Lokalpolitik : Südbahn-Demontage gestoppt

Auch mit Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Mecklenburg-Vorpommern (r.), hat Clemens Russell, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“ (l.), schon über die Südbahn diskutiert (hier vor dem Schweriner Schloss).
Auch mit Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Mecklenburg-Vorpommern (r.), hat Clemens Russell, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“ (l.), schon über die Südbahn diskutiert (hier vor dem Schweriner Schloss).

Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ist ab Dezember Träger der Teilstrecke Malchow – Waren. Das Land zahlt mehrere Millionen Euro Unterstützung.

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22. Juni 2017, 21:00 Uhr

Neuigkeiten beim Thema Südbahn: Seit gestern stehen die Zeiten für die bisher nur geplanten Zug-Sonderfahrten auf dem stillgelegten Abschnitt Parchim – Lübz – Karow – Malchow im Sommer dieses Jahres fest. Die erste findet bereits am Sonnabend, 9. Juli, zum Oldtimer- und Traktorentreffen in Quetzin und zum Volksfest in Malchow statt. „Die anderen Termine werden wir so schnell wie möglich bekannt geben“, sagt Clemens Russell, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) ProSchiene, die seit Jahren für den Erhalt der Südbahn kämpft. Schon fest eingebunden seien die Bahnhöfe Parchim, Lübz, Karow, Plau am See, Alt Schwerin und Malchow. Für Passow und Gallin laufe das Genehmigungsverfahren noch. Erarbeitet hatte das Angebot die Organisation Pro Bahn (unabhängiger und gemeinnütziger Verbraucherverband, der laut eigenen Angaben die Interessen der Fahrgäste des öffentlichen Fern- und Nahverkehrs vertritt). Es solle zeigen, wie wichtig die Anbindung unserer Region an überregionale Zentren durch die Südbahn ist.

Mittlerweile sind zur Unterstützung des Saisonverkehrs genau 19 145 Euro an Spenden eingegangen. 1000 Euro steuerte unlängst allein der Verein der Bundestagsfraktion Die Linke e.V. bei. „Auch darüber haben wir uns sehr gefreut. Es ist ein Beweis, dass nicht nur geredet wird“, so Russell.

Außerdem ist besiegelt, dass auf dem Abschnitt Malchow – Waren entgegen aller Befürchtungen künftig weiter Züge verkehren. Nach Mitteilung des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte hätten er und das Landesministerium für Infrastruktur, Digitalisierung und Energie eine Lösung für den weiteren Betrieb gefunden. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember werde der Kreis dort für zehn Jahre „Aufgabenträger“ sein.


Seit Oktober Kontakt zum Minister


Infrastrukturminister Christian Pegel und Landrat Heiko Kärger hatten seit Oktober 2016 Gespräche geführt. Schwerin unterstütze den benachbarten Landkreis bei der Finanzierung vom ersten bis zum dritten Jahr mit jährlich 650 000 Euro und vom vierten bis zum zehnten Jahr mit jährlich 420 000 Euro. „Das Weiterbetreiben der Strecke zwischen Waren und Malchow war für uns ein erklärtes Ziel“, sagt Pegel. Vor dem Hintergrund begrenzter Haushaltsmittel habe man in den vergangenen Monaten allerdings die Frage beantworten müssen, inwieweit Anpassungen im Streckenangebot des Schienenpersonennahverkehrs vorgenommen werden müssen: „Mit der nun erzielten Einigung haben wir meiner Meinung nach eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung gefunden. Neben der jährlichen Finanzierung werden wir darüber hinaus Investitionszuschüsse für die Bahninfrastruktur in Höhe von zwei Millionen Euro zur Verfügung stellen.“

Landrat Heiko Kärger bedauere zwar sehr, dass das Land die Strecke nicht weiter bestelle, aber man habe eine Möglichkeit gefunden, um weiter Züge fahren zu lassen. „Vor allem geht es uns um unsere Berufs- und Ausbildungspendler und die Einwohner in der Region, die mit der Bahn von Waren in Richtung Berlin und Rostock kommen möchten“, sagt er. „Und natürlich erhalten wir damit auch ein wichtiges Angebot für die Touristen.“ Über die genannten Verträge zur Weiterbetreibung genannter Strecke muss letztlich der Kreistag Mecklenburgische Seenplatte in der Sitzung am 3. Juli entscheiden.

Russell zufolge dürfe man nicht kleinteilig denken: „Angesichts der überregionalen Bedeutung der Südbahn ist die jetzt gefallene Entscheidung auch für unseren Raum von großer Bedeutung.“ Jetzt gelte es, ruhig zu überlegen, welche Möglichkeiten es für die stillgelegte Teilstrecke geben könnte. Hoffnung müsse man ab sofort neu bewerten. „Es wäre mehr als verwunderlich, wenn man glaubhaft machen könnte, dass es für den stillgelegten Abschnitt keine vergleichbare Lösung gibt“, sagt der Sprecher. Gezeigt habe sich, dass es am besten ist, wenn Land, Kreis und Kommunen Hand in Hand arbeiten.

Wo Defizite wie etwa bei der kreislichen Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP) entstehen, müsse man sich Gedanken darüber machen, wie Angebote zu verbessern wären: „Und da spielt die Bahn eine große Rolle.“

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