Unwetter MV : Sturmtief Frederike fegt über Lübz hinweg

Sturmschäden in Lübz:  Zehn Häuser Ecke Werderstraße/Lindenstraße werden Opfer des Sturmtiefs.
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Sturmschäden in Lübz: Zehn Häuser Ecke Werderstraße/Lindenstraße werden Opfer des Sturmtiefs.

Trapezbleche schlugen in Wohnungen ein: „Ein Glück, dass niemand zu Schaden kam“. Schadensbilanz: zirka 200 000 Euro

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01. Juni 2016, 21:00 Uhr

Tief Frederike hatte es in sich: Zehn Gebäude in Lübz wurden beim Unwetter am Dienstagabend beschädigt. Gegen 20 Uhr wurde es in Lübz dunkel, ein Gewitter braute sich innerhalb weniger Minuten zusammen. Starker Regen und hohe Windgeschwindigkeiten fegten über die Stadt hinweg, vor allem im Bereich der Molkereistraße, Bahnhofstraße, Lindenstraße und der Werderstraße. Zunächst wird von einem Tornado ausgegangen. Aber am gestrigen Mittwoch kommt die Entwarnung vom Tornadobeauftragen des Deutschen Wetterdienstes. Andreas Friedrich bestätigt die Gewitterfront über Lübz und geht von einer möglichen Fallböe aus. „Zwischen 19.45 Uhr und 19.50 Uhr maß die MeteoGroup-Wetterstation Lübz die 133 km/h Böe. Die Gewitterzelle war dennoch verdächtig: Es war eine Rotation im Doppler-Radar zu erkennen, die Zelle rotierte also. Die Schäden weisen jedoch eher auf einen Downburst, also eine Fallböe, hin. Der Tornadoverdacht kann (noch) nicht ganz ausgeräumt werden“, sagt Katja Arnhold von der Meteogroup auf SVZ-Nachfrage.

Auch heute werden die Anwohner noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt sein. So auch in der Werderstraße. Dort steht hinter anderen Gebäuden ein alter Speicher, dessen Dach mit Trapezblechen gedeckt ist. „Diese Bleche und Teile der Holzunterkonstruktion wurden vom Sturm gelöst und mehrere Meter über die anderen Dächer geschleudert, zerschlugen Fensterscheiben und landeten auf anderen Dächern, Höfen und sogar in Wohnungen“, erzählt Wehrführer Olaf Richter. Bei einigen Dächern haben die Kameraden eine Noteindeckung vorgenommen. Nicht nur damit waren die Feuerwehrleute beschäftigt. Auch fünf Bäume mussten von Fahrbahnen geräumt werden. Um lose oder angebrochene Äste aus den Bäumen in der Werderstraße zu beseitigen, kamen die Kameraden der Plauer Wehr mit ihrer Drehleiter zu Hilfe.

Im Gebäude Werderstraße/Ecke Lindenstraße wurde ein Carport getroffen, das darunter parkende Auto beschädigt, ein dahinter stehender Metallgeräteschuppen komplett zerdrückt und überall dazwischen meterlange Trapezbleche. Auch im Dach klaffte ein großes Loch. Es war ein Trümmerfeld, wie man es so noch nicht erlebt hatte.

Ganz großes Glück hatten die Bewohner in der Lindenstraße. In der ersten Etage befinden sich eine kleine Terrasse und dahinter das Gästezimmer – darin landete ein Blechteil. Die Wucht war so groß, dass die Hauswand einige Zentimeter eingedrückt, die Terrassentür zerschlagen war. „Zum Glück war hier niemand im Zimmer, das hätte tödlich enden können“, so die Bewohner. Im benachbarten Garten hatten die umherfliegenden Platten Bäume geteilt, bevor sie im Gras landeten. In der Werderstraße befindet sich das Objekt der Firma Innovative Sanitär- und Heizungstechnik. Auch hier hatte der Sturm ganze Arbeit geleistet. René Blask erfuhr von dem Schaden per Telefon und eilte zum Firmensitz. Zwei große, meterlange Balken und Blechteile hatten auch hier das Dach beschädigt und auch Firmenfahrzeuge blieben nicht verschont. Umgehend wurde mit Helfern mit ersten Aufräumarbeiten begonnen.

In der Bahnhofstraße 3 wohnt Volker Schleifenbau. „Ich hatte auf der Couch gelegen und mich auf die Nachtschicht vorbereitet, dann flogen Dachteile durchs Fenster“, erzählt Schleifenbau. Auch andere Anwohner wie René Grove zeigten sich beeindruckt von dem Geschehen. „Wir haben einen minimalen Eindruck davon bekommen, was im vergangenen Jahr in Bützow passierte und jetzt in Süddeutschland. Wir hatten Glück, dass nicht noch mehr passiert ist und vor allem, dass niemand verletzt wurde“, so das Credo der Anwohner. Bemerkenswert auch hier, dass sich die Nachbarn gegenseitig halfen, trösteten und sich in den Arm nahmen.

In der Stadtverwaltung ist man froh, dass niemand verletzt oder gar obdachlos wurde. „Wir werden helfen, wenn sich die Betroffenen an uns wenden. Ansonsten ist der Lübzer Bauhof mit allen Kräften im Einsatz, um die Schäden im öffentlichen Bereich zu beseitigen und zu beräumen“, so Thomas Rosenfeldt vom Bürgeramt gestern Morgen.

Die Freiwilligen Feuerwehren Lübz und Plau am See waren mit insgesamt 43 Kameraden bis etwa 23 Uhr im Einsatz. Der Schaden wird zurzeit seitens der Polizei auf ingesamt zirka 200.000 Euro geschätzt.

Auch hier schlug das Unwetter zu

Besonders die Kameraden der Berufsfeuerwehr waren in der Nacht zum 1. Juni gefragt. Ganze 14-mal rückten sie aus. Darunter zwei Mal ins Schweriner Gebiet, vier Mal im Landkreis Nordwestmecklenburg und acht Mal im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

In Schwerin gab es durch das Unwetter vermehrte Ampelausfälle. Besonders arg hat es das Restaurant Angler II in der Werdervorstadt erwischt. Ein heftiger Blitzeinschlag legte dort neben Elektrogeräten auch die Telefonleitung lahm. Verletzt wurde jedoch glücklicherweise niemand, so die Besitzer.

Schwerpunktmäßig hatte der Sturm Bäume und Äste auf die Straßen gelegt, die die Kameraden der Feuerwehr räumen mussten. Im Bereich Upahl und Proseken wurden zudem Keller durch die Wassermassen überflutet und in Wohlenberg stand ein Campingplatz unter Wasser, informiert Erwin Mörer , Leiter der Integrierten Leitstelle Nordwestmecklenburg.

Vor allem im Bereich der A20 und A14 rund um die Anschlussstelle Wismar Richtung Rostock ereigneten sich wegen des Unwetters schwere Unfälle – insgesamt waren es in der Unwetternacht zu gestern vier. Dabei wurden zwei Personen verletzt und es kam zu Sachschäden in Höhe von 30 000 Euro.

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