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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. Oktober 2017 | 04:45 Uhr

heimatgeschichten : Techentiner Glocke auf Reisen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Vor 200 Jahren ließ Herzog Friedrich Franz im Schlosspark Ludwigslust eine katholische Kirche bauen . Zur Einweihung gab es eine Glocke

svz.de von
erstellt am 07.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Wie kam die älteste in Bronze gegossene Glocke der kleinen Dorfkirche Techentin in die damalige Residenzstadt Ludwigslust – und welches Techentin ist überhaupt gemeint? Schließlich gibt es im Landkreis Ludwigslust-Parchim gleich zwei. Bei dieser Geschichte hier handelt es sich um das zwischen Goldberg und Mestlin gelegene kleine Kirchdorf, das bis zur Reformation dem Kloster Sonnenkamp in Neukloster gehörte.

Der Techentiner, leider zu früh verstorbene Lehrer und Ortschronist Fred Beckendorff hatte sich vor zwei Jahren noch in seiner „Kleinen Plauderei über die Techentiner Kirche“ ebenfalls mit den begehrten Techentiner Glocken beschäftigt.

Die kleine Techentiner Feldsteinkirche wurde um 1300 erbaut, bekam aber erst 270 Jahre später einen hölzernen Glockenturm, deren „Bischofsmütze“ heute noch mit Holzschindeln bedeckt ist. Die alte Techentiner Glocke soll einen wunderschönen Klang gehabt haben. Einer Sage nach hörte der Schweriner Herzog mit seinem Gefolge auf dem Weg nach Goldberg die Glocke läuten. Überwältigt vom Glockenklang befahl er, diese in den Schweriner Dom zu bringen. Nur wenige Tage später erschien ein Trupp des Herzogs, nahm die Glocke vom Kirchturm und setzte sie auf einen mit vier Pferden bespannten Wagen. Doch vor Mestlin blieb der Wagen stehen und rührte sich keinen Fußbreit mehr. Ein Mestliner Bauer half, doch er musste sechzehn Ochsen vorspannen, bevor der Wagen über die Feldmarkgrenze weiter bis nach Schwerin fuhr. Dort hatte man mit der Glocke aber kein Glück, denn beim ersten Läuten zersprang sie.

Vieles in der Sage mag stimmen, doch die Glocke war schon vorher zweimal in Techentin gesprungen. Bei den damaligen Landwegen hatten auch die Ochsenkarren manche Erschütterung aushalten müssen.

Techentin hatte zeitweise „Drey Klocken im Turmb,“ von denen im Dreißigjährigen Krieg „zwey weggeraubt“ wurden. Einst ließ auch ein Goldberger Amtsmann eine Glocke aus Techentin wegholen, weil er aus dem Material Zeiger und Ziffern für eine Uhr auf seinem Amtshause „machen lassen wollte“.

Dann brachte man 1793 auf Befehl des Herzogs eine der Techentiner Glocken nach Ludwigslust zu der neu erbauten Stadtkirche gegenüber dem Schloss. Da die Kirche aber keinen Turm hat, kam die Glocke vorerst in einen der beiden Glockentürme am Friedhofseingang. Ab 1803 ließ Herzog Friedrich Franz für seine katholische Bediensteten im Ludwigsluster Schlosspark eine kleine Kirche bauen.

Wo hatte es das schon einmal gegeben, dass ein lutherischer Landesherr seinen katholischen Untertanen eine Kirche erbaute? Kaum bekannt, doch in Ludwigslust kann man sich die stattliche St. Helena und Andreas-Kirche im Schlosspark anschauen.

Der 25 Meter von der Kirche entfernt stehende Glockenturm wurde erst sechs Jahre später durch den Landbaumeister Johann Georg Christian Barca errichtet. Zur Einweihung 1817 brachte man die von 1435 stammende und 1861 vom Warener Hofglockengießer C. Illies umgegossene Techentiner Bronzeglocke vom Friedhofseingang in den 18 Meter hohen Glockenturm.

Heute weiß kaum jemand noch etwas über die durch den Herzog Friedrich Franz I. für seine Residenz in Ludwigslust so begehrten Techentiner Glocken.

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