„ProSchiene Hagenow Neustrelitz“ : Südbahn nicht auf Abstellgleis

Mitglieder der Bürgerinitiative bei ihrer Demonstration auf dem Bahnsteig
Mitglieder der Bürgerinitiative bei ihrer Demonstration auf dem Bahnsteig

RegioInfra auch bei kleinerem finanziellen Signal dazu bereit, Zugverkehr fortzusetzen

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29. März 2015, 21:00 Uhr

Ein neuer Vorschlag, die Südbahn als Dienstleister des kreislichen Busunternehmens, hat die Hoffnung auf weiteren Zug-Betrieb gestärkt. Jetzt hofft das Unternehmen auf ein kleines finanzielles Signal, dann wäre das Zug-Aus zum 31. März aufgehoben.

Mit der „Rote Laterne“ genannten Demonstration an jedem letzten Freitag im Monat kämpft die Bürgerinitiative „ProSchiene Hagenow Neustrelitz“ seit vielen Monaten um den unveränderten Erhalt der Südbahn. Wie kürzlich berichtet, hat die Hanseatische Eisenbahngesellschaft (kurz HANS) angekündigt, den momentan von ihr auf eigene Rechnung versorgten Abschnitt Parchim – Malchow ab dem 1. April nicht mehr zu befahren, weil weder mit Land noch Landkreis eine vertragliche Einigung zu erwarten sei. Weiteres Engagement wie bisher könnte den eigenen Betrieb gefährden

In einer sehr kritischen Diskussion vor etwa 14 Tagen auf der Sitzung des Kreisausschusses, laut Russell wichtigstes Gremium zwischen den Kreistagssitzungen, hätten CDU, Linke und Grüne darauf bestanden, dass der Landkreis seinen Kampf um den Erhalt der Südbahn nicht aufgibt. Damit verbunden sei die Forderung nach einem Fahrplan, bei dem sich Bus und Bahn ergänzen und nicht – wie jetzt – parallel fahren.

Die Kernvereinbarung nach der Diskussion habe gelautet, dass sich Landesverkehrsminister Christian Pegel, die Landräte der beiden betroffenen Kreise und der Vorstandsvorsitzende von REGIOInfra (die HANS ist ihre Tochtergesellschaft) nochmals zu einem Gespräch treffen. Dieses hat stattgefunden. „Was wir daraus wissen, ist, dass die Chancen für eine weitere Bestellung der Südbahn durch das Land weiter gleich null sind, aber REGIOInfra hat ein Angebot unterbreitet, das eine Herausforderung ist“, so Russell.

„Warum? In ihm sind präzise die Kilometer der Busse 77 zwischen Parchim und Malchow, Lübz und Plau am See sowie Meyenburg und Krakow am See errechnet. Sie wird aufs Jahr gerechnet mit 2,05 Euro multipliziert, was eine Summe von rund 1,2 Millionen Euro ergibt. Darin enthalten sind die 670 000 Euro des Verkehrsministeriums. Und nun der Vorschlag: Die Bahn übernimmt von der Kilometerzahl der Busse große Teile auf den Strecken, auf denen sie aus Gründen der Geschwindigkeit und Streckenführung Vorteile hat.“ Der Vorschlag halte sich strikt an die Prämisse der perfekten Taktung zwischen Bus und Bahn und eines einheitlichen Tickets. Diese neue Arbeitsteilung würde den Berechnungen zufolge nicht 1,2 Millionen, sondern etwa 1,45 Millionen Euro kosten. Für den Betrieb der jetzt eingesetzten, oben genannten Busse müsse man ebenfalls rund 1,2 Millionen Euro aufbringen.

Dann wartete Russell mit einer Information auf, die viele Zuhörer sichtlich erstaunte: REGIOInfra würde sich als so wörtlich „Dienstleiter“ der kreislichen Busgesellschaft VLP anbieten. „Während unsere bisherigen Vorschläge vermutlich immer sofort im Müll landeten, ließ das Verkehrsministerium diesmal verkünden, dass man zwar noch Details prüfen müsse – etwa die Auswirkungen auf den Schülerverkehr es sich aber um ein ernstzunehmendes Angebot handele“, so der Sprecher. „Davon habe ich in der veröffentlichten Stellungnahme des Landrates in der SVZ jedoch nichts gelesen, sondern nur, dass das Tischtuch nun endgültig zerschnitten sei. Wie ich Herrn Christiansen kenne, wird er sagen: Den Fehlbedarf haben wir nicht, die Sache ist gegessen. Genau das wird Thema der Diskussion in den Gremien sein, von deren Mitgliedern wir nun hartes Arbeiten verlangen.“

Am 15. April finde dazu eine entscheidende Sitzung statt. Mit zur Demonstration war auch Tino Hahn, Geschäftsführer der REGIOInfra, gekommen. „Die Kommunikation mit Land wie Landkreis war überaus schwierig“, sagte er. „In jedem Monat gab es vielleicht einen Gesprächstermin, wobei insgesamt aber nicht viel herumkam. Natürlich muss ich als Unternehmer vorsichtig sein, aber prinzipiell bin ich auch zu ungewöhnlichen Lösungen bereit. Auch wir wollen die Bahn erhalten!“ Die genannte Summe von gut 200 000 Euro beziehe sich auf ein ganzes Jahr. Wenn Hahn jetzt zügig ein Zeichen bekomme, dass zum Beispiel Finanzmittel erst einmal für einen Monat bereitgestellt werden, wolle er zwischen Parchim und Malchow ohne Unterbrechung auch über den 1. April hinaus Züge fahren lassen.  

 

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