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Goldberg : Spaziergang durch Leben und Werk zweier Meister

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Der Cellist Michael Barth war zu Gast beim Verein Goldbergkunst und referierte dabei in der Galerie über Rembrandt und Bach.

Goldberg | Intensive Wahrnehmung, auch im Bereich der Töne, wünschte sich Michael Barth zu Beginn seiner Präsentation von Bildern Rembrandts in der Galerie Goldbergkunst vom Publikum. Die Subjektivität des Betrachters, auch die eigene, machte er dabei zur Methode. Auch wenn Barth sich offenkundig in die kunstgeschichtliche Literatur eingelesen hatte, um einen kunstwissenschaftlich abgesicherten Extrakt zum Thema Rembrandt ging es ihm nicht.
Angekündigt war der Vortrag als eine Art „Gespräch“ zwischen zwei Großen, zwischen Rembrandt und Johann Sebastian Bach. Michael Barth, der als Cellist im Neustrelitzer Opernorchester tätig gewesen war, hat sich nach eigener Aussage zuletzt auf Bach und hier auf die Solosuiten für das Violoncello konzentriert. Mit dem Präludium einer Bachsuite setzte der Goldberger Vortrag denn auch ein. Aber um es gleich zu sagen – Michael Barth baute seinen Spaziergang durch Leben und Werke des großen niederländischen Barockmeisters anschließend so weitschweifend aus, dass für den Titanen der Musik kaum Zeit übrig blieb. Dennoch folgte das Publikum dem subjektiven, manchmal auch eigenwilligen Vortrag bereitwillig oder auch gern. Leider fehlte es dem Referenten manchmal an den schlüssigen Begriffen, um seine Intention sprachlich eindeutiger zu vermitteln.

Barths Spurensuche galt vor allem dem Leben-Werk-Zusammenhang. Mehrmals glaubte er in Rembrandts Figuren nahe Verwandte des Malers, Vaters oder Bruders zum Beispiel, wiederzuerkennen. Sie dienten dem Künstler als Modelle. In der auffälligen weißen Kopfbedeckung des Malers auf einem Altersselbstporträt vermutete der Referent die Adaption der Müllermütze von Rembrandts Vater und auch in Betrachtung der berühmten „Nachtwache“ ging er einem Leben-Werk-Bezug nach. Die kleine, wie durchleuchtet hell gemalte Frauengestalt auf diesem Bild, allgemein als Marketenderin dingfest gemacht, trägt nachweislich die Züge von Saskia, Rembrandts erster Frau. Und nachdenklich stimmt es schon, dass die Ehefrau, wie Barth berichtet, im Jahr der Fertigstellung des Gemäldes 1642 starb.

In Rembrandts Menschendarstellungen erkannte der Musiker häufig den Ausdruck großer Natürlichkeit und Bewegtheit. Er erblickte in einem Selbstbildnis des jungen Rembrandt etwas „Lauschendes“, in einem Porträt von des Malers Sohn Titus „Lockerheit“ und im Bildnis eines reichen Auftraggebers prägnante Willensstärke. An dieser Stelle erhob sich Protest aus der Zuhörerschaft. Sinngemäß: Barth bedenke nicht, dass Rembrandt Auftragsmaler war. Ein berechtigter Einwand. Zwar ist der Maler ein Meister darin, aus Gesicht und Haltung seiner Modelle Wesensmerkmale sprechen zu lassen, nie malt er flache Menschenbilder, aber niemand kann bestimmen, wie das Mischungsverhältnis aus Rücksicht auf den Auftraggeber und aus dem eigentlichen, wenn auch subjektiven, Erfassen des Wesenhaften seines Modells zusammengesetzt war. Hat der Künstler nicht schönfärben, weglassen, idealisieren müssen?

Nach der Pause spielt Michael Barth eine weitere Suite von Bach an. Er befragt das Publikum dann nach Gemeinsamkeiten zwischen Musik und Bildern, zwischen Bach und Rembrandt. Keiner traut sich, etwas zu sagen. Beider künstlerisches Werk drücke große Betroffenheit, das Ringen mit vielerlei inneren Fragen aus, sagt Barth sinngemäß. Geschont hat das Leben in der Tat beide nicht. Beide aber hätten gewusst, so der Referent, dass das Leben ein Fluss sei, beider Werk gehe von der Bewegung aus. Der Bach, so Barth, sei das perfekte Symbol für diesen Lebensfluss. Vielleicht haben ja ihre Namen sie unterbewusst mit dem Grundmuster dauernd fließender Bewegung imprägniert, überlegt der Vortragende. Denn der Komponist heiße schließlich Bach. Und der Maler? „Der Maler hieß mit dem Nachnamen ,van Rijn‘, also ,vom Rhein‘.“

 







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