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Burgfreunde im Fahrradfieber : Sonderausstellung: Voll abgefahren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Plauer Burgmuseum zeigt ab Saisonbeginn Sammlung historischer Fahrräder und zwei Nachbauten des Urmodells von Erfinder Karl Drais

von
erstellt am 31.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Dass Plaus Museumsfreunde immer für eine Überraschung gut sind, haben sie schon oft bewiesen. Wenn sie ihre Ausstellung zur Technik des 19. Jahrhunderts um neue interessante Stücke erweitern, wenn sie Nachbauten in Auftrag geben oder (und das passiert eigentlich ständig) sie selbst Hand an Stücke legen, die Präsentation, die längst zwei Etagen füllt, optimieren. Es sind durchweg reifere Semester, die sich seit Jahren um Gründerväter Dieter Ehrke und Dieter Froh scharen und in ihrer Freizeit aus der einst baufälligen inzwischen mit Leader-Mitteln sanierten Burgscheune mit ganz viel Herzblut ein Kleinod geschaffen haben. Eines, das in der Museumslandschaft seinesgleichen sucht. Aber vielleicht schauen Sie demnächst selbst – das Museum startet am 13.  April, 10 Uhr, in die Saison.


200 Jahre Fahrrad - am 11. Juni wird erinnert


Hier ein Tipp, der eigentlich noch geheim, also ein Geheimtipp ist: In diesem Jahr wird das Plauer Burgmuseum in einer Reihe mit so namhaften Häusern wie dem Technoseum Mannheim oder dem Deutschen Technikmuseum in Berlin stehen. Stichwort ist „200 Jahre Fahrrad“ – woran am 11. Juni erinnert wird. „Deutschlandweit wird da einiges los sein und für uns war klar, da müssen auch wir was machen. Unsere Anfangsidee war, ein historisches Laufrad zu leihen und nachzubauen“, sagt Dieter Ehrke. Ein Laufrad deshalb, da diese geniale Erfindung von Freiherr Drais von Sauerbronn (Karl Drais) als Urmodell des Fahrrades gilt. Karl Drais, der auch eine Notenschreibmaschine, eine Schnellschreibmaschine und zwei vierrädrige Fahrmaschinen erfand, ist auch Vater des Laufrades. Am 12. Juni stellte er es erstmals in Mannheim vor. Den Siegeszug seiner Erfindung, die in ihrer Grundform bis heute nahezu unverändert ist, hat Drais nicht mehr miterlebt. Völlig verarmt starb er 1866.

Vor Monaten hatten die Plauer am Erfindergeist des Mannheimers Feuer gefangen. Seitdem haben sie nicht gekleckert, sie haben geklotzt. Als sich das Mueßer Freilichtmuseum, das natürlich erste Adresse war, als Sackgasse entpuppte, nahmen die Plauer (ehrfürchtig) Kontakt zum Deutschen Technikmuseum in Berlin auf. „Mit so offenen Armen und Hilfe hatten wir echt nicht gerechnet“, ist Dieter Ehrke angetan von dem großen Haus. „Nicht ein Rad, sogar zwei Räder sollten wir bekommen, und die Berliner lieferten sie uns sogar nach Plau.“ Darunter das Laufrad von Drais. Albrecht Reisch machte sich bald daran, das Urmodell nachzubauen, in Eichen- und Nussbaumholz, das er vor gut 35 Jahren aus Stuttgart mitbrachte. „Sättel und Armstützen sind noch beim Sattler, ansonsten sind die Räder fertig“, ist Reisch stolz auf seine Arbeit.


Zum Saisonstart steht Großteil der Ausstellung


Zwei alte Räder, zwei Nachbauten, dazu die kleine Ausstellung zum Plauer Radsport mit eigenem historischem Hochrad… den Burgfreunden schien das für ,200 Jahre Fahrrad’ zu wenig. Und so organisierten sie noch mehr Räder. Wieder im Deutschen Technikmuseum. „Diesmal durften wir sogar ins Arsenal und kamen aus dem Staunen nicht heraus. Da standen nicht ein paar Räder, da waren immer gleich zehn, 20, 30 von einer Sorte“, erzählt Roland Supra. Laufräder, Tretkurbelräder, Hochräder, Stahlräder mit Kette. „Und die Berliner freuten sich über unser Interesse und meinten ,besser ihr zeigt bei Euch einige Räder, als dass sie hier nur rumstehen’.“

Und Plaus Museumsfreunde, die auch im Technoseum von Mannheim Unterstützung erhielten, sind schon ganz erpicht darauf, ihre neuen „Schätze“ (zwei, vielleicht sogar drei Jahre dürfen sie hochversichert in Plau bleiben) zu zeigen. Zirka 80 Prozent der Sonderausstellung „200 Jahre Fahrrad“ werden zur Saisoneröffnung am 13. April fertig sein. Komplett ist die Ausstellung am 11. Juni und wird dann auf eindrucksvolle Weise die Entwicklung des Fahrrades vom Draisschen Urmodell bis heute dokumentieren. Anlässlich des Jubiläums wird es eine große Veranstaltung geben – mit vielen Aktionen für Kinder, mit Fahrradkorso, Ausfahrt, Plauer Shantychor… „Das soll eine schöne runde Sache werden, bei der wir Unterstützung von den Jugendpflegern bekommen und zu der wir alle Interessierten schon heute einladen“, wirbt Dieter Ehrke.

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