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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

21. November 2017 | 11:25 Uhr

Abriss in Lübz : Stadt um Stück Geschichte ärmer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

In Lübz verschwinden einsturzgefährdete Wohnhäuser: Abbruchbeginn an mehrere Jahrhunderte alten Gebäuden Plauer Straße 7 und 8

svz.de von
erstellt am 06.Okt.2014 | 20:45 Uhr

Das Warten ist vorbei: Die seit Jahren als Ruinen zu trauriger Bekanntheit gelangten Wohnhäuser Plauer Straße 7 und 8 werden seit gestern abgerissen – zumindest so weit, dass für die Öffentlichkeit keine Gefahr mehr von ihnen ausgeht.

In den letzten Jahren hatte die Stadt den Bürgersteig vor der Nummer 7 mit hohen Zäunen abgesperrt, um Fußgänger vor herabfallenden Bauteilen zu schützen. Zurück ging dies auf ein konkretes Ereignis, als eine große Menge Schnee vom Dach rutschte und dabei die Regenrinne samt Traufbrett mit in die Tiefe riss. Schon damals urteilten Fachleute, dass es für eine Sanierung zu spät ist. Als besonders verheerend stellte sich der Umstand heraus, dass das Dach an vielen Stellen teilweise mittlerweile großflächig undicht war und große Mengen Regenwasser so bereits seit mehreren Jahren ungehindert eindringen konnten. Dies ließ nach dem Dachstuhl schließlich auch die Decken der Zimmer in beiden Wohnebenen darunter verrotten. In Haus Nummer 7 hatte man an mehreren Stellen freien Blick vom Erdgeschoss bis zu den Dachbalken – beziehungsweise dem, was noch von ihnen übrig war.

Noch bevor Chris Martin gestern Morgen mit seinem Bagger Hand anlegte, hatte der Verfall den ersten Schritt erledigt: Eine Ausfachung war samt zwei Fenstern auf den Gehweg gefallen. Die Verwaltung hatte den Eigentümer schon vor langem aufgefordert, etwas zu unternehmen. „Sichern, sanieren, abreißen – was auch immer“, sagt Fred-Jan Salomon, Leiter des Fachbereiches Bau bei der Stadt Lübz. „Die Häuser liegen im Sanierungsgebiet, wo Erhaltung und nicht Abbruch im Vordergrund steht. Wenn jedoch der Zustand eines Gebäudes schon zu schlecht ist, bleibt auch Abbruch als Möglichkeit offen.“ Die Grenze sei erreicht, wenn 80 Prozent der zu erwartenden Sanierungskosten den Neubauwert überschreiten.

Der Eigentümer habe in der Form reagiert, dass er einen Abbruchantrag stellte. Letztlich sei er jedoch nicht dazu in der Lage gewesen, die damit verbundenen Kosten zu tragen. Deshalb habe stellvertretend für ihn letztlich der Landkreis als höchste regionale Baubehörde den Abbruch angewiesen („Ersatzvornahme“).

Begonnen wurde mit Haus Nummer 7, von dem große Teile schon nach dem Bewegen eines großen Balkens wie von selbst einstürzten, was viele Fußgänger anhalten ließ. Den zahlreichen Kommentaren wie etwa „Endlich“ oder „Dat wurde aber Zeit“ widerspricht Salomon nicht grundsätzlich, bringt jedoch noch eine andere Richtung hinein: „Natürlich musste hier gehandelt werden, weil von den Häusern eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausging, aber es gibt damit auch ein Stück Alt-Lübz weniger – völlig unabhängig davon, dass Haus Nummer 8 denkmalgeschützt war. Wegen mehrerer Stadtbrände und verfehlter Sanierungen gibt es eh schon nicht mehr viel original erhaltene Fachwerkbauten.“

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