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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

25. November 2017 | 03:19 Uhr

Plau am See : Suchtgruppe: 2014 nur ein Rückfall

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Die Plauer Selbsthilfegruppe des Diakoniewerks Dobbertin ist mit ihrer Arbeit zufrieden / Regelmäßige Treffen im Dr.-Wilde-Haus

Eine positive Jahresbilanz zog die Selbsthilfegruppe für Suchtkranke („24 Stunden“) bei ihrer Abschlussfeier im Plauer Dr.-Wilde-Haus. „Wir mussten lediglich einen einzigen Rückfall in den Alkoholismus registrieren“, freute sich Ingeborg Hoffmann. „Mit diesem Ergebnis können wir zufrieden sein.“

Die diplomierte Sozial-Arbeiterin und –Pädagogin des Diakoniewerks Kloster Dobbertin hatte die Selbsthilfegruppe vor 16 Jahren gegründet. „Die Anfänge waren bescheiden.“ Vier Klienten waren es damals, die sich einmal pro Woche in einer der Baracken am Vogelsang trafen. Kaum gegründet, nahmen sie an einem landesweiten Treffen von Selbsthilfegruppen teil. „Uns gibt es noch nicht einmal 24 Stunden“, stellten sich die Plauer dort vor und hatten damit sogleich ihren Gruppennamen gefunden.

Der Zulauf ließ die Räumlichkeiten am Vogelsang bald zu eng werden. Deshalb zog die Selbsthilfegruppe in das Dr.-Wilde-Haus um. Dort kommen die Suchtkranken an jedem Mittwoch von 17 bis 19 Uhr in der Tagesstätte zusammen. „Vom Altenhilfezentrum der evangelischen Kirche haben wir von Beginn an jede Unterstützung bekommen“, zeigte sich Ingeborg Hoffmann bei ihrem Rückblick dankbar. Nicht nur die Räumlichkeiten werden unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Ebenso kostenlos gibt es den Kaffee, den die Selbsthilfegruppe zu sich nimmt. Eine große Hilfe ist auch der Kleinbus des Hauses, mit dem Klienten aus Karbow-Vietlübbe oder Plauerhagen abgeholt werden. Der Bus leistet ebenso gute Dienste bei den Ausflügen der Selbsthilfegruppe, die dafür lediglich die Spritkosten tragen muss. Noch heute schwärmen die Gruppenmitglieder von Besuchen bei der Müritz-Saga oder einer Travestie-Schau. Finanziert wird die Gruppenarbeit durch einen monatlichen Mitgliedsbeitrag, den Landkreis, Krankenkassen und die Landesstelle für Suchtgefahren.
14 Menschen im Alter zwischen 27 und 70 Jahren sind es, die bei den Treffen von ihrer Abhängigkeit erzählen. „Wir reden aber nicht immer nur über Suchtgefahren“, berichtet Ingeborg Hoffmann. „Wir sehen uns auch gern Spielfilme an oder Fach-Videos an.“ Oft kommen auch Fachleute als Referenten vorbei, um kostenlos spezielle Themen vorzustellen. „Dank des Plauer Arztes Rüdiger Bahre haben inzwischen alle Gruppenmitglieder eine Patientenverfügung aufgesetzt.“ Einmal im Jahr machen die Suchtkranken einen gemeinschaftlichen Kurzurlaub und waren dabei schon in Boltenhagen oder auf der Insel Rügen. Obligatorisch ist auch die Fahrt zur alljährlichen Fachtagung in Waren.

Manche Gruppenmitglieder waren von Drogen oder Medikamenten abhängig, die meisten aber hatten Probleme mit ihrer Alkoholsucht. Viele waren auch dabei ertappt worden, wie sie betrunken Auto fuhren und hatten deshalb ihre Fahrerlaubnis verloren. Um sie wieder zu erlangen, müssen sie den regelmäßigen Besuch einer therapeutischen Einrichtung nachweisen. Oft besuchen sie danach die Selbsthilfegruppe weiter, auch wenn sie längst wieder Auto fahren dürfen. Ihnen helfen die regelmäßigen Treffen ebenso, einen Rückfall zu vermeiden wie auch denjenigen, die nach einer Entziehungskur den Kontakt mit Schicksalsgenossen suchen. Manche werden von ihren Hausärzten in die Selbsthilfegruppe geschickt. „Elke ist schon so lange trocken, wie es unsere Gruppe gibt“, lobte Ingeborg Hoffmann. „Mein Ziel ist die Abstinenz.“ Wer aber nicht aktiv beim Kampf gegen seine Sucht mitwirkt, muss die Folgen tragen. „Wir haben auch schon hartnäckige Rückfällige von unserer Gruppe ausgeschlossen.“

Lange Enthaltsamkeit aber hilft nicht immer, mit den Folgen der Sucht zu leben: Seit dem Bestehen der Selbsthilfegruppe sind schon 15 Klienten gestorben.

 



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