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Augzin: Unternehmer fürchtet um seine Existenz : Solar: Gestern oben - heute am Boden

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Wenn Solar-Unternehmer Torsten Nowack über die Pläne der Bundesregierung zur Solarförderung spricht, schüttelt er immer wieder mit dem Kopf, seine Stimme überschlägt sich hin und wieder. Er versteht die Welt nicht mehr.

svz.de von
erstellt am 06.Mär.2012 | 06:31 Uhr

Augzin | Torsten Nowack versteht die Welt nicht mehr. Nein, er sei kein Pessimist. Im Gegenteil. Aber was die Politik sich da überlegt habe, das mache ihn wütend und auch ein bisschen ratlos. Wenn der Solar-Unternehmer aus Augzin über die Pläne der Bundesregierung zur Solarförderung spricht, dann schüttelt er immer wieder mit dem Kopf und seine Stimme überschlägt sich hin und wieder. "Das eine Veränderung kommen würde, war mir klar, aber dieser Schritt hat mich vollkommen überrascht", sagt Nowack. Ihn hat es eiskalt erwischt. Anderen Solarunternehmen geht es nicht anders.

Im Büro von Torsten Nowack riecht es nach Holz. Er hat ein altes Backsteingebäude ausgebaut. Damals, als noch niemand mit einem Ende des Solar-Booms rechnete. In der ersten Etage des Hauses liegen rote Mappen auf einem Tisch. "Das sind unsere Aufträge", sagt der gebürtige Berliner. Weniger als vor ein paar Wochen. "Die Hälfte der Kunden hat die Aufträge nach Bekanntwerden der Pläne zurückgezogen", sagt Nowack und kann es selbst kaum glauben. Panik geht um. Bei den Anbietern genauso wie bei den Kunden.

Denn die Pläne von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) haben es in sich. Die Vergütung pro Kilowattstunde soll deutlich sinken. Bei Anlagen mit einer Größe zwischen elf und 1000 Kilowattstunden etwa soll die Förderung von 21,9 auf 16,5 Cent sinken. Ein Schritt, der so gut wie für alle Anlagen gilt, die auf Gebäuden stehen, die größer sind als Einfamilienhäuser. "Das trifft uns in der ländlichen Gegend besonders hart, denn wir errichten hier viele große Anlagen, zum Beispiel auf den Dächern von Landwirtschaftsbetrieben", sagt Nowack.

Bis Ostern seien alle Aufträge abgearbeitet. Was dann komme, das wisse er auch noch nicht. "Es hat schon etwas Existenzielles", sagt der 40-Jährige. Aber er lacht trotzdem, versucht, positiv in die Zukunft zu schauen. "Aller Streichungen zum Trotz bleiben Solaranlagen schließlich interessant", sagt Nowack, spricht von einer Rendite um die fünf Prozent. "Das ist schließlich besser als nichts", sagt er und versucht, optimistisch zu bleiben.

Etwas anderes bleibt ihm auch nicht übrig. Gerade hat er eine Scheune als Lager ausgebaut, hat einen Kredit aufgenommen. Die Verbindlichkeiten wollen bezahlt werden. Zehn Mitarbeiter stehen auf der Gehaltsliste. Acht seiner Leute waren am Montag auf der Großdemonstration gegen die Kürzungspläne in Berlin. "Ich finde es wichtig, Flagge zu zeigen", sagt Nowack. 500 Anlagen haben der fünffache Vater und seine Mitarbeiter in den vergangenen elf Jahren auf Dächer in der Region gebracht. Sie hoffen, dass trotz allem noch viele hinzukommen.

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