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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

16. Dezember 2017 | 16:01 Uhr

kampfsport : Shaolin lässt grüßen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Im Plauer Kijuz stellten Kinder und Jugendliche ihr Können in Karate unter Beweis

Man könnte die Gruppen in der Turnhalle so unterscheiden: Die einen sind die Barfüßlinge, sie tragen weite weiße Anzüge, sind meist deutlich unter zwanzig Jahre alt und überdies oft heftig in Bewegung. Die anderen sind die Sockenträger, deutlich über zwanzig, grau, schwarz oder sonst wie eingemummt und sitzen ständig auf Bänken. Sie sind die Eltern, oder weitere Begleitpersonen, der ersten Gruppe. Diese wiederum wird sich hier einer Prüfung stellen, um einen weiteren Grad in der Kampfkunst Karate hinaufzuklimmen.

Trotz des vielen Weiß ist das Gepräge der Veranstaltung bunt. Bunt im Wortsinn sind zunächst einmal die Gürtel der Karateanzüge. Die Gürtelfarben kennzeichnen den Grad, den der Adept in der Kampfkunst bisher erworben hat. Wer noch ganz am Anfang steht, erhält einen Gürtel in Weiß, später folgen solche in Gelb, Orange, Grün, Blau, Braun und schließlich in meisterlichem Schwarz. Außerdem geht es auch im übertragenen Sinn bunt zu. In der Geräteecke wird gebalgt, am einen Ende der Halle geübt, zwischendurch Süßes genascht, Eltern fotografieren und vom anderen Ende der Halle her, vom Prüfertisch, erschallen fremdartig klingende Ansagen: itschi, ni, san, chi und weitere. Genannt sind die Zahlen eins bis vier auf Japanisch und bei jedem neuen Ausruf vollzieht der Prüfling oder auch eine Gruppe von Prüflingen bestimmte Bewegungen oder Schrittfolgen.

Vier Jungs, die alle Orange tragen und Grün anstreben, stellen sich gerade den Prüferblicken. Wie schwer die erforderliche Konzentration für diese Koordination von Kopf und Körper aufzubringen ist, kann man den Prüflingen ansehen. Der ältere unter ihnen beherrscht die Übungen schon recht gut, ein jüngerer beispielsweise ist unsicher: Muss er nun den rechten oder den linken Arm vorschnellen lassen? Rasch schaut er, wie es die anderen machen.

Der „Sensei“, Trainer Marcus Juhl, soeben mit zweien seiner ehemaligen „Schüler“ in Prüferfunktion, trainiert selbst seit 24 Jahren. Er hat die Instruktoren- und Prüferlizenz, arbeitet in Malchow seit elf und in Plau seit drei Jahren vornehmlich mit Jugendlichen. Seine Plauer Gruppe zählt sechsundzwanzig Mitglieder. Neben Karate bietet er noch Kickboxen und K1 an. Juhl wirkt ausgesprochen entspannt. Wenn Prüflinge Schwächen zeigen, wird noch einmal korrigiert und kurz geübt, dann haben die jungen Leute eine weitere Chance. Die Gelassenheit, die Juhl an den Tag legt, ist auch das Ergebnis seiner eigenen langjährigen Übungen. Im Gewinn innerer Ruhe lag überhaupt sein Motiv, Karate zu praktizieren: „Die Kampfkunst vertieft das harmonische Zusammenspiel von Körper und Geist und verleiht Ruhe in hektischer Zeit“, sagt er. „Man lernt abzuschalten. Beim ,Seiza‘, dem An- und Abgrüßen in hockender Stellung und mit geschlossenen Augen, ist alles andere draußen.“

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen „macht außerdem Spaß“, obwohl der 41-Jährige naturgemäß auch schwierigere Kinder zu betreuen hat. Dennoch: Die Kinder in ihrer Anhänglichkeit geben auch viel zurück, bekennt er. Außerdem habe dieser Sport nur ein geringes Verletzungsrisiko und sei gerade auch für Mädchen sehr wichtig. Allerdings – „wer das Können aggressiv missbraucht, fliegt sofort aus dem Verein“.

Die Kleinen und Kleinsten selbst, wie beurteilen sie ihren Sport? „Es macht Spaß“, antworten sie lachend. Und dann sagen sie noch, was einen in diesen Tagen nicht wundern muss: „Und wir haben bereits ein Karnevalskostüm.“ Dabei deuten sie auf ihre schönen weißen Karateanzüge.

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