Firmenporträt : Täglicher Kampf um Kunden

Freundlichkeit im Laden als Bindeglied zum Kunden Fotos: Baatz
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Freundlichkeit im Laden als Bindeglied zum Kunden Fotos: Baatz

Im Arbeitsalltag eines Bäckers sind Engagement und Einfallsreichtum gefragt. Die SVZ sprach mit Matthias Lau, Geschäftsführer der gleichnamigen Bäckerei.

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11. September 2015, 07:20 Uhr

Der heutige Laden und das Büro im  Stammhaus in der Goldberger Straße waren das Wohnzimmer seiner Eltern, Großeltern und Urgroßeltern, woran unter anderem noch ein Kachelofen erinnert. Von der Terrasse, auf der  bei gutem Wetter Kaffee getrunken wurde, ist jedoch nichts mehr zu sehen. „In den 90er-Jahren haben wir das Grundstück hinter unserem gekauft, um eine neue Bäckerei zu bauen“, berichtet der heutige Inhaber Matthias Lau. „Statt vorher 60 war sie nun 250 Quadratmeter groß und ich dachte damals: Man, wieviel Platz! Mittlerweile ist jedoch auch sie im Grunde zu klein.“

Zwei Verkaufswagen fahren 46 Dörfer an

Neben dem Hauptgeschäft betreibt das Unternehmen drei Filialen in Lübz und zwei Verkaufswagen sind im Landkreis unterwegs.  Sie fahren zwei- bis dreimal pro Woche 46 Dörfer an. Dies sei besonders für Ältere wichtig, die nicht mehr nach Lübz kommen können, sagt Lau: „Die Dankbarkeit bei ihnen ist groß, es sind sehr treue Kunden. Zu ihnen gibt es oft ein noch engeres Verhältnis als im Laden.“

Investitionen: „Weniger ist manchmal mehr“

Alle Prognosen für Lübz aus dem Stadtentwicklungskonzept besagten, dass die Einwohnerzahl weiter deutlich sinken werde. Deshalb müsse sich jede Investition rechnen, weniger sei manchmal mehr. Der 42-Jährige könne beispielsweise nicht vorhersagen, ob es langfristig betrachtet noch den Bäcker in gewohnter Form gibt.

Bei Lau wird jeden Tag frisch von Hand produziert. Über die Woche sind es  zwischen 250 und 270 Artikel, darunter Produkte mit Früchten der jeweiligen Saison. Schöne Vielfalt allein bringe jedoch nichts. Entscheidend sei die Frage, was dem Betrieb übrig bleibt,  um sein Überleben zu sichern. Wegen der Handarbeit der mittlerweile 44 Beschäftigten gebe es Abweichungen, Kampf um Qualität und manchmal selbst um die Inhaltsstoffe in jeder neuen Ernte. „Mit Aufbackstationen werben alle Supermärkte auch in unserem Bereich um Kunden“, sagt der Inhaber. „Wir merken, dass viele trotzdem bewusst zu uns kommen. Deshalb ist es wichtig, freundlich Kontakt zu ihnen zu halten.“

 Der Wettbewerb seines Unternehmens mit der Industrie definiere sich über die Kasse, sagt Lau. Angesichts seiner Ausgaben für Energie, Personal und Logistik müsse er andere Preise als sie ansetzen: „Wenn ich es nicht täte und jeden Tag 200 Euro durch den Ofen schieben würde, könnte ich mir ausrechnen, wann bei mir das Licht aus ist. Es ist ein täglicher Kampf in einer schrumpfenden Stadt.“

Individueller Geschmack als Chance

Wegen der Individualität seien die Rezepte und damit der Geschmack der Produkte seit Gründung der Bäckerei nicht austauschbar. Dabei spiele die Zutatenliste keine Rolle. Die gebe Lau preis, wenn es gewünscht werde.

Angesichts von Arbeitszeiten zwischen 23.30 und 11 Uhr des nächsten Tages (sonnabends 21 bis 8 Uhr) und Ladenöffnung an sieben Tagen in der Woche wäre es vermessen, eine Bäckerei als attraktiven Arbeitgeber zu bezeichnen. Bewerbungen sind in der Goldberger Straße schon lange nicht mehr eingegangen. Als Glücksfall bezeichnet der Inhaber einen jungen Mann aus Plau am See, der den Beruf  gerade wegen der Handarbeit erlernen und sogar Meister werden möchte: „Ich versuche, ihm eine Perspektive zu geben.“ Es gebe gute Praktiker, die sich schulisch schwer getan haben. Bei ihnen sei es aber fast immer notwendig, die Ausbildungsfähigkeit zu erreichen, nicht vorhandene Grundwerte wie Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit und Benehmen als geschlossene Kette und die Sanktionen beim Ausreißen zu vermitteln.

Über alle genannten Dinge hinaus macht Lau ein Thema besonders zu schaffen. „Die oft geringe Wertschätzung von Lebensmitteln ist sehr schlimm“, sagt er. „Darüber, dass man sich zum Beispiel um die stets erfüllten Grundbedürfnisse nicht sorgen muss, macht sich so gut wie niemand Gedanken.“

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