Konkurrenz zum Internet : Service für Kunden ist Diamant

Heiko und Angelika Kropf betreiben das letzte private Bekleidungs-Fachgeschäft in Lübz.  Fotos: Baatz
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Heiko und Angelika Kropf betreiben das letzte private Bekleidungs-Fachgeschäft in Lübz. Fotos: Baatz

Chancen, Konkurrenz aus dem Internet standzuhalten: Vertreter von drei Fachgeschäften berichten über ihre Erfahrungen

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03. Januar 2016, 14:24 Uhr

Nimmt man eine große Zahl aufgeschnappter oder auch selbst geführter Gespräche für bare Münze, geht vom Einkauf im Internet für viele mittlerweile eine magische Kraft aus. Billiger, besser, Geiz ist geil. Um zu erfahren, wie es in der Realität aussieht, unterhielten wir uns mit Vertretern von drei verschiedenen Branchen in der Lübzer Innenstadt.

In dem 1990 eröffneten, mittlerweile von Tobias Wätke geführten, gleichnamigen Geschäft am Ziegenmarkt gibt es Elektro-Groß- und Kleingeräte und der Kunde erhält hier außerdem auf Wunsch Informationen zu Elektro-Installationen aller Art. „Installation, Reparatur und Beratung – Rundum-Service in einer Hand, der im Internet so nicht gegeben und unser großer Vorteil ist“, sagt Mitarbeiterin Monika Bobrowski.  „Ein Online-Kauf ist nicht zwangsläufig billiger und gute Preise können einen Haken haben, aber machen wir uns nichts vor: Junge Leute fehlen im Geschäft. Die Kundschaft entspricht der hauptsächlich in Lübz lebenden Altersschicht.“ Kontakt zu Jüngeren gebe es oft erst dann, wenn ein Gerät repariert werden muss und man auch sehe, mit welcher „Qualität“ sie manchmal schon nach kurzer Zeit zu kämpfen haben. Fakt sei, dass sich alle Firmen mit der mächtigen Konkurrenz auseinander setzen und letztlich dem Markt anpassen müssen. „Manchmal ist auch zu spüren, dass sich Leute ausführlich beraten lassen und dann woanders kaufen“, sagt Monika Bobrowski. „Das ist natürlich sehr ärgerlich.“

Mit seiner Frau Angelika betreibt Heiko Kropf das Bekleidungsgeschäft „Allerlei Mode für Sie und Ihn“ seit dem 1. September 1992. Trotz „schwerer und guter Zeiten“ habe er den Schritt in die Selbstständigkeit nicht bereut – nicht zuletzt auch deshalb, weil die positiven Erfahrungen überwogen.  In dem damals gekauften Haus in der Mühlenstraße ist das letzte Fachgeschäft seiner Art in Lübz untergebracht. „Wir existieren zu über 90 Prozent von Stammkunden“, sagt Angelika Kropf. „Unser in der mittleren Preisebene angesiedeltes Sortiment ist breit angelegt – ab 30 aufwärts – was es schwieriger macht, aber die Kunden honorieren es.“ Mit einem Computer könnten sie nicht sprechen und Wünsche äußern, Beratung entfalle. Außerdem bietet das Geschäft einen kostenlosen Änderungsservice für in ihm gekaufte Ware. „Und Größe 38 etwa ist nicht gleich Größe 38“, ergänzt Heiko Kropf. „Wenn die im Internet bestellte Ware dann nach Hause kommt, sind viele auch darüber enttäuscht, was sie sehen.“ Der Service des Ehepaars reicht weit. Wenn ein Kunde zum Beispiel nicht mehr das Haus verlassen kann, fährt Angelika Kropf mit Ware zu ihm.

Die Lübzer hantierten nicht mit Tricks, die in zahlreichen Branchen mittlerweile leider vielfach an der Tagesordnung seien. Zum Beispiel werde der vom Hersteller als Orientierung vorgegebene Preis einfach heraufgesetzt, durchgestrichen und der eigentliche als sensationelles Angebot hingestellt. Wenn nicht gerade eine große Menge reduzierte Ware auf den Markt geworfen wird, habe Kropf auch seine Artikel im Internet so gut wie noch nie billiger gesehen. Ändern könne man die Entwicklung nicht. Überlegen solle jeder jedoch auch einmal,  dass dem eigenen Wohnort durch Internetkäufe Steuern entgehen, was letztlich jeden betreffe.

Bücher, Schreibwaren, Spielsachen, Schulbedarf aller Art, Grußkarten und Kalender bietet Florian Hoeft in seinem Geschäft an. Besonders den Verkauf von Büchern bezeichnet er als „schleppend“ – die Weihnachtszeit ausgenommen. In der Regel gehe es nur darum, Kindern und Jugendlichen ein Exemplar zu schenken. Hoeft hat das Geschäft von seiner Mutter übernommen. Das Internet bezeichnet er als für ihn sehr ernst zu nehmende Konkurrenz: „Ich habe nachgerechnet und festgestellt, dass sich der Umsatz seit 2000 etwa halbiert hat.“ Um  großen Anbietern nicht völlig reaktionslos gegenüber zu stehen, rief der junge Mann einen Online-Shop ins Leben – ein heute bestelltes Buch ist morgen da. „Kein Vergleich mit großen Anbietern, aber wenigstens der Versuch, den Schaden etwas abzufangen“, sagt Hoeft. Die ersten Erfahrungen sind positiv. Größtes Pfund in der Hand bleibe jedoch der Service für den Kunden vor Ort.

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