Lübzer XL-Markt betroffen von Schlecker-Aus : Ständig Angst um die eigene Existenz

<strong>Verunsichert, weil</strong> von außen schlecht informiert: Marktleiterin Roswitha Schwaß (l.) und ihre Kollegin Gabriele Misch<FotosRechtsex><fotos>Ilja baatz</fotos></FotosRechtsex>
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Verunsichert, weil von außen schlecht informiert: Marktleiterin Roswitha Schwaß (l.) und ihre Kollegin Gabriele MischIlja baatz

Schlecker-Pleite: Auch die Mitarbeiter des Lübzer XL-Marktes sind trotz angekündigter Übernahme sehr unsicher, was ihre Zukunft betrifft. Sie sind auch nicht besser informiert als die Allgemeinheit.

svz.de von
06. Juni 2012, 12:07 Uhr

lübz | Der Insolvenzverwalter wie auch alle anderen Beteiligten sehen keine Chance mehr, die Drogeriemarktkette Schlecker wird endgültig zerschlagen - eine Meldung, die am Freitag deutschlandweit vielen tausend Menschen nach quälendem Warten die letzte Hoffnung nimmt, dass sich das Blatt vielleicht doch noch einmal wenden wird. Am Montagmittag steht dann fest, dass die Kette "Ihr Platz" und zumindest die "Schlecker-XL-Märkte" verkauft wurden und erhalten bleiben sollen. In Lübz gibt es jeweils ein Geschäft aller drei Kategorien.

Dienstag, 10.18 Uhr. Der kleinere Schlecker-Markt im Einkaufszentrum (EKZ) hat in dieser Minute wie schon davor und auch danach so viele Kunden wie vorher sonst kaum. Auch wenn es so anmutet: Das im Schaufenster hängende Plakat mit der Aufschrift "Wir senken die Preise für Sie" hat nichts mit dem Ausverkauf am Freitag zu tun, sondern ist eine vor schon mehreren Wochen umgesetzte Idee des Insolvenzverwalters, auf diese Weise mehr Kunden dazu zu bewegen, in die Geschäfte zu gehen. Die Pleite-Meldung erweckt jetzt bei vielen jungen wie älteren Kunden die Hoffnung, noch mehr Rabatt als mehr zu bekommen. Manche verlieren an der Kasse zwar ein paar Worte des Mitleids, doch die Freude, ein Schnäppchen eingefahren zu haben, überwiegt. Die Kassiererin hat hin und wieder sogar noch die Kraft für einen kleinen Scherz, doch dies ist bitterer Humor, wie nur ein paar Sekunden später die Antwort auf die kurze Frage nach ihrem Befinden belegt: "Wie es mir geht? Mies! Ich bin über 50 - für mich ist alles vorbei, was Arbeit betrifft."

Roswitha Schwaß ist Leiterin des XL-Schlecker-Marktes in Lübz. Mit innerer Unruhe und Unsicherheit hat sie Erfahrung, begleitete den Untergang eines "normalen" Schlecker-Marktes in Ludwigslust bis zu seinem letzten Tag, dem 24. März. "Wir haben alle geweint, als es zuende war", berichtet sie. "Dann gab die Gewerkschaft bekannt, wer entlassen wird. Dabei ging es nach Sozialplan - Berufsjahre, Familienstand, Qualifikation und so weiter. Ich hatte zwar Glück, empfinde die Schließung aber trotzdem noch weiterhin als schlimm. Wir haben dort alle gut zusammengearbeitet und wurden brutal auseinandergerissen, viele sitzen jetzt auf der Straße."

Trotz der Ankündigung, dass die XL-Märkte erhalten bleiben sollen, sind die Beschäftigten auch hier verunsichert. Selbst die Gewerkschaft habe ihnen nichts Genaues sagen können und nun warten sie jede Minute auf eine Fax-Nachricht, um zu wissen, wie es weitergeht, was sie erwartet. Zum Beispiel ist Mittwoch der Tag, an dem immer neue Ware angeliefert wurde. Ob dies auch weiterhin der Fall ist, habe den fünf Frauen in Lübz vorher niemand gesagt. Wirklich beruhigen kann sie auch der gut gemeinte Ausspruch "Ihr könnt froh sein!" eines Kunden nicht. Auf ihn antwortet die Marktleiterin: "Wer sagt uns denn zum Beispiel, ob wir als Mensch hier bleiben?"

Als Roswitha Schwaß am Tag der Ergebnisverkündung nach den Gesprächen über die Schlecker-Zukunft nach Hause kommt, erwartet ihr Mann seine Frau bereits in der Garageneinfahrt. "Die ganze Familie fiebert mit", sagt sie. "Dass ich meine Arbeit behalte, ist in unserem Fall auch deshalb sehr wichtig, weil ich der Hauptverdiener bin."

Die Deutschen Unternehmensbeteiligungen AG (Dubag) möchte die insgesamt 342 Schlecker-XL-Läden zusammen mit den 490 Filialen der Schlecker-Tochter "Ihr Platz" übernehmen. Nach gegenwärtigem Stand der Dinge soll der Name Schlecker verschwinden, indem später alle Geschäfte den Namen "Ihr Platz" tragen.

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