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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

17. Dezember 2017 | 20:48 Uhr

Aktion : Südbahn fasziniert auch Lübecker

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Professoren und Studenten aus der Hansestadt informieren sich über Stand der Dinge / Diskussion bei nicht anerkannten Fahrscheinen

von
erstellt am 10.Feb.2015 | 22:00 Uhr

Stefan Purr ist in Parchim aufgewachsen und hat in Lübeck Medizin studiert. Bei den Besuchen in seiner Heimatstadt wurde auch er immer wieder auf den erbitterten Kampf um die unveränderte Erhaltung der Südbahn aufmerksam. Der junge Mann erzählte in der Universität davon und so kam es, dass sich dieser Tage Professoren und Studenten aus der Hansestadt aufmachten, um mit der Südbahn zu fahren und sie so kennen zu lernen. Zwischen Parchim und Malchow wuchs die Zahl der teilweise unterwegs zusteigenden Gäste von zunächst drei auf gut zehn an.

Zu ihnen gehörte unter anderem der Professor für Anästhesie Karl Klotz. Seine Meinung? „Gerade auch bei Zügen im Regionalverkehr ist es so wie in diversen Bereichen der Medizin: Man darf sie nicht nur betriebswirtschaftlich betrachten. Was ich hier erlebe, ist wunderbar – neben dem Ausblick auf die sehr schöne Landschaft auch die Kommunikation in bester Stimmung, weil wir uns gegenüber sitzen. Mit dem Bus wären wir nicht gefahren, was auch bei mir nicht bedeutet, generell gegen ihn zu sein.“

Gerade vor dem Hintergrund des steigenden Anspruchs an den Umweltschutz sei die Bahn eine Investition in die Zukunft. Der Professor betrachte sie als Lebensader, die Städte und Dörfer verbindet. Ihre Abschaffung würde nicht nur eine Verarmung des gesamten Angebotes bedeuten, sondern wäre auch ein großer Rückschritt für diese Region.

Für die Erhaltung der Südbahn kämpft die Bürgerini-tiative „ProSchiene“. In Lübz steigt an diesem Tag deren Sprecher Clemens Russell zu, um mit den Gästen ins Gespräch zu kommen. Nahezu alle zeigen sich über die aktuelle Lage gut informiert. Schnell ist man sich einig, dass der teilweise schon von vielen kritisierte Parallelverkehr von Bahn und Bus zur selben Zeit auf einer Strecke (wir berichteten) so schnell wie möglich beendet gehöre, um sich nicht noch gegenseitig Fahrgäste wegzunehmen. Ihre Zahl nimmt gen Osten eh ab. Das Plädoyer auch in dieser Runde lautet, die beweglicheren Busse dazu einzusetzen, Reisende von Dörfern zu Bahnhöfen zu bringen, um das Angebot zu verbessern.

In Karow kamen früher fünf Zuglinien zusammen. Autofahrer merkten dies daran, dass die Schranken manchmal nahezu unerträglich lange geschlossen waren. Russell steigt hier aus, um dem Mann im Stellwerk einen kurzen Besuch abzustatten. „Auch hier unterstützt man uns sehr“, sagt er auf der offensichtlich erneuerten, jedenfalls nicht mehr aus der Erbauungszeit stammenden Treppe. Oben angekommen, wechselt das Bild komplett und ein an alter Technik Interessierter kann sich kaum wieder losreißen. Alles noch original, äußerlicher Zustand wie am ersten Tag und in einer Ecke die Aufklärung: Die „Vereinigte Eisenbahn-Signaltechenik G.m.b.H.“ hat diese Anlage gebaut – 1935.

Um die Zeit nach dem Studium bis zum nächsten Schritt sinnvoll zu nutzen, ist Stefan Purr jetzt vorübergehend Zugbegleiter bei der Hanseatischen Eisenbahngesellschaft, die den Zugbetrieb zwischen Parchim und Malchow von der ODEG übernommen hat. Sie fährt auf eigene Kosten, so dass zum Beispiel sonst überall gültige Tickets hier nicht anerkannt werden und man neue kaufen muss. Das führt wegen Unverständnis bei der Kontrolle öfter zu Diskussionen, doch insgesamt hat Purr gute Erfahrungen gemacht: „Wenn man erklärt, warum es so ist, kommt man auch zu einem guten Ergebnis. Trotzdem sollte diese Regelung so schnell wie möglich geändert werden, um die Fahrgäste nicht zu verwirren.“

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