zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. November 2017 | 05:14 Uhr

Kampfsport : Stelldichein der Großmeister

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

In Lübz wurde das 55. Kampfsportjubiläum mit Shaolin Mönchen gefeiert. „Oberguru“ Hans Höhn führte durch die Veranstaltung im Lübzer Gymnasium

svz.de von
erstellt am 12.Okt.2014 | 22:00 Uhr

Er ist Jiu-Jitsu Großmeister im Rang des 10. Dan und im Wudang Kung-Fu der 8. Duan: Hans Höhn aus Lübz ist auf dem Gebiet der ostasiatischen Kampfkünste international bekannt und vernetzt. „Ich bin der Oberguru“, lacht er. Und so wundert es nicht, dass beeindruckend viele Meister und Großmeister, auch aus dem Ausland, mit Gefolge anreisten, um hier mit Shaolin Mönchen ein 55. Kampfsportjubiläum zu feiern.

Wer sich in der Materie nicht auskennt, dem klingen zunächst die Ohren. Denn es sind nicht etwa nur Gruppen angereist, die Tai-Chi und Kickboxen praktizieren, wie angekündigt, es sind auch die Meister und Adepten von Judo, Kung-Fu, Jiu-Jitsu und Jaido, einer japanischen Kampfsportart, vertreten. Jaido, erläutert Großmeister Andreas Eggert aus Salzwedel, sei „die Kunst, es japanischen Schwertziehens“. Das schwarze Schwert und die traditionelle Gewandung Eggerts illustrieren dazu die Geschichte des Jaidos, das von einer Kultivierung und Humanisierung des Kriegertums erzählt, die weit in die Geschichte zurückführt.

Dem Samurai sei es erlaubt gewesen, zur Selbstverteidigung zu töten, berichtet der mehrfache Weltmeister Eggert. „Aber irgendwann haben sie entdeckt, dass man sich auch verteidigen könne, ohne zu töten.“ Für alle ostasiatischen Kampfkunstformen galt und gilt offenbar, dass die Brutalität des Kampfes auf Leben und Tod durch eine hocheffektive Selbstverteidigung ersetzt werden sollte, die nicht schwer verletzt oder tötet. Allerdings fordert diese nicht nur die Beherrschung körperlicher Techniken ein, sondern vor allem die des Geistes und des Willens, zudem moralische Qualitäten wie Disziplin und Geduld. Um den Geist zu schulen, entwickelte sich daher eine Symbiose zwischen Kämpfern und Mönchen, von der die Geschichte der Shaolin-Mönche mit ihrem Ursprungskloster (6. Jahrhundert) in der zentralchinesischen Provinz Henan ebenso erzählt wie beispielsweise die Geschichte des japanischen Jaido.

Des Ursprungs der Kampfkünste ist man sich auch heute noch sehr bewusst. Zeremonielles Verbeugen, Lotossitz, Momente der Verinnerlichung und Ruhe sind während der Beginn- und der Übungsphase in Lübz ebenso zu beobachten wie während der hochartistischen Show der Gäste aus dem Berliner Shaolinkloster am Abend. Ruhe und Konzentration zeichnen auch das Verhalten der jungen Vereinsmitglieder aus. Stolz berichten sie über ihre Gürtel: Weiß ist die Farbe der Eingangsstufe. Gelb und Orange folgen. Erst im Alter von 16 Jahren dürfen sie den grünen Gürtel tragen. Dröhnendes Stimmengewirr wie etwa während des Sportunterrichts kommt an diesem Tag nicht auf, Disziplin ist anscheinend schon zur Grundhaltung des Nachwuchses geworden. Aber es gibt auch aus Zuschauerperspektive genug zu sehen. Faszinierend, wie die Meister und Großmeister aus Deutschland, Polen, England und die Shaolin-Gäste die Lernenden trainieren. Jetzt fließt Schweiß, fallen die Körper auf die Matten, wird immer wieder von Neuem begonnen. Sprünge werden geübt, bei den Allerkleinsten sieht das nach tapsigem Nachahmen aus, während der Shaolinlehrer im Mönchsgewand federleicht in die Höhe schwingt. Die Unterschiede sind gewaltig, scheinen Spaß oder Leistungswillen jedoch nur noch zu befeuern.

Aber wie überlebt der avancierte Kämpfer unbeschadet das Nagelbrett, auf dem er sich „bettet“? Wie schafft es der gerade sechzig Jahre alt gewordene Hans Höhn, an diesem Abend mit der Handkante ein Brett und die darauf montierte Rasierklinge zu durchtrennen? „Das ist auch Physik“, sagt Frank Kallies, der mit seiner Wittstocker Gruppe ebenfalls vor Ort ist. Der Fünfunddreißigjährige ist Träger des schwarzen Gürtels und gibt sich dennoch bescheiden. Nur Physik? Aber reicht die Spannung des Körpers, die Geschwindigkeit des Schlags, reicht die willentliche Konzentration nicht, dann kennt die Physik auch andere Gesetze. „Dreißig Jahre“, sagt Hans Höhn nach seiner Vorführung“, habe ich dafür geübt. Und wer das nicht kann, der ist eben kein Großmeister. So ist das.“



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen