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dobbertiner geschichten : Spiel, Satz & Sieg im Klosterpark

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

In den Dobbertiner Geschichten von Horst Alsleben geht es um ein Dokument von 1897, das belegt, dass die Klosterdamen Tennis spielten

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erstellt am 05.Feb.2017 | 09:00 Uhr

In den letzten Jahrzehnten hatte man schon viele interessante Begebenheiten von den Klosterdamen aus Dobbertin erfahren. Doch das die meist schon betagten Klosterdamen auch Tennis spielen konnten, war bisher kaum bekannt. Öfters wurde schon von ihren Kutschfahrten in das Umland, von den Bootsfahrten auf dem Dobbertiner See mit Kaffeekränzchen beim Holzvogt auf dem Buchholz und von Sparziergängen im Kreuzgang des Klosters und im Klosterpark mit den Pavillons berichtet. Doch wo konnten nun, wenn überhaupt, die Klosterdamen Tennis spielen und wo befand sich dieser Tennisplatz?
Ein fast 120 Jahre altes Dokument gibt nun erstmals Auskunft, denn auch zur Benutzung des Tennisplatzes in der Klosteranlage gab es wie immer im Klosteramt eine spezielle Ordnung.

Der Klosterhauptmann Carl Peter Baron von le Fort hatte schon während der Kirchenrestauration mit der durch den späteren Schweriner Schlossbaumeister Georg Adolf Demmler 1837 fertiggestellten Doppelturmanlage an der äußeren Umgestaltung und Verschönerung der Klosteranlage, besonders an die „Schmuckflächen zwischen Kirche und Klosterhauptmannshaus“ gedacht. Neben der Klosteranlage sollte nun auch ein Klosterpark entstehen. Den zwischen Kloster und Dorf liegenden „Grote Werder“ von der Klostermühle als früheren Zugang zum Mönchskloster wollte man bis zum ehemaligen Pforthaus zu einem Klosterpark umgestalten. Dazu beauftragte der Klosterhauptmann schon 1840 den Ludwigsluster Hofgärtner und Gartenbaumeister Carl Schweer mit den Entwürfen. Im September schrieb dieser dann: „ ...anbei erlaube ich mir Euer Hochwohlgeborenen den Plan von der projektierten Anlage zu übersenden, mit dem Wunsche das derselbe Plan Beifall finden möge.“

Die über 17 Hektar große Parkanlage wurde von einem Wassergraben umgeben, am „Lütten Werder“ mit einer Steinbrücke versehen und die einfach gestalteten und mit Bäumen bepflanzten Wege sollten in einigen Jahren eine „höchst angenehme Promenade abgeben.“ Neben vielen Bänken im Park wurde auf Wunsch der Klosterdamen noch ein Pavillon mit Strohdach und acht Säulen aus rohen Baumstämmen errichtet. Auf der großen mittleren Freifläche im Park, die als Wiese bezeichnet wurde und seit 1964 als Sportplatz genutzt wird, hatte man in späteren Jahren den Rasen-Tennisplatz angelegt.

Der gesamte Klosterpark war natürlich eingezäunt und die Eingänge wurden abends durch den Parkwächter Bütow abgeschlossen. Es gab auch einen Nachtwächter, der hatte aber vorrangig im Kloster für Ruhe und Ordnung und für die nächtliche Beleuchtung zu sorgen. Der heute fast 90-jährige Dobbertiner Ernst Biermann kann sich noch gut daran erinnern, wie er als Zehnjähriger morgens über den Zaun kletterte, um zur Klosterbäckerei zu kommen, die sich im dortigen Brau- und Brennhaus befand.

Da es im Klosteramt für jede Angelegenheit immer eine Ordnung gab, hatte man für die Benutzung des Law (Rasen)-Tennisplatzes im Dobbertiner Klosterpark ebenfalls eine Ordnung erstellt. Dieses Dokument gibt erstmals Auskunft über eine sportliche Betätigung im Kloster. Der damaligen Klosterhauptmann Erblandmarschall Carl Friedrich Ludwig von Lützow auf Eickhof hatte mit seinem Küchenmeister Gustav Schulze als Regierungsrat die Statuten zur Benutzung des Tennisplatzes ausgearbeitet. In dem Statut vom 12. Juli 1897 waren in zwei von den nur vier Paragrafen schon finanzielle Strafen vorgesehen. So durften den Tennisplatz neben dem Klosterhauptmann und den Conventualinnen, den Klosterdamen, noch der Küchenmeister, der Forstinspektor, der Pastor und Amtsarzt nutzen. Doch auch deren Angehörige und den Gästen stand die Benutzung des Rasen-Tennisplatz frei.

Das zum Spielen erforderliche Netz, sowie die Bälle konnten von den Spielern im Küchenmeisterhaus in Empfang genommen werden und waren nach Beendigung, und zwar ersteres ordentlich zusammengelegt, wieder abzuliefern. Für fehlende Bälle waren bei der Rückgabe je 50 Pfennige an der Ablieferungsstelle zu entrichten. Das Spielen mit Absatzschuhen war bei einer Mark Strafe untersagt, ebenso das Mitbringen von Hunden seitens der Spieler.

Falls mehrere Parteien zu spielen wünschten, „lösen sich dieselben bei fehlenden anderweitigen Uebereinkommen in der Reihenfolge der Anmeldungen in der Weise ab“, damit keine Partei länger als 1,5 Stunden den Platz anderen Reflectanten vorenthalten sollte.

Bisher konnte leider noch nicht ermittelt werden, ob je ein Dobbertiner Pastor oder Klosterhauptmann im Klosterpark Tennis spielte. Das der Pastor zum Gottesdienst vom Pfarrhaus zur Klosterkirche mit der Kutsche gefahren wurde, war auch in einer Ordnung geregelt. Doch welche von den schon betagten Klosterdamen konnte überhaupt Tennis spielen? Das weiß bislang niemand, doch in den Sommermonaten kamen gerne viele ihrer Verwandte nach Dobbertin und genossen dort am und auf dem Dobbertiner See sowie im Klosterpark angenehme Tage.

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