Plau am See : Seniorenbeirat legt Mängelliste vor

Mühlenstraße: An manchen Stellen verschwindet der Bürgersteig fast gänzlich unter Hauseingangspodesten.
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Mühlenstraße: An manchen Stellen verschwindet der Bürgersteig fast gänzlich unter Hauseingangspodesten.

Bordsteine, Poller, zugeparkte Übergänge – Plauer Ehrenamtler kämpfen für mehr Barrierefreiheit. In der Stadt suchen sie einen Partner

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23. April 2015, 22:00 Uhr

„Wir haben die Weisheit bestimmt nicht mit Löffeln gegessen“, räumte Dr. Rainer Nissler, Vorsitzender des Plauer Seniorenbeirates auf dessen jüngster Sitzung gleich zu Beginn ein. „Jedoch wissen wir ganz genau, wo Bordsteine, Poller, Senken oder andere Hindernisse in der Stadt für ältere und nicht mehr so mobile Leute zu Barrieren werden.“ Der Seniorenbeirat, der im Oktober 2014 angetreten ist, um Plau gemeinsam mit der Stadt zur „Seniorenfreundlichen Kommune“ zu gestalten, hatte seine Hausaufgaben lange vor der Sitzung am Mittwoch gründlich erledigt. „Wir sind die Stadt abgegangen, haben kritische Punkte protokolliert und Stadtverwaltung und -vertretung davon in Kenntnis gesetzt“, so Nissler. Die Absicht dahinter ist klar: Der Seniorenbeirat möchte, dass möglichst viele Barrieren verschwinden. „Uns ist bewusst, dass die Stadt schon vieles macht. Wir aber wollen, dass Maßnahmen für mehr Barrierefreiheit nicht zufällig erfolgen, sondern bereits Bestandteil der Planungen sind“, erklärt Rainer Nissler.

Diesem Ziel kamen die Mitglieder am Mittwoch schon ein kleines Stück näher. Sie hatten Bauamtsleiter Klaus Baumgart eingeladen und konfrontierten ihn gleich mit einer ganzen „Stolpersteine-Sammlung“. Mit der Gartenstraße/Lübzer Straße zum Beispiel. Das Problem hier: Die Straße liegt höher als der Gehweg; zudem hat sich zwischen Gehweg und Fahrbahn über die Jahre eine Senke aufgetan, die begradigt werden müsste. Die Stadt, bremste Baumgart zuviel Euphorie, habe ca. 80 Kilometer Straße in der Unterhaltung, mit permanenten Straßenschäden zu kämpfen, aber nur 100  000 Euro zur Verfügung. „Also müssen wir Schwerpunkte setzen“, stellt dre Amtsleiter klar. Eine Sanierung der Ludwigsluster Straße indes sei nicht geplant, da hier ein Rückbau notwendig wäre, an dem die Anlieger finanziell beteiligt würden. „Das bekommen wir schlicht nicht vermittelt. Und da es keine übergeordnete Straße ist, können wir auch niemanden zwingen“, so Baumgart. Sollten Gelder bereitstehen, solle die Begradigung noch 2015 erfolgen.

Auf der Wunschliste des Seniorenbeirats steht auch die „Hühnerleiter“. Eine bequeme Alternative für alle, die vom Alten Wall über die Elde zur Strandstraße wollen. Super für Fußgänger, Radfahrer; selbst mit dem Kinderwagen kann man die Brücke passieren. „Mit dem Rollator? Keine Chance!“, monierte Frau Schäfer in der Beiratssitzung. Ihr Vorschlag: Die beidseitig befestigten Holzbohlen ein paar Zentimeter verbreitern und das Problem wäre gelöst. Zuständig sei hier das Wasser- und Schifffahrtsamt, erklärte Baumgart, wobei die Stadt den Belag übernommen habe. „Wir müssen prüfen, ob wir es baurechtlich dürfen, vor allem wegen des Anstiegs. Sofern nichts dagegen spricht, könnten wir das umgehend erledigen.“

Die Mitglieder und Gäste des Seniorenbeirats kamen immer mehr in Fahrt. Ihr nächstes Problem betrifft die kopfsteingepflasterte Steinstraße. Fußgängerüberwege gibt es hier. Die haben abgesenkte Bordsteine und plattes Pflastert. „Aber sie werden von den Autofahrern zumeist übersehen, wenn nicht gar ignoriert“, sagte Rainer Nissler. Der Bauamtsleiter war im Bilde und hatte sogar gute Nachrichten. Zur Probe solle umgehend ein Übergang mit farblichen Aluzwecken hergerichtet werden. Daneben erarbeite der Ortssanierer BIG-Städtebau ein neues Konzept, für dessen Umsetzung Fördermittel beantragt werden. Die Stadt hoffe auf 60 Prozent.

Immer mehr zum Problem seien die „belagerten“ Bürgersteige geworden, zitierten die Beiratsmitglieder weiter aus ihrer Mängelliste. Schwierig sei es vor allem vor Cafés, die Stühle, Tische, Aufsteller platzieren. Der Stadt sei das Problem bekannt, räumte Klaus Baumgart ein. Ein Café habe gerade eine letzte Verwarnung erhalten. Sollte sich der Inhaber nicht daran halten, sei er seine Sondernutzung los.

Die Bürgersteige seien auch in der Mühlenstraße und Mauerstraße das Problem. Warum? Weil sie an manchen Stellen fast gänzlich unter Hauseingangspodesten veschwinden - und Rollstuhlfahrer gar nicht daran vorbeikommen. Hier hatte der Plauer Bauamtsleiter wenig Hoffnung machen: „Straße, Bürgersteig - es ist einfach zu eng. Das wird sich nicht anders lösen lassen.“

Dass sie nicht mit allen Wünschen und Forderungen ans Ziel kommen, ist den engagierten Plauern klar. Dr. Rainer Nissler: „Wir verstehen uns als Ideengeber und Partner. Und je mehr wir für die Senioren erreichen, desto besser.“

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