Zu langsam : Streit über Straßenbau in Werder

Die Baustelle in einem Bereich, wo die Straße bereits auf beiden Seiten aufgenommenn wurde Fotos: Ilja Baatz
Die Baustelle in einem Bereich, wo die Straße bereits auf beiden Seiten aufgenommenn wurde Fotos: Ilja Baatz

Gemeindevertreter äußern Kritik an nach ihrer Meinung zu langsamem Fortschritt. Zweckverband: Abarbeitung erfolgt nach Plan

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22. September 2017, 05:00 Uhr

In Werders Hauptstraße lässt der Wasser- und Abwasserzweckverband Parchim-Lübz (kurz WAZV) gegenwärtig den Regenwasser-Hauptkanal erneuern (wir berichteten). Auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung am Mittwochabend sorgte dieses Thema für eine heftige Diskussion.

Laut Bürgermeister Berno Schmalfeldt werde die Vollsperrung länger dauern als zunächst gedacht. Dies liegt vor allem darin begründet, dass nicht nur eine Hälfte der Straße, sondern entgegen der ursprünglichen Planung nun die gesamte Fahrbahn erneuert werden muss. Grund: Eigentlich sollte der alte, zwischen Gehweg und Straße liegende Kanal in der Erde liegen bleiben und mit Beton verfüllt werden, damit von ihm keine Gefahr mehr ausgeht – leider nicht mehr möglich, weil er der Belastung durch den zunächst halbseitig an der Baustelle vorbeigeführten Verkehr nicht gewachsen war und an mehreren Stellen einbrach. Deshalb müssen jetzt über die Entfernung der alten Rohre hinaus sowohl der Gehweg als auch die Straße in voller Breite erneuert werden. Dem Protokoll der letzten Baubesprechung sei kein Termin zu entnehmen, was die Verlängerung der Vollsperrung betrifft, so der Bürgermeister. Fest stehe lediglich, dass das Vorhaben noch in diesem Jahr abgeschlossen werden soll.

„Rechnet man die bis jetzt auf der Baustelle gezeigte Geschwindigkeit hoch, wird das nichts!“, sagte ein Gemeindevertreter daraufhin. Sein Gegenüber stellte die Bitte in den Raum, bei den verantwortlichen Stellen anzufragen, „wie lange man der Bevölkerung zumuten soll, unter solchen Bedingungen zu leben!“ Als der Bürgermeister äußerte, dass der Baufortschritt auch vom Wetter abhänge, lautete die einhellige Meinung, dass dies nicht das Problem der Gemeinde sei und die gegenwärtig für jeden sichtbar oft „mit halber Kraft arbeitende Baufirma ihre Kapazitäten erhöhen“ solle.

Weit vor der Baustelle weisen mehrere Schilder auf sie hin und verbieten das Hindurchfahren – Anlieger ausgenommen. Viele zählen sich jedoch offenbar zu den Ausnahmen und nutzen die einspurige, vorübergehend mit Sand befestigte Verkehrsführung wie selbstverständlich vom Anfang bis zum Ende, bis die Baustelle hinter sich gelassen ist. Auch nicht gut: Ein von der Feuerwehr aus gesehen auf der Baustelle aus dem Boden ragender, ziemlich nah neben der Fahrbahn gesetzter Schacht ist an diesem Abend nicht abgedeckt – bei einer Tiefe von schätzungsweise zwei Metern unter Umständen lebensgefährlich, wenn man hineinstürzt und sich ohne Boden unter den Füßen an scharfen Kanten verletzt. Extra abgesperrt ist der Schacht nicht und somit für jeden leicht zu erreichen.

Darauf angesprochen sagt Lothar Brockmann, Geschäftsführender Leiter des WAZV Parchim-Lübz, dass so etwas nicht sein dürfe, weil festgelegt sei, dass die Baufirma die Baustelle abends so verlassen müsse, dass von ihr keine Gefahr wie die eben beschriebene ausgeht. Ein am Mittwochabend unmittelbar neben dem Schacht liegender Stahldeckel lässt jedoch offen, ob nicht vielleicht Neugierige einen Blick in den Untergrund warfen und anschließend „vergaßen“, das Loch wieder zu verschließen. Solche Hinweise werte man gemeinsam aus. „Auch auf Baustellen gibt es leider öfter kriminelle Energie“, sagt Brockmann. Dazu zähle eindeutig ebenfalls das Verhalten des Autofahrers, der die Beschilderung missachtet und nicht ein paar Kilometer für die Umleitung in Kauf nehme: „Wem etwas auffällt, meldet sich entweder beim Bauleiter oder am besten direkt bei uns. Man kann auch an den Bauberatungen teilnehmen und seine Hinweise äußern. Ich bin jetzt seit 14 Tagen aus dem Urlaub zurück und habe noch keine Klagen gehört.“ Auf Einwohnerversammlungen informierte Brockmann zudem darüber, dass Anlieger auch wegen des Transports von Gelben Säcken und ihrer Mülltonnen an die Baufirma herantreten können. Mit ihr sei vereinbart, dass sie in diesem Punkt behilflich ist.

Durch das Hinzukommen der anderen Straßenhälfte hat sich die Maßnahme nicht nur erheblich verteuert, sondern auch verkompliziert und wird länger als gedacht dauern. Oberstes Ziel sei, die Asphaltarbeiten vor Wintereinbruch zu beenden. Lediglich die Trinkwasserhausanschlüsse könnten eventuell erst 2018 verlegt werden. Positiv: Seit Mittwoch liegt die Vereinbarung mit dem Landkreis – er trägt den größten Teil der Kosten – unterschrieben vor.

Dem in der Gemeindevertretersitzung geäußerten Vorwurf, dass sich der Technische Leiter des WAZV als „beratungsresistent“ erwiesen habe, widerspricht Brockmann energisch: „Das ist aus der Luft gegriffen und Blödsinn! Unser Mann hat die Sache gut ausgearbeitet und jetzt wird sie abgearbeitet.“

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