Neuer Geschmack : Tete-à-tete mit einem Früchtchen

Es brauchte, bis  das „Lübzer Grapefruit“  die richtige Mischung hatte.
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Es brauchte, bis das „Lübzer Grapefruit“ die richtige Mischung hatte.

Traditionsbrauerei ist eine der modernsten und erfolgreichsten im Osten. Jetzt bringt sie das „Lübzer Grapefruit“ auf den Markt.

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24. März 2014, 13:15 Uhr

Bier funktioniert immer. Trotzdem geht die Brauerei Lübz jetzt wieder „fremd“. Nachdem sich die Entscheidung des Traditionsunternehmens, 2003 als erste Brauerei überhaupt ein „Lemon“ zu kreieren, als goldrichtig erwies, kommt jetzt das „Lübzer Grapefruit“ auf den Markt. Mit seinen Gardemaßen – zwei Prozent Alkohol, keine Süßungsmittel, keine Konservierungsstoffe, 5,5 Prozent reine Grapefruit – folgt die Brauerei einem Trend: Sie möchte den Gaumen gesundheitsbewusster Kunden erobern.

Geschäftsführer Willi Horn freut sich, dass die neue Kreation jetzt kommt, nicht erst im Sommer. Und er rechnet mindestens mit dem Lemon-Effekt. „Wir haben Tests gefahren; das Feedback der Kunden ist sehr gut.“ Pluspunkt auch: Im Biermix-Regal dürfte das Pinke in grüner Flasche ohne Konkurrenz sein.

Das mit der Konkurrenz war nicht immer so. Die Lübzer Brauerei, die zu DDR-Zeiten Export-Betrieb war und nur einen kleinen Teil ihrer Produktion im Inland verteilte, sah sich 1990 völlig unvorbereitet mehr als eintausend Brauereien gegenüber. „Als einheimische Marke hatten wir es unheimlich schwer, wahrgenommen zu werden“, erinnert sich Horn an schwere Nachwendejahre.Trotzdem musste verkauft werden. Doch wie den meisten Brauereien im Osten fehlten auch den Lübzern Vertriebswege. Als 1991 dann Alteigentümer Christian R. Eisenbeiss kam „waren wir plötzlich Aktiengesellschaft und gehörten zur Holsten-Brauerei“, erklärt Horn. Die schlechteste Entwicklung sei das nicht gewesen. Holsten war fest im Markt etabliert, was half, den Vertriebshebel umzulegen – Richtung Hotelerie/Gastronomie. „Binnen kurzem gelang es uns, unsere Produktion zu verdoppeln“, sagt Horn. Das war auch die Zeit, als Lübz ins Sponsoring einstieg – im Sport, in der Kultur, bei Naturschutzprojekten. Engagement und Verlässlichkeit für das Land wurden honoriert. Auch seitens der Kundschaft.

Nichtsdestotrotz liegen Welten zwischen dem Biermarkt zur Wendezeit und heute: Der Pro-Kopf-Verbrauch ist von 145 auf inzwischen 100 Liter gesunken. Ein Drittel Schwund, den auch Investitionen in die Einwegflaschenproduktion nicht aufhalten konnten und die sich bei Einführung des Dosenpfands 2003 ganz erübrigte. Noch im selben Jahr aber zündete der Einstieg in den Biermix-Markt mit dem „Lübzer Lemon“ an der Kundenfront. „Das war eine wirklich gute Entscheidung“, freut sich Willi Horn heute noch. Auch, dass sein Unternehmen nach Kauf durch Carlsberg mit der Einführung einer weiteren Sorte, nämlich dem „Lübzer Urkraft“ neue Kunden gewinnen konnten. Auch wenn die Liebhaberschaft dieses erdfarbenen, süffigen Bieres eher begrenzt ist. „Parallel dazu haben wir permanent den Markt beobachtet“, sagt der Geschäftsführer, „und stellten irgendwann fest, dass wir noch gar kein Schwarzbier hatten.“ Als das nach Entwicklung und Probephase 2011 in Produktion ging, belieferten die Lübzer zunächst ausschließlich Gaststätten. „Und was soll ich sagen, unser Schwarzbier schlug ein wie eine Bombe“, lacht Willi Horn. Exklusivität hin oder her, unternehmerisch machte es keinen Sinn, den Kaufkunden das Schwarzbier vorzuenthalten. Und so gab es den herben Tropfen ab Januar 2013 in Flaschen auch im Markt. Sogar im 11er Kasten.

„Lübzer Grapefruit“ ,der fruchtig-erfrischende Mix aus 40 Prozent Lübzer Bier und 60 Prozent Erfrischungsgetränk mit 5,5 Prozent reiner Pinkgrapefruit ist der aktuellste „Streich“ der Lübzer und gerade auf den Markt gekommen. „Der Biermarkt hat sich komplett verändert. Die Leute sind gesundheitsbewusster geworden, was ich persönlich auch sehr gut finde“, sagt Willi Horn. „Dem müssen und dem wollen wir uns natürlich gerne stellen.“ Wenn das zu Lasten der Bierproduktion geht, aber durch Biermixgetränke aufgefangen wird, hat der Geschäftsführer damit kein Problem. Erst im vergangenen Jahr produzierten die Lübzer mit knapp 1,3 Mio. Hektolitern so viel Bier und Biermix wie noch nie.

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