Nachwuchsautorin sucht Unterstützer : Sinas Idee: Unsichtbares sichtbar machen

Sina Eberhardt mit ihrer Püppy auf der Hängematte im Garten ihrer Eltern in Sandhof – auch hier findet die Nachwuchsautorin neue Ideen für ihre Geschichten.
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Sina Eberhardt mit ihrer Püppy auf der Hängematte im Garten ihrer Eltern in Sandhof – auch hier findet die Nachwuchsautorin neue Ideen für ihre Geschichten.

Über die Crowdfunding-Plattform startnext.com versucht Sina Eberhardt aus Sandhof ihr Hörbuch „Sichtbar“ zu finanzieren und damit zu verwirklichen

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22. August 2015, 08:00 Uhr

Mit ihrem sympathischen Lächeln öffnet Sina die Tür, sie empfängt einen immer freundlich, herzlich. Auch ihre Hunde sind sofort zur Stelle, beschnuppern einen, begrüßen den Gast. Auf der Terrasse steht ein Tisch, liebevoll gedeckt, mit Tassen, Keksen, Apfelscheiben, Gläsern für Apfelschorle. Die Hunde wuseln im Garten herum, eine Katze – sie trägt den Namen von Winnetous Schwester Nscho-tschi – streicht über ihre Beine. Die Vögel zwitschern in den Bäumen, Greifvögel ziehen ihre Runde über den angrenzenden Feldern in Sandhof. Hier findet Sina auch immer wieder Inspiration, Ideen für ihre Geschichten, beim Fahrradfahren, beim Spazierengehen mit den Hunden, beim Fotografieren. Die Nachwuchsautorin entwickelt sich weiter, mit jedem Buchstaben, mit jedem Satz, mit jeder weiteren Seite ihrer Kurzgeschichten.

Aus der ehemaligen Abiturientin, die mit 20 Jahren ihr erstes Buch „Ebony Kasira“ veröffentlichte, ist eine Studentin an der Dekra-Hochschule  Berlin geworden. Fachbereich Regie.  Sie macht ihr Schreibhandwerk auch zum Beruf. Nicht nur als Schriftstellerin, als Drehbuchautorin, als Regisseurin will Sina – heute 23 Jahre alt – durchstarten. Das aber nicht mit leichten Themen, sondern auch mit problematischen, sie bricht Tabus. „Ich möchte ein Stück weit mit meiner Arbeit aufklären“, erzählt sie, bei Keksen und Apfelscheiben – an einem Sommermorgen in Sandhof.

Aufklärung, das ist es, was Sina antreibt, weiter zu machen, zu schreiben. Vernachlässigung eines Kindes nach der Scheidung der Eltern, Judenverfolgung während des Zweiten Weltkrieges, Tod – damit setzt sich Sina in ihren Kurzgeschichten auseinander. Doch es geht auch um Mitgefühl, Liebe, Freundschaft.

Zwischen den Zeilen nähert sich die 23-Jährige auch einem anderen Thema: Sie macht häusliche Gewalt „Sichtbar“. So heißt auch das Hörbuch, das Sina über Startnext, Crowdfunding, mit Hilfe von Fans und Freunden im weltweiten Netz herausbringen möchte. „Ich liebe Hörbücher. Bei mir geht vieles über die Stimme“, erklärt Sina. Deshalb brauchte sie Hilfe, eine sympathische Stimme. Eine Schauspielerin wurde es: Claudia Gaebel, vor kurzem noch in der Serie „Block B“ zu sehen, liest jetzt die Kurzgeschichten von Sina Eberhardt aus Sandhof.

Auch in MV ist Claudia Gaebel bekannt, hat sie doch bei den 18. Störtebeker-Festspielen „Der Fluch des Mauren“ die Rolle der Maria übernommen. Dort haben sich die beiden Frauen kennen gelernt. „Ich wusste nicht, ob Claudia mich noch kennt, als ich sie angeschrieben habe.“ Doch Sina scheint der Schauspielerin im Gedächtnis geblieben zu sein. Jetzt treffen sich die beiden, Claudia liest Sinas Geschichten, Sina nimmt diese auf. „Erst wenn Claudia es liest, leben meine Geschichten“, sagt Sina und lächelt, während sie noch eine Apfelscheibe nimmt. Die Hunde liegen zu ihren Füßen, schnauben leicht, fühlen sich wohl – das ist sichtbar.

So vieles will Sina noch sichtbar machen. „Ich will nicht schocken. Deshalb sind die Charaktere in meinen Geschichten eher seicht. Ich widme mich den Themen lieber auf eine naive kindliche Art.“ Dennoch gehört eine fundierte Recherche dazu. Das macht die Studentin auch bei ihren Drehbüchern für das Studium.

„Lass mich fliegen“ ist eine von diesen „Sichtbar“-Kurzgeschichten, die Claudia Gaebel mit ihrer Stimme zum Leben erweckt. Eine Geschichte über Krankheit und Tod, doch vor allem über wahre Freundschaft, die über den Tod hinaus noch Bedeutung hat. „,Ich will jetzt fliegen‘“, sagt Fynn zu seinem besten Kumpel Nils. Eine Geschichte mit Herz, mit Tiefgang. „Ich weiß, er ist es schon lange, aber jetzt bin ich es auch. Bereit ihn gehen zu lassen. Ich setze mich neben meinen Freund und nehme ihn in den Arm. Jetzt komme ich mir groß und stark vor. Ich fühle mich wie der große Bruder, in dessen Armen er sicher sein kann. Ich weiß, er spürt es auch. ,Du kannst jetzt fliegen, kleiner Bruder.‘“

Sina Eberhardt schreibt ihre Geschichten häufig aus der Ich-Perspektive, versetzt sich in die jeweiligen Charaktere. Doch die meisten „Geschichten entstehen beim Schreiben.“ Mit dem Hörbuch „Sichtbar“ – Kurzgeschichten über Freundschaft, Liebe und Mitgefühl gibt auch Sina Eberhardt ihren Geschichten Flügel. Ob sie fliegen werden und ihr Projekt angenommen wird, wird sich zeigen. Doch weitere Ideen hat die 23-Jährige bereits. Und auch Tabuthemen wird sie weiterhin „Sichtbar“ machen.

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