Politik : Sie will es noch einmal wissen

Kulturell große Stunde für Lübz: Julia Theek (M.) führte auch Brauereigeschäftsführer Wilfried Horn und Bürgermeisterin Gudrun Stein (r.) im Juni durch den neu eröffneten „Kunstspeicher“.
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Kulturell große Stunde für Lübz: Julia Theek (M.) führte auch Brauereigeschäftsführer Wilfried Horn und Bürgermeisterin Gudrun Stein (r.) im Juni durch den neu eröffneten „Kunstspeicher“.

Jahresrück- und Ausblick mit Lübz’ Bürgermeisterin Gudrun Stein / Zum letzten Mal Kandidatin / Drastischer Rückgang an Bewerbern

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29. Dezember 2014, 22:00 Uhr

Auch hinter der Stadt Lübz liegt ein ereignisreiches Jahr. SVZ-Redakteur Ilja Baatz sprach mit Bürgermeisterin Gudrun Stein über 2014 und die Zukunft.

Frage: Gibt es etwas, was Sie aus persönlichem Empfinden heraus hervorheben würden?

Gudrun Stein: Es liegt mir fern, eine Rangliste zu erstellen, aber eine große Besonderheit war für mich die Einladung zu einer Festveranstaltung in Wien anlässlich des Tages der Deutschen Einheit vom Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Österreich und von Ministerpräsident Sellering. Schön war, dass auch mein Amtskollege aus unserer Partnergemeinde Hartkirchen eine Einladung hatte und wir so das Wochenende in dieser großartigen Stadt verbringen konnten. Ursprünglich hatten wir nie einen Termin gefunden.

In Lübz hat das ganze Jahr über der Kampf um die unveränderte Erhaltung der Südbahn immer wieder den Alltag geprägt. Ihre Meiung dazu?

Gudrun Stein: Ich freue mich, dass es Menschen gibt, die bereit sind, für Dinge auf die Straße zu gehen, von denen sie überzeugt sind – ob vor der Staatskanzlei in Schwerin, dem Landratsamt in Ludwigslust oder auf unserem Bahnhof. Und ich gehe gern mit. Auf uns – die Verwaltung – wird nicht mehr gehört. Touristen wollen die Bahn und besonders viele junge Leute aus der Lübzer Region fahren mit ihr nach Parchim, weil die Berufsschule dort direkt am Bahnhof liegt. Auch Musikschüler nutzen oft die Bahn, um zum Beispiel nach Hamburg zur Ausbildung zu gelangen. Dass man alles auf den Prüfstand hebt – in Ordnung. Aber Bahn und Bus gehören ergänzt und nicht pa-rallel eingesetzt. Alle gehören endlich an einen Tisch!

Wie fühlen Sie sich?

Gudrun Stein: Gut. Am 10. Januar wurde ich 60 Jahre alt. Das ist nicht so besonders, aber mir fällt auf, dass immer mehr Menschen um mich herum in den Ruhestand gehen, die mich von der ersten Stunde an begleitet haben. Dazu gehört zum Beispiel die Verabschiedung von Heinz Schünemann vom Wasser- und Abwasserzweckverband am 23. April.

Gab es ein Novum für Sie?

Gudrun Stein: Durchaus. Bei der Kommunalwahl am 25. Mai war ich zum ersten Mal in meinem Leben Wahlleiterin, während ich sonst immer auf der Liste stand. Es wird aus jetziger Sicht bei der Ausnahme bleiben. Bei der 2015 anstehenden Bürgermeisterwahl möchte ich ein letztes Mal antreten, um noch einige Dinge zuende zu bringen. Die letzten sieben Jahre sind schnell vergangen.

Was waren aus Ihrer Sicht auch im positiven Sinne Höhepunkte?

Gudrun Stein: In kultureller Hinsicht fällt mir sofort die Eröffnung des Lübzer Kunstspeichers von Julia Theek am Ziegenmarkt ein, eine für unsere Stadt neuartige Einrichtung, auf die ich mit großer Freude schaue – und die als Tourismusmagnet übrigens die Bahn ebenfalls für unverzichtbar hält. Am 16. Januar wurde der Fusionsvertrag mit Lutheran unterzeichnet. Wieder ein großer Erfolg waren außerdem sowohl das Mai- und Stadtsportfest vom Lübzer Sportverein (LSV) als auch das Stadt- und Kinderfest. Vom Verein Lübzer Land e.V. organisiert, unterstützen nahezu alle Vereine und Unternehmen die städtische Veranstaltung und unter Leitung der WVL werden Spenden für Preise gesammelt. Ebenfalls eine schöne Tradition sind auch schon die Laternenumzüge der Grundschule und der Werbegemeinschaft EKZ und des Karnevalclubs. Der Naturlehrpfad Am Neuen Teich ist wieder ein Anziehungspunkt und darüber hinaus konnten wir nach langer Bauzeit die Grundschule einweihen – Teilabschluss eines großen Vorhabens. Bereits ein Wochenende zuvor hatten Eltern die Einrichtung besuchender Kinder und andere Interessierte die Möglichkeit, die Räume in Augenschein zu nehmen. Ich denke, die meisten waren begeistert.

A propos Bildung: Wie steht es um die Regionale Schule?

Gudrun Stein: Dieses Millionen-Projekt steht uns bevor und soll 2015 beginnen – finanziell eine Herausforderung. Für die Bildung wollen wir das Bestmögliche geben, für gute Arbeitsgrundlagen von Lehrern wie Schülern.

Wo steht Lübz heute?

Gudrun Stein: Wir haben schon viel geschafft, aber viel liegt auch noch vor uns. Die Lübzer Region gehört zum wirtschaftsschwächeren Teil des Landkreises, was sich auf die Handlungsfähigkeit auswirkt. Bei Fortführung des konsequenten Sparkurses, Ausschöpfung aller möglichen Einnahmen und Optimierung von Verwaltungsabläufen sehe ich trotzdem die Chance, mittelfristig zu einem ausgeglichenen Haushalt zu kommen. Weil freiwillige Aufgaben nicht ohne weiteres mit dem Sparkurs vereinbar sind, wird der Verein Lübzer Land e.V. zum 1. Januar auch die Trägerschaft für die städtische Bibliothek übernehmen, um sie dauerhaft zu erhalten.

Spüren auch Sie den mittlerweile überall auftauchenden Fachkräftemangel?

Gudrun Stein: Allerdings. Wir haben schon seit längerem für den Eigenbedarf ausgebildet und die Kräfte übernommen, müssen nun aber auch unbedingt daran gehen, genügend Bewerber zu bekommen. Im letzten Jahr haben wir zum Beispiel eine Stelle dreimal ausgeschrieben und nur noch ein Fünftel der Bewerbungen erhalten, die früher nach dem ersten Mal eingingen.

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