Sandhof : Streuobstwiese hilft Insekten

Streuobstwiese in sonniger Waldlage: Mitarbeiter des Forstamtes Sandhof kämpften gestern mit dem gefrorenen Boden. Im Revier Bossow werden Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume künftig auch Insekten Nahrung bieten.
Streuobstwiese in sonniger Waldlage: Mitarbeiter des Forstamtes Sandhof kämpften gestern mit dem gefrorenen Boden. Im Revier Bossow werden Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume künftig auch Insekten Nahrung bieten.

Forstamt Sandhof reagiert auf dramatischen Rückgang der Kerbtiere und schafft Nahrungsangebot mit Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäumen

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27. März 2018, 12:00 Uhr

„Keine Chance, mit der großen Schaufel in den Boden reinzukommen“, sagt David Burneleit. Der Forstwirtschaftsmeister des Forstamtes Sandhof und vier seiner Kollegen sind seit dem frühen Morgen auf einer waldumstandenen Fläche mitten im Forstrevier Bossow dabei, Pflanzlöcher für Obstbäume auszuheben. Hier in der feuchten, halbschattigen Senke soll eine Streuobstwiese entstehen. Als wenn sie es geahnt hätten, haben sie auch eine kleinere Schaufel dabei. Zwar hat der Minibagger auch damit kein leichtes Spiel. „Doch es geht“, freut sich Burneleit, überrascht, dass der Frost noch immer gut 15 Zentimeter im Boden steckt: „Wenn wir da durch sind, gehts leichter.“

Muss es auch. Denn noch am selben Tag sollen 21 Bäume – alte Apfel-, Birnen- und Pflaumensorten – im Boden, angebunden und eingehaust sein. Der Aufwand ist enorm. „Wir haben hier in der Region sehr arme Böden. Deshalb bleibt uns nichts anderes übrig, als die Pflanzlöcher großzügig auszubaggern und mit Muttererde aufzufüllen“, sagt Lutz Petersen, der zuständige Revierförster. „Die Erde müssen wir anfahren. Fünf Kilometer eine Tour. Eine Anhängerladung reicht etwa für drei Pflanzlöcher. Der Rest ist reine Mathematik.“ Angetaute Waldwege machen die Touren durch den Wald schwierig und unendlich mühsam. Und sie rauben Zeit.

Warum betreibt das Forstamt Sandhof diesen Aufwand? „Wir wollen etwas für Insekten tun oder anders gesagt gegen ihren dramatischen Rückgang“, erklärt Forstamtsleiter Frank Zerbe. „Vielleicht ist es Ihnen auch schon aufgefallen, wenn Sie im Sommer mit dem Auto unterwegs waren. Man kann kilometerweit fahren und es kleben kaum Insekten auf der Frontscheibe. Früher war das ganz anders.“ Zerbe sieht die Hauptursache in der ausgeräumten Agrarlandschaft. „Die hält für Insekten in weiten Teilen des Jahres kaum noch ein Nahrungsangebot bereit.“ Daneben habe aber auch die Forst mit ihren vielfach eintönigen, gleichaltrigen Beständen strukturelle Defizite. Jüngste Studien belegen, dass in manchen Regionen der Bestand an Insekten inzwischen um bis zu 80 Prozent zurückgegangen ist. „Das ist dramatisch“, stellt Forstamtsleiter Frank Zerbe klar. Denn wenn die Insekten gehen, hat das ganz unmittelbare Auswirkungen auf die Vogelwelt. Vor allem auf die Singvögel. Auch sie finden dann einfach nicht mehr genug Nahrung.

„Das ist einer der Gründe, warum wir unsere Waldbestände und freie Flächen nach Möglichkeit vielfältiger gestalten wollen“, so Zerbe. Auf dem Weg dahin hat das Forstamt eine Übereinkunft mit der Naturschutzbehörde getroffen. Das Forstamt hat in den letzten Jahren Waldwege ausgebaut. „Die Streuobstwiese, die wir jetzt anlegen und später auch noch erweitern möchten, ist einerseits der geforderte Ausgleich dafür. Andererseits schaffen wir für Bienen und andere Insekten natürlich auch ein Nahrungsangebot. Überdies werden wir demnächst so genannte Bienenweiden anlegen“, sagt Zerbe. „Wir begreifen das als unseren ganz speziellen Beitrag, um dem dramatischen Insektenrückgang entgegenzuwirken. Und wir hoffen, dass wir andere Akteure zum Mitmachen motivieren können.“

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