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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. November 2017 | 22:23 Uhr

Landwirtschaft : Sollten Ställe künftig kleiner sein?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Fragen an Marcus Schwarzer, Chef der Dobbertiner Agrargenossenschaft und Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Parchim

von
erstellt am 02.Jan.2015 | 22:00 Uhr

Für die Bauern der Region beginnt das neue Jahr mit Einnahmeverlusten durch niedrige Erzeugerpreise. Zudem gibt es zunehmend Kritik an großen Stallanlagen.

SVZ-Redakteur Michael Beitien sprach über die aktuelle Situation in der Landwirtschaft mit Marcus Schwarzer, Chef der Dobbertiner Agrargenossenschaft und Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Parchim.


Herr Schwarzer, worüber haben Sie sich 2014 als Landwirt besonders gefreut?
Marcus Schwarzer: Die Ernte konnte in diesem Jahr ohne nennenswerte Probleme durchgeführt werden. Das Gerstenstroh ist uns zwar einmal eingeregnet wie den meisten anderen Landwirten auch, aber danach ging alles kontinuierlich über die Bühne bis zur Neuansaat der jetzt im Feld stehenden Winterfrüchte.
Anfang des Jahres 2014 hatten Sie sich in unserer Zeitung zur Agrarförderung geäußert. Ab 2015 werde es ein Zwölftel weniger EU-Fördermittel geben. Für ihren Betrieb, die Dobbertiner Agrar e.G., hatten sie herunter gerechnet: Es fehlt ein kompletter Lohn. Ist es bei der Kürzung geblieben. Und wie kompensieren Sie und andere Landwirte das?
Marcus Schwarzer: Die Kürzung ist geblieben, sie trifft uns aber erst 2015. Das heißt für uns, dass wir auf allen Ebenen Einsparungen vornehmen müssen. Wir wissen noch nicht, wie wir das realisieren können auf Grund der heutigen Einnahmesituation.
Im Discounter sanken die Milchpreise zur Freude der Verbraucher. Erzeugern in der Landwirtschaft macht das Sorgen. Im November sagten Sie, dass für Sie die absolute Schmerzgrenze, zu der Sie Milch produzieren können, bei 30 Cent pro Liter liegt. Was zahlen heute die Molkereien? Können die Milcherzeuger wieder aufatmen?
Marcus Schwarzer: Im Moment sieht es nicht so aus. Wir sind uns noch nicht sicher, ob die Talsohle erreicht ist, da im Moment mehr Milch auf dem Markt ist als benötigt wird. Schon bei den 30 Cent, die wir derzeit von den Molkereien erhalten, bindet jeder Landwirt jeder Kuh mindestens ein Zwei-Euro-Stück als Einnahmeverlust an den Schwanz. Da kann sich jeder vorstellen: Bei 500 Kühen verliert ein Landwirt am Tag 1000 Euro Einnahmen.
Wegen der Gefahr durch Vogelgrippe mussten die Geflügelhalter ihre Tiere einstallen. Das erhöht den Aufwand. Lohnt sich hierzulande überhaupt noch die Geflügelhaltung?
Marcus Schwarzer: Für die Geflügelhalter, die ihr Konzept auf das Ausstallen der Tiere gerichtet haben, heißt Einstallen Verringerung des Tierbestandes. Das bedeutet bei Legehennenhaltern Einnahmeverluste durch fehlende Eier, weil im Stall weniger Tiere als außen laufen dürfen. Für die Tiere kann sich der Stress erhöhen, weil sie es gewohnt waren, die Gebäude zu verlassen. Da die meisten Betriebe viel Geld investiert haben in tierartgerechte moderne Ställe, sind sie gezwungen weiter zu machen, um Bankkredite bedienen zu können. Einige sparen Futterkosten, in dem sie selbst produziertes Getreide einsetzen. Aber das können nicht alle.
Es gab wieder Skandale im vergangenen Jahr um die Fleischproduktion – so im Zusammenhang mit der Massenhaltung von Schweinen. Und es gibt immer wieder Bürgerproteste, wenn große Anlagen errichtet werden sollen. Veranlasst Sie das zum Nachdenken? Sollte die Landwirtschaft generell auf kleinere Ställe umstellen?
Marcus Schwarzer: Sie kann es nicht, weil das gesamte System zu teuer ist. Ein Arbeitsplatz in der Schweinehaltung kostet heute mehr als ein Arbeitsplatz in der Raumfahrt. In der Landwirtschaft hat es in den letzten 10 bis 15 Jahren enorme technische Neuerungen und Verbesserungen gegeben, was die Versorgung und das Schaffen optimaler Lebensbedingungen für die Nutztiere angeht. Leider ist es oft versäumt worden durch die Landwirte,

dies der Bevölkerung nahe zu bringen. Wenn eine Schweineanlage in Betrieb ist, dann ist sie in der Regel hermetisch abgeriegelt. Tage des offenen Hofes in solchen Anlagen können oft nur in der Bauphase oder kurz vor der Inbetriebnahme stattfinden, da viele menschliche Erreger auch für die Tiere gefährlich sein können. Vielleicht müssen wir in Zukunft dafür sorgen, die Anlagen besucherfreundlicher zu planen, um interessierten Bürgern Einblick in unsere Produktion zu gewähren.

Was wünschen Sie sich 2015 für die Landwirtschaft im Altkreis Parchim?
Marcus Schwarzer: Ausreichend Niederschlag und gute Preise für alle unsere pflanzlichen und tierischen Produkte.


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