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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. November 2017 | 08:47 Uhr

Kultur : Stadtkirche zum Beben gebracht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Gäste aus New York heizten ein: The Glory Gospel Singers und ihre Zuhörer sorgten am Sonnabend für Stimmunsghoch in Lübz

Es war Extase pur. Wie nebenbei nahmen die fünf Sänger und Sängerinnen, gehüllt in bunte, geistliche Chorgewänder, das komplette Publikum mit in eine hochemotionale, vom Rhythmus getragene Session. Die Gesangskünstler zogen alle Register ihres stimmlichen Könnens und das Publikum gab das seine zurück, klatschte, stampfte, auf dass die Begeisterung noch kräftiger durchschlagen möge, sang die bekannten Spirituals ungehemmt mit und feierte schließlich jedes weitere Stück der Gospel Singers mit Standing Ovations.

Die schöne, alte Stadtkirche feierte hell erleuchtet mit, keine Spur von grimmiger Januarkälte. Allerdings war die Kirche auch sehr gut besetzt und die Begeisterung wärmte von innen. Viele der Besucher kamen direkt aus Lübz. „Ich kenne die Gesichter aus dem Stadtbild“, bemerkte eine Besucherin. Aber das Konzert hatte auch Gäste von außerhalb, etwa aus Ludwigslust und Parchim, angezogen. Selbst aus dem 80 Kilometer entfernten Zarrentin hatten sich Sängerinnen eines Gospel-Chors eingefunden. Sie hielt es schon gar nicht auf den der frommen Kontemplation gewidmeten Sitzbänken.

Wer die Gospel-Literatur kennt, weiß, welche Bedeutung dem Gottespreis oder der Liebeserklärung an Jesus zukommt. So vernahm man zu Beginn des Konzerts viel Bekenntnishaftes: „Jesus Christ, the first and the left“ oder in schneller Wiederholung: „I love him“. Später führten die Traditionals wie „He’s got the whole world in his hand“ oder „Michael, row the boat ashore“ zu Höhepunkten, da die bekannten Spirituals vom Publikum mitgesungen werden konnten, was heißt: Texte waren weitgehend bekannt.

Die Aufstellung der Sänger variierte mit jedem neuen Stück, eine Art Frontmann gab es nicht. Alle fünf hatten wechselnd ihre Soloauftritte, mit oder ohne Hintergrundgesang, mit oder ohne Piano. Naturgemäß wurde auch im Chor gesungen, mehrstimmig oder auch im Kanon. Das Größte aber waren die Solo-Darbietungen der Stimmen in ihrer ganzen Bandbreite. So präsentierte eine der Sängerinnen das bekannte „Go down, Moses“, beginnend in einer sehr tiefen Stimmlage, im Bariton wohl, um sich schließlich über mindestens zwei Oktaven hinauf zu schwingen. Wer den Ausdruck der menschlichen Stimme liebt, kam in dieser Veranstaltung voll auf seine Kosten.

Die „Glory Gospel Singers“ – unter diesem Namen touren nicht nur die fünf Sänger, die in Lübz waren – sind die besten aus einer 1985 gegründeten Gemeinschaft von etwa 70 Sängern aus zahlreichen New Yorker Gemeinden. Obwohl Elemente einer sehr bewussten, publikumsorientierten Inszenierung durchaus erkennbar waren, spürte man gleichermaßen eine Nähe der Künstler zur christlichen Basis und einer speziellen Form des Gottesdienstes.


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