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Rückhalt und Stütze : Suchtkranke in Plau am See helfen sich gegenseitig

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Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Die Selbsthilfegruppe Suchtkranke im Luftkurort Plau besteht seit mittlerweile 15 Jahren. Die derzeit 14 Mitglieder sind 27 bis 70 Jahre alt und sind sich gegenseitig eine große Stütze.

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erstellt am 06.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Die Anfänge waren bescheiden: Von der stadtbekannten Sanitätsrätin Seemann ermutigt, gründete die Sozialpädagogin Ingeborg Hoffmann vor 15 Jahren die Plauer Selbsthilfegruppe für Suchtkranke. „Diese Arbeit liegt mir sehr am Herzen.“ Vier Klienten waren es, die sich damals einmal pro Woche in einer der Baracken am Vogelsang trafen. Kaum gegründet, nahmen sie gleich an einem landesweiten Treffen von Selbsthilfegruppen teil. „Uns gibt es noch nicht einmal 24 Stunden“, stellten sich die Plauer dort vor und hatten damit ihren Namen gefunden.

Vom Umfeld argwöhnisch und misstrauisch beäugt, ließ der Zulauf die bescheidenen Räumlichkeiten am Vogelsang bald zu klein werden. Deshalb zog die Gruppe in das Dr.-Wilde-Haus um. „Vom Altenhilfezentrum der evangelischen Kirche haben wir von Beginn an jede Unterstützung bekommen“, erinnert sich Ingeborg Hoffmann. Nicht nur die Räumlichkeiten werden unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Ebenso kostenlos gibt es den Kaffee, den die Selbsthilfegruppe zu sich nimmt. Eine große Hilfe ist auch der Kleinbus des Hauses, mit dem Klienten aus Karbow-Vietlübbe oder Plauerhagen abgeholt werden. Der Bus leistet ebenso gute Dienste bei den Ausflügen der Selbsthilfegruppe, die dafür lediglich die Spritkosten tragen muss. Finanziert wird die Gruppenarbeit durch einen monatlichen Mitgliedsbeitrag, den Landkreis, Krankenkassen und die Landesstelle für Suchtgefahren.

Jeden Mittwoch von 17 bis 19 Uhr kommen die Suchtkranken im Dr.-Wilde-Haus zusammen. 14 Menschen im Alter zwischen 27 und 70 Jahren sind es, die dort von ihrer Abhängigkeit erzählen. „Wir reden aber nicht immer nur über Suchtgefahren“, erzählt Ingeborg Hoffmann. Oft kommen auch Fachleute vorbei, um kostenlos über spezielle Themen zu referieren. So wird am 22. Januar Dr. Bahrel erklären, was es mit einer Patientenverfügung auf sich hat. Einmal im Jahr machen die Suchtkranken einen gemeinschaftlichen Kurzurlaub.

Manche Gruppenmitglieder sind von Drogen oder Medikamenten abhängig, die meisten aber haben Probleme mit ihrer Alkoholsucht. Viele waren betrunken Auto gefahren und hatten deshalb ihren Führerschein abgeben müssen. Um die Fahrerlaubnis wieder zu erlangen, müssen sie den regelmäßigen Besuch einer therapeutischen Einrichtung nachweisen. Oft besuchen sie die Selbsthilfegruppe weiter, auch wenn sie längst wieder Auto fahren dürfen. Ihnen helfen die regelmäßigen Treffen ebenso, einen Rückfall zu vermeiden wie auch denjenigen, die nach einer Entziehungskur den Kontakt suchen. Manche werden von ihren Hausärzten in die Selbsthilfegruppe geschickt. „Eine Frau ist schon so lange trocken, wie es unsere Gruppe gibt“, freut sich Ingeborg Hoffmann. „Mein Ziel ist die Abstinenz.“ Wer nicht aktiv beim Kampf gegen seine Sucht mitwirkt, muss die Folgen tragen. „Wir haben auch schon einmal hartnäckig Rückfällige von unserer Gruppe ausgeschlossen.“ Lange Enthaltsamkeit aber hilft nicht immer, die Folgen der Sucht zu überleben: Seit dem Bestehen der Selbsthilfegruppe sind schon 15 Klienten gestorben.


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