Wenn Regeln nicht gelten : Sperrmüll zunehmend missbraucht

Kurz vorm Flug in den Sperrmüllpresswagen: Grund zum Lachen bei einem kleinen Scherz haben Udo Pade und Kollegen eher selten.
Kurz vorm Flug in den Sperrmüllpresswagen: Grund zum Lachen bei einem kleinen Scherz haben Udo Pade und Kollegen eher selten.

Bauschutt, Chemikalien, Elektrogeräte: Immer öfter finden sich in den Haufen Dinge, die nicht in die angemeldete Abfuhr gehören. Für Verstöße zahlen letztlich alle.

svz.de von
18. März 2014, 09:00 Uhr

Es dürfte fast einfacher sein, aufzuzählen, was sich nicht in Sperrmüllhaufen findet als umgekehrt. Auf die Situation angesprochen, redet Helmut Westendorf von der Entsorgungsfirma ALBA, die dieser Tage die am Straßenrand liegenden Berge abtransportierte, nicht lange drum herum und zeigt seinen Ärger deutlich: „Ob vollgeschissene Windeln, vergammeltes Essen aller Art oder schmieriger Hausmüll – es gibt so gut wie nichts, das Dir plötzlich gegenüber liegt oder in das Du reingreifst.“

Mindestens die Hälfte eines mehrere Kubikmeter großen Haufens in der Scharnhorststraße zum Beispiel besteht aus Pappkartons, altem Geschirr, Glasflaschen, leeren Farbeimern und ausgedienten Elektrogeräten. Alles Dinge, die nicht in den Sperrmüll gehören, was die Männer jedoch immer wieder finden. Nach Aussage des Unternehmens sei dies besonders in größeren Neubaugebieten der Fall, weil man sich seiner Abfälle hier ungleich anonymer entledigen könne und in der Regel keiner so auf den anderen achtet wie etwa in einer Straße mit Einfamilienhäusern. „Jeder bekommt einen Abfallratgeber, in dem genau steht, was ich wie und wo entsorgen kann“, ergänzt Westendorfs Kollege Udo Pade. „Warum trotzdem so viel falsch gemacht wird, hat entweder damit zu tun, dass der Ratgeber nur halb gelesen wird oder/und vielen Leuten egal ist, was sie tun. Hauptsache, bei ihnen ist der Dreck weg.“

Wenn die beiden Männer und die anderen Sperrmüll einsammelnden Beschäftigten von ALBA genau nach Vorschrift handeln würden, bliebe bei den meisten großen Haufen am Straßenrand vermutlich die Hälfte liegen. Unmengen an Pappe und Glas etwa haben sie beim jüngsten Mal noch mitgenommen, obwohl dafür überall Container bereit stehen.

Bei Eimern mit alter Farbe, Chemikalien und alten Waschbecken etwa ist allerdings jede Grenze überschritten. Diese Sachen nehmen die Männer nicht mit. Weil die einstigen Eigentümer sie erfahrungsgemäß in so gut wie keinem Fall zurücknehmen, bleiben sie liegen. „Handelt es sich um öffentliche Flächen, lassen wir als Stadt den Müll dann beseitigen, was unnötig Steuergelder kostet“, sagt Thomas Rosenfeldt, als Bürgeramtsleiter auch für den Bereich Ordnung zuständig. „Leider denken viele offenbar nicht darüber nach, dass auch in großen Neubauten letztlich alle Mieter die Kosten mitbezahlen, wenn die Wohnungsverwaltung den Müll teuer beseitigen lassen muss.“

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