MediClin Reha-Zentrum Plau am See : Therapeut mit Herz und Halsband

Einsatz auf vier Pfoten: Wenn Ergotherapeutin Nadine Behning (li.) Patienten wie Daniela Patterson behandelt, ist Hundedame Tiffy immer mit dabei. Der Bearded Collie hilft nicht nur bei Heimweh, sondern soll auch zur sozialen Interaktion anregen. Antje Bernstein
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Einsatz auf vier Pfoten: Wenn Ergotherapeutin Nadine Behning (li.) Patienten wie Daniela Patterson behandelt, ist Hundedame Tiffy immer mit dabei. Der Bearded Collie hilft nicht nur bei Heimweh, sondern soll auch zur sozialen Interaktion anregen. Antje Bernstein

Verstärkung für das Therapeuten-Team im MediClin Reha-Zentrum Plau am See: Collie-Hündin Tiffy hat hier ihre Ausbildung zum Therapiebegleithund begonnen. Das Tier soll Patienten vom Krankenhausalltag ablenken.

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29. November 2010, 08:41 Uhr

Plau am See | Zwei leuchtende Augen blitzen frech zwischen dicken Felllocken hervor. Aufgeregt tänzelt Tiffy im Behandlungsraum umher. Als Daniela Patterson mit dem Rollstuhl ins Zimmer fährt, gibt es für die Hundedame kein Halten mehr. Sofort will sie mit ihrem Besuch spielen. "Tiffy, nein. Geh auf deine Decke", ermahnt Nadine Behning. Tiffy schaut verdutzt, will lieber toben als in der Ecke zu liegen. Zögerlich gibt sie nach, legt sich auf ihre decke. Ergotherapeutin Nadine Behning hilft ihrer Patientin aus dem Rollstuhl. Daniela Patterson nimmt auf der Liege platz. Nun darf auch Tiffy wieder kommen. Sofort schmiegt sie sich an die Beine der beiden Frauen, lässt sich durch das wuschelige Fell streichen und rollt sich vor Freude auf dem Boden. Daniela Patterson strahlt. In Momenten wie diesen kann sie ihre Krankheit vergessen. Im Plauer MediClin Reha-Zentrum hilft Ergotherapeutin Nadine Behning der Berlinerin mit gezielten Übungen nach einer neurologischen Erkrankung, die Folgeschäden zu kompensieren. Immer mit dabei ist Hilfstherapeutin Tiffy.

Die Collie-Dame ist seit einigen Monaten Seelentröster und Aufmunterer für viele Patienten. "Sie haben eine halbe Stunde etwas zu lachen und denken mal an etwas anders als an ihre Krankheit", verdeutlicht Nadine Behning. Ob Heimweh, Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit - Tiffy hilft. Sie soll zum Therapiebegleithund ausgebildet werden. Noch aber ist die halbjährige Hündin in der Probephase und soll sich an die Gegebenheiten im Reha-Zentrum gewöhnen. "Für sie ist das hier aber schon jetzt ihr zweites Zuhause", sagt Behning. Die Idee, einen Hund in ihre therapeutische Arbeit mit Schlaganfall- oder MS-Patienten zu integrieren, hatte Nadine Behning schon lange. Im Sommer dann gelang es ihr, auch die letzten Skeptiker von ihrem Vorhaben zu überzeugen. "Ich liebe Tiere und hatte somit die Möglichkeit, das mit meiner Arbeit zu verbinden", erklärt sie.

Ihre Wahl fiel nicht zufällig auf einen Bearded Collie. "Sie lieben es, mit Menschen zusammen zu arbeiten", erklärt Behning. Das wuschelige Fell lade zudem geradezu zum Streicheln ein. Kuscheln ist derzeit noch Tiffys Hauptaufgabe während der Therapiesitzungen. Nach ihrer Ausbildung beim Verein Wismarer-Therapiebegleithunde soll sie aber nicht mehr nur für das seelische Wohlbefinden sorgen, sondern in die Übungen mit einbezogen werden, etwa beim Mobilitätstraining. Die Ausbildung ist aber erst im Alter von zwei Jahren möglich. Dann muss auch ihr Frauchen die Schulbank drücken. "Wir werden als Team ausgebildet", erklärt Behning. Bis es soweit ist, geht Tiffy zur Hundeschule und gewöhnt sich an ihren Arbeitsalltag im Reha-Zentrum. Hier ist Tiffy nicht nur bei Patienten beliebt. "Sie ist auch für die Kollegen eine Bereicherung", erzählt Behning. Klar, dass bei so großer Nachfrage auch eine agile Hundedame mal eine Verschnaufpause braucht. Im Behandlungsraum hat Tiffy Platz, um sich zurückzuziehen. Doch allzu lang hält es den Wildfang nicht an einem Platz. Zu groß ist die Neugier auf die Patienten. Bis zum gelassenen Begleithund steht der verspielten Collie-Dame und ihrem Frauchen zwar noch ein Stück Arbeit bevor, "Aber wir sind auf einem guten weg", sagt Nadine Behning.

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