Besuchermagnet : Sommerfest in großem Ambiente

Mit frechen Kostümen kapern sie die Aufmerksamkeit: Bewohner des Klosters Dobbertin
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Mit frechen Kostümen kapern sie die Aufmerksamkeit: Bewohner des Klosters Dobbertin

Die Kerneinrichtung des „Diakoniewerkes Kloster Dobbertin“ feierte – da war was los auf der Festwiese zwischen Kirchtürmen, den Werk- und Wohnstätten

svz.de von
20. Juni 2016, 12:00 Uhr

Was für ein Gelände, um ein großes Sommerfest zu feiern: Ein See, hoch aufragend die beiden eng gesetzten Kirchtürme, dazu die kaum übersehbare Anzahl historischer Gebäude des Klosters Dobbertin und mittendrin eine Festwiese, die diese Bezeichnung dank Größe und lebhaften Treibens wahrlich verdient hat.

Es ist was los in Dobbertin. Kein Parkplatz mehr zu haben und dabei ist das Fest erst seit einer halben Stunde offiziell eröffnet. Das Wetterpech der letzten Jahre sucht andere Orte heim, am blauen Himmel nur Gute-Laune-Wölkchen und auf der grünen Wiese mehrere hundert Besucher, Buden und Bühne. Nicht selten streckt sich mir die Hand eines der Bewohner der hiesigen Einrichtung entgegen, um mich zu begrüßen. Sie sind die Gastgeber an diesem Ort. Und es ist ihr Fest in zweifacher Hinsicht: Sie geben und sie genießen es. Langsam nur schaffe ich mir einen Überblick über die Fülle der Angebote.

Auf der Bühne musiziert eine Band der Musikschule Fröhlich aus Parchim. Rechterhand, immer aus Blickrichtung der wachsamen Kirchtürme betrachtet, fällt ein Trachtenkostüm ins Auge. Seine Trägerin Gabriele Liebenow gehört allerdings, wie sich herausstellt, keiner Trachtengruppe, sondern dem Förderverein des „Kinder-, Jugend- und Familientreffs“ aus Parchim an. Er hat hier den Stand „Freche Früchte“ aufgeschlagen, vermittelt Getränke, Obst und den Sinn und Zweck seiner Arbeit. Etliche Stände hier haben auch kommerziellen Hintergrund.

Sinn und Zweck des hiesigen „Diakoniewerks Kloster Dobbertin“ - unter diesem Namen firmieren übrigens sechzig und mehr Einrichtungen im Lande - ist es, Menschen mit geistiger Behinderung Wohnstatt und Schutzraum zu gewähren. Allerdings sind Begriffe wie „Heim“ oder „Heimbewohner“, gar „-insassen“, deren Bedeutung traditionell auch eine gesellschaftliche Wertung einschließt, out. „Sie sind Bewohner des Klosters Dobbertin“, sagt Geschäftsführer Hans Hopkes. Im Übrigen ist er froh über die Frequentierung des Festes. „Jedes Jahr besuchen uns mehr Gäste“, berichtet er. „Als im letzten Jahr die Puhdys hier waren, kamen einige Tausend.“

Hopkes ist an diesem Tag ein vielgefragter Mann. Nach dem kurzen Gespräch setze ich meinen Festwiesenbummel fort, treffe auf eine wundersame Gruppe von Piraten, die ihren Aufzug vielleicht in der Wohngruppe mit jenen Mitarbeitern ausgeheckt haben, die in einem Stand linkerhand Shakes anbieten, von Piratenhänden geschüttelt. Hier geht es nicht nur um Fruchtsaft, und einer der Bar-Piraten erinnert sogar entfernt an Johnny Depp, da ertönt von der Bühne „Atemlos durch die Nacht“ und erinnert an Helene Fischer, ist allerdings erstaunlicherweise die Stimme eines Heranwachsenden, also noch sehr jungen Sängers, der sich hinter großer Sonnenbrille geheimnisvoll verbirgt.

Nun ja, man muss nicht alle Facetten und Geheimnisse dieses Festes erwähnen. Auch nicht das Festcafé, das unter wunderbaren Kreuzgewölben aufgebaut ist und den herrlichen Kuchen ... . Hingehen und alles selbst erleben, lautet die Empfehlung für’s nächste Fest an diesem Ort.





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