Kampf geht weiter : Südbahn: Jetzt Ringen um Notlösung

Lässt sich Polemik von Landespolitikern nicht gefallen: Clemens Russell
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Lässt sich Polemik von Landespolitikern nicht gefallen: Clemens Russell

Bürgerinitiative „ProSchiene“ sagt die SPD ist gescheitert und ist nicht bereit, sich Angriffe durchs Land bieten zu lassen.

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27. November 2014, 22:00 Uhr

Trotz der gestrigen Ankündigung des Verwaltungsgerichtes, bis zum 15. Dezember nicht mehr über den Antrag der Landkreise Ludwigslust-Parchim und Mecklenburgische Seenplatte zu entscheiden, demzufolge die Südbahn durchgängig erhalten bleiben soll (wir berichteten), gibt die gegen die Teilstilllegung kämpfende Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“ nicht auf. Alle Hoffnung ruhe jetzt auf dem Angebot der „Hanseatischen Eisenbahngesellschaft“, den Zugverkehr zwischen Parchim und Malchow auch nach dem 15. Dezember zum Preis für den Busverkehr sicher zu stellen, sagt BI-Sprecher Clemens Russell. Für diese Notlösung müsse in erster Linie der am meisten betroffene Landkreis Ludwigslust-Parchim die Trägerschaft übernehmen: „Darum wird jetzt gerungen. Eine vorherige Gerichtsentscheidung wäre natürlich ideal gewesen, doch dass sie nicht erfolgt, hat mich ehrlich gesagt nicht besonders überrascht.“

Jede Äußerung, die zu einer Versachlichung/Erweiterung der Diskussion beitrage, sei gut. „Dem Landesverkehrsministerium unter Führung von Herrn Pegel ist es hingegen nicht gelungen, für die nun auch vom verkehrspolitischen Sprecher der SPD hochgelobte Buslösung Akzeptanz in der Bevölkerung zu finden“, sagt Russell. In einem am Mittwoch in unserer Ausgabe veröffentlichten Bericht hatte Jochen Schulte die Busse nicht nur als besser für den Nahverkehr bezeichnet, sondern der BI auch „Weltuntergangsszenarien“ vorgeworfen. Russell dazu: „Der Minister hat es versäumt, in den Landkreisen vor Ort erfolgreich zu werben und Polemik wie ,Weltuntergangsszenarien’ lassen wir uns als Bürgerinitiative nicht bieten! Der Widerstand gegen die Teilstilllegung der Südbahn wird von breiter Unterstützung aus Bevölkerung, Verwaltung, Wirtschaft und Lokalpolitik getragen, ist somit fachlich, wirtschaftlich, politisch und sozial fundiert.“

Nicht nur die BI hatte verwundert, dass Schulte sie in seinem Schreiben auffordert, Eisenbahnstrecken zu benennen, die man alternativ streichen könne, wenn die Südbahn wie bisher erhalten bleibt. „Da kann auch ich mal nicht ohne Polemik: Uns ehrt, dass ein verkehrspolitischer Sprecher uns um Vorschläge für die Gestaltung des Schienennahverkehrs in einem Bundesland bittet. Gleichzeitig ist es verwunderlich, dass er sich nicht ans Verkehrsministerium wendet“, so Russell. Nach der vorletzten „verheerenden Wahlniederlage“ der SPD habe ihr Bundesvorsitzender angemahnt, sich der Menschen vor Ort mehr anzunehmen: „Die Äußerungen von Herrn Schulte belegen, welcher Nachholbedarf hier herrscht.“ Die Südbahn solle für in anderen Regionen praktiziertes Missmanagement geopfert werden. Vom Land zu verantwortende Ausschreibungsfehler hätten „zu immensen Mehrkosten“ geführt. Als Beispiele nennt der Sprecher den Ausbau des Warnow- und Nord-Süd-Netzes.

Schulte bezeichnet das vorgesehene Bahn-Bus-Konzept in seinem Schreiben als intelligent. „Der neue Plan bedeutet nichts anderes, als dass eine durchgehende Verkehrsverbindung in vier separate, nicht mehr miteinander kommunizierende Teile zerschlagen wird“, sagt Russell. „Herr Schulte möge erklären, was intelligent daran ist, wenn zum Beispiel ein Fahrradtourist in Hagenow in den Zug ein- und in Parchim wieder aussteigt, mit dem Bus weiter bis Plau fährt, dort 40 Minuten warten muss, dann nach Malchow reist, um von hier wieder mit der Bahn etwa bis Nossentin zu kommen und seine Tour zu beginnen. Dies ist oft der Fall. Auf die Begründung der Verbesserung wäre ich gespannt!“

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