Kunst in Goldberg : So leicht – so schwer

Kurator Gerhard Stromberg während der Ansprache zur Vernissage. Im Hintergrund hängen die Bilder Infant 1 und Infant 2.
Kurator Gerhard Stromberg während der Ansprache zur Vernissage. Im Hintergrund hängen die Bilder Infant 1 und Infant 2.

Von der Leichtigkeit und der Schwere des Lebens sprechen die Bilder Julian Khols. 13 seiner Werke sind bei Goldbergkunst ausgestellt

svz.de von
08. Juni 2016, 12:00 Uhr

Nein, die Bilder zeugen nicht davon, wie schwer es ist, Leichtes zu malen, denn dann könnten die Gräser, Ähren, Blüten des Malers Julian Khol diese Schwerelosigkeit wiederum nicht haben. Bilder wie diese des „erfolgreichsten Malers, den wir bisher ausstellen durften“ (Kurator Gerhard Stromberg) können jetzt in der Galerie Goldbergkunst betrachtet werden.

Bereits am frühen Nachmittag zur Übergabe der Fördermittel durch Minister Mathias Brodkorb waren die Plätze in der Galerie vollends besetzt, jetzt zur abendlichen Vernissage sind sie es wieder. Kurator Stromberg nutzt die Eröffnungsrede unter anderem, um Kai Hohlfeld, „Transporteur von Antiquitäten und Kunst“ und Mitglied im Verein Goldbergkunst, zu würdigen. Dem Spürsinn des Vorstandsmitglieds sei, nach der „wegweisenden Ausstellung“ von Werken des international prämierten Gregor Schmoll nun - sinngemäß - wieder die Verbindung zu einem Hochkaräter der bildenden Kunst gelungen.

Julian Khol, sechsunddreißig Jahre alt, gebürtiger Wiener, nun also in Goldberg. Allerdings sind „nur“ seine Bilder anwesend. Er selbst konnte leider zur Vernissage nicht erscheinen. Dass dies jedoch kein Zeichen von Geringschätzung ist, dafür spricht auch, dass der Künstler am 31. Juli in der Galerie sein wird, dann wird auch das vom Verein geplante Künstlerbuch mit hochwertigen Reproduktionen von Khol-Werken (Auflage 50 Stück) fertiggestellt sein.

Spontan sei der Maler zu dieser Ausstellung bereit gewesen, obgleich er synchron zwei weitere Ausstellungen zu erarbeiten gehabt habe, berichtet Stromberg. Dennoch seien es keine „Ladenhüter“, die Khol nach Goldberg geschickt habe. Einen erheblichen Teil der Bilder, die hier hängen, hat er - und das muss nun wirklich erstaunen - im Zeitraum von zehn Wochen speziell für Goldberg gemalt. Möglich ist eine so geschwinde Produktion wohl nur dann, wenn der Künstler seine Handschrift gefunden hat und die Gestalt aus der Vorformung im Kopf heraus sicher und präzise auf die Leinwand übertragen kann - ohne Korrekturen oder die Anlage weiterer Malschichten.

„Federleicht“, sagt eine Besucherin, seien diese Blütenbilder, eine andere lobt die ungewöhnlich räumliche Erscheinung der Grassujets des Malers. In der Tat: Man kann mit dem Blick zum Beispiel im unteren Teil der Graskaskade wie in einem Wald spazieren gehen. Das Geheimnis der pflanzenartigen Motive, nennen wir sie einmal so, ist wohl die Reduktion auf ihr Wesen, besser, eine Art von Transformation der natürlichen Erscheinung einer Pflanze, eines Baumes, eines Rebstocks in eine Idee davon, entstanden im Malerkopf. Inszeniert sind diese „ideellen“ Naturerscheinungen praktisch auf Leinwand und Öl und in Ölkreide und scheinbar in einem Fluidum, das sie schweben lässt, in einer Traumwelt vielleicht oder auf der ganz schwarzen Bühne der Laterna Magica.

Welche Assoziationen auch immer aufsteigen mögen - und sie sollen bei Betrachtung abstrahierender Kunst heraufbeschworen werden - letztlich ist es die originale Handschrift des Künstlers, die überzeugt. Sie scheint auch da auf, allerdings in anderer Charakteristik, wenn der Künstler Menschenporträts malt. Der Betrachter begegnet auf diesen Bildern auch der Schwere malerisch noch unergriffener Farbaufträge. Die Bilder Infant 1 und Infant 2 - Infant 2 zeigt zumindest ansatzweise die Züge eines Gesichts - sind die „malerische Annäherung an den Gedanken, Vater zu sein“, so Stromberg (Julian Khol wurde vor knapp zwei Jahren Vater eines Sohnes). Sie repräsentieren diese Annäherung nicht, sagt der Kurator, „sie sind es“.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen