Goldberg : Sturm und Bedrängnis im Kloster

Pastor Christian Hasenpusch leitet den Vortrag von Dr. Claus Cartellieri ein. Fotos: Monika m. degner
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Pastor Christian Hasenpusch leitet den Vortrag von Dr. Claus Cartellieri ein. Fotos: Monika m. degner

Männerkreis der Goldberger Kirchengemeinde lud Dr. Claus Cartellieri zu einem Vortrag über die Reformation in Dobbertin ein

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07. November 2017, 13:32 Uhr

„Auch Luther fühlte sich oft von seinem Gott verlassen. Ihn quälten Versagensängste und Zweifel, ob das richtig sei, was er tue.“ Aber wenn es darauf angekommen sei, seine Mission durchzusetzen, wäre Gott ihm hilfreich zur Seite gestanden. So leitete Pfarrer Christian Hasenpusch den Vortragsabend im Saal der Goldberger Kirchengemeinde ein und signalisierte auch im Gedenkjahr: Der Reformator war kein Halbgott, er war ein Mensch. Welchen Gegenwind die tiefe Umwälzung innerhalb des Christentums entfachen würde, war Martin Luther natürlich auch bewusst. Wie viele Menschen sahen durch die „Reformen“, die schon eher einer Revolution innerhalb des Christentums glichen, nicht nur gewohnte Glaubensinhalte bedroht, sondern auch die materiellen Grundlagen ihres Daseins.

Genau 500 Jahre und drei Tage nachdem an der Wittenberger Schlosskirchentür Luthers berühmte Thesen erschienen waren, haben sich im Goldberger Pfarrhaus um Dr. Claus Cartellieri aus Dobbertin an die zwanzig Zuhörer und Zuhörerinnen eingefunden. Der Referent wird der Frage nachgehen, wie sich das Ringen zwischen Reformatoren und den Dobbertiner Benediktinerinnen zutrug, die, wie sich zeigen wird, ausgesprochen widerständige Anhängerinnen der hergebrachten christlichen Ordnung waren. „Sturm und Bedrängnis im Kloster Dobbertin“ lautet der Titel des Vortrags.

Im Verlauf der Reformation dürfte es im Reich unzählige lokale Brennpunkte im Kampf Alt gegen Neu gegeben haben. Einer davon war das Kloster Dobbertin. Da Luther die Reformation nicht innerkirchlich durchführen konnte, hatte er sich an die deutschen Fürsten gewandt, damit diese den Wandel in ihren jeweiligen Ländern einleiteten. In Mecklenburg setzten sich aber erst die herzoglichen Brüder Johann Albrecht I. und Ulrich entschieden für die Reformation ein, mit dem Ergebnis, dass die Landstände die lutherische Lehre 1549 rechtlich verbindlich annahmen. 1552 löste Johann Albrecht die Mehrzahl der Klöster in seinem Territorium auf und verleibte deren Besitz den herzöglichen Domänen ein. „Die Herzöge brauchten Geld“, so Cartellieri. Darüber hinaus wurden noch bestehende Klöster sowie Kirchen kontrolliert. Zu diesem Zweck wurden sogenannte „Visitatoren“ eingesetzt.

Cartellieris zitatreiche Darstellung verfolgt eine über Jahre sich erstreckende, zähe Auseinandersetzung zwischen den „gottlosen“ (Originalquelle) Nonnen und den Visitatoren. 1557 besuchen die letzteren auch das Kloster in Dobbertin, das noch ganz und gar in hergebrachter Gesinnung und Form existierte. Nach römisch-katholischer Tradition verehrten die Nonnen nicht nur die Dreifaltigkeit Gottes, sondern auch Maria und eine große Zahl Heiliger. Besondere Schutzpatrone Dobbertins waren Maria, der Apostel Johannes und der heilige Quirinus. Nun aber sollten deren Bilder von der Nonnenempore verschwinden, ja, die Nonnen selbst sollten nicht länger vom Volk getrennt auf der Empore am Messopfer teilnehmen dürfen. Weitere Forderungen unter anderem: Korrektur der Gesangbücher, Abschaffung der Gebetszeiten und des Nonnenhabits, Verabreichung des Abendmahls in der Form von Brot u n d Wein. Die wehrhaften Nonnen aber – widerständig sind vor allem die älteren Benediktinerinnen – beugen sich den Abgesandten des Herzogs nicht. Das neue Denken empfinden sie als „eitel erdichteten Menschentand“. Schlau bezeichnen sie die Fürsten zwar als „gnädige Herren“, die Visitatoren aber nur als „Zututer“. Klagen, Tumult auf der Nonnenempore, als die Gesandten der Reformation dort das Marienbild entfernen. Kämpfe entflammen, als ein weiterer Zugang zur Nonnenempore vermauert werden soll. Die Nonnen „vermaledeien“ – laut Originalquellen – die Visitatoren, wehren sich gegen Eingriffe mit Stöcken und Steinen, werden mit Wagen aus dem Kloster weg „zu ihren Verwandten“ gebracht, kehren aber prompt wieder zurück.

1562 sind etwa zwei Drittel der Nonnen „einsichtig“ geworden, dennoch verzeichnen die Quellen, dass 1569 der alte Zustand wieder vollkommen hergestellt worden sei, da die ausgewiesenen Nonnen sich wieder „eingeschlichen“ hätten. 1572 dann wird das Kloster auf Landtagsbeschluss endgültig übergeben, die Scharmützel legen sich offenbar. Alles in allem aber, so Cartellieri, sei Dobbertin in der Zeit des Umbruchs „glimpflich“ davongekommen. „Bedrängt, verlassen und im Recht“ haben sich die Dobbertiner Nonnen gefühlt, so Cartellieri. Gegen Ende gedenkt der Referent noch der furchtbarsten Folge der Reformation, nämlich des 30-jährigen Krieges, der in Mecklenburg verheerendere Folgen gehabt habe als die Weltkriege: Aus der Geschichte solle man ja auch lernen!

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