfschmerzen kamen, gefolgt von leichten Sehstörungen. Migräne, tat die zweifache Mutter die Schmerzen ab, schob die Attacken auf den täglichen Stress und bekämpfte den Druck im Kopf mit Tabletten. Nach einem Auffahrunfall im Juni vergangenen Jahres wurde es schlimmer. Fast täglich quälten sie nun die Kopfschmerzen. Gynäkologin und Hausärztin, die sie mehrfach konsultierte, rieten ihr schließlich, einen Neurologen aufzusuchen. Der ordnete ein MRT an. Was genau die Gefäßdarstellung zeigte, erfuhr die zweifache Mutter bei dieser Sitzung noch nicht. Aber eines klar war, Tabletten würden ihr auf Dauer nicht helfen. „Aus der Reaktion des Arztes schloss ich, dass es etwas Ernstes sein muss und ich bekam zum ersten Mal richtig Angst“, erinnert sich die 41-Jährige.

Hamburg, Greifswald, Plau am See? Sie konnte die Klinik, in der weitere Untersuchungen gemacht werden sollten, wählen. Und sie entschied sich für das MediClin Krankenhaus in Plau. „Weil das nicht so riesig ist und, weil meine Cousine hier seit 20 Jahren auf ITS arbeitet. Das war ein bisschen Heimat und Familie“, gesteht Kathrin Schefe. Und schon der nächste Tag sollte zeigen, wie nötig sie beides brauchen würde: Dr. Suhail Nazir, Oberarzt Neurochirurgie und Stereotaxie, attestierte ihrem Kopf eine „tickende Zeitbombe“.

„Im Bereich des hinteren Großhirns hatten wir eine komplexe , angeborene Gefäßmissbildung ausgemacht. Sie sah aus wie ein Wollknäuel“, erklärt Prof. Dr. Donauer. „In diesem Bereich gingen bei Frau Schefe die Arterien, die das Gehirn eigentlich mit Sauerstoff versorgen sollen, direkt in die Venen über.“ Quasi wie ein zweiter kleiner Blutkreislauf, durch den unter sehr viel Druck völlig umsonst viel Blut transportiert wird. „Aufgrund dieser Missbildung, auch GMB genannt, bestand die Gefahr einer Hirnblutung einerseits, der Kreislaufüberlastung andererseits. Außerdem“, so Donauer, „hätte die Sauerstoffunterversorgung jederzeit zu Krampfanfällen führen können, mit Auswirkungen unter anderem auf das Sprachzentrum und dem Risiko einer halbseitigen Lähmung.“

Heute ist Kathrin Schefe klar, wieviel Glück sie hatte, dass das „Wollknäuel“ in ihrem Kopf entdeckt wurde, bevor es zu irreversiblen Schäden am Gehirn führen konnte. Als die weitere Behandlung ausgelotet wurde, war sie dennoch erleichtert und froh, dass die „Messer-OP“ erst als zweite Option stand. „Bevor man den Schädel aufsägt, wird in aller Regel versucht, minimalinvasive Behandlungsmethoden auszuschöpfen“, sagt Matthias Juergens, Oberarzt der Radiologie und Neuroradiologie an der Plauer Klinik. Sein Part war es, über eine Angiographie das ganze Ausmaß der Gefäßmissbildung darzustellen. Die Ergebnisse in der Hand, zogen die Plauer Prof. Dr. Hans Henkes, Chefarzt der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie in Stuttgart, hinzu. Henkes gilt als Koryphäe auf seinem Fachgebiet und kommt seit Jahren regelmäßig ans MediClin, um spezielle Eingriffe vorzunehmen. Und die Liste der Patienten ist immer lang.

Bei dem Eingriff, der sogenannten Embolisation, schiebt Henkes einen Katheder über die Leiste in die Hauptarterie der Halsschlagader und über den wiederum einen Einschwemmkatheder bis zu den arteriellen Zuflüssen, die er dann mittels eines Spezialmedikaments verklebt. Bei Kathrin Schefe waren nach diesem Eingriff ca. 80 Prozent der missgebildeten Gefäße verschlossen, was das Risiko einer Blutung infolge des hohen Gefäßdrucks deutlich reduzierte. „Dann haben wir noch die Nacht abgewartet und Frau Schefe andern morgen mitgeteilt, dass wir das Knäuel nun in einem mikrochirurgischen Eingriff entfernen werden“, so Professor Donauer.

„Da war wieder die Angst, nackte Angst um mein Leben“, räumt die 41-Jährige ein, die die OP wirklich gut verkraftet hat und nach vierwöchiger Reha auf bestem Wege ist. Als Physiotherapeutin kennt sie Folgen schwerer Erkrankungen von ihren Patienten zu Genüge und ihr waren auch die Risiken der OP vertraut. „Ich bin überglücklich, sie unversehrt überstanden zu haben. Ich glaube manchmal, man muss erst durch die Hölle gehen, um auf Wolken tanzen zu können“, sagt sie und weiß, dass ihr Blick nach diesem Schicksalsschlag weiter geworden ist.

Unendlich dankbar sei sie dem MediClin Krankenhaus in Plau am See. „Eine tolle Klinik! Um mich haben sich hier die besten Ärzte, Schwestern und Pfleger gekümmert, die man sich überhaupt denken kann. “

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen